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International

Zwischen Israel und Iran stehen die Zeichen auf Krieg

Richard Müller
Freitag, 17. Februar 2012, 7:22 Uhr

Psychologisch führen Iran und Israel längst einen erbitterten Krieg. Ihre Drohgebärden zeigen: Beide Länder nehmen einen Militärschlag in Kauf. So hat der iranische Präsident Ahmadinedschad verkündet, das Land habe drei neue Atomprojekte erfolgreich abgeschlossen. «SF Online» hat mit zwei Experten über das Risiko eines bewaffneten Konflikts gesprochen.

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Angeblich Iraner versuchten am vergangenen Mittwoch in Georgien und Indien israelische Diplomaten mit Bombenattentaten zu töten. Ähnliches ereignete sich am Dienstag in der thailändischen Hauptstadt Bangkok. Dabei wurde einer der mutmasslichen Attentäter, ein Iraner, selbst schwer verletzt. Ein weiterer Iraner wurde festgenommen. Der dritte ist inzwischen in Malaysia festgenommen worden. Die Liste der gegenseitigen Provokationen ist lang. Ein israelischer Regierungsvertreter sagte am Mittwoch, Agenten des Irans und der libanesischen Hisbollah hätten in allen Fällen versucht, israelische Diplomaten anzugreifen.

«Der Iran bedroht die weltweite Stabilität»

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu schlug nach den Anschlagsserien im Parlament in Jerusalem scharfe Töne an: «Iran ist der grösste Terror-Exporteur der Welt. In diesen Tagen werden die Terroraktionen des Irans vor den Augen aller aufgedeckt. Der Iran bedroht die weltweite Stabilität.»

Bild Polizisten führen einen Mann in blauweiss gestreiftem Polo-Shirt ab.
Kurze Zeit nach den Attentatsversuchen nahm die thailändische Polizei mehrere Verdächtige fest. reuters

Israel will dies offensichtlich nicht tolerieren. So sind in jüngster Vergangenheit mehrere iranische Atomwissenschaftler ermordet und das iranische Atomprogramm mit dem Cybervirus Stuxnet sabotiert worden. Diese Vorkommnisse werden dem israelischen Geheimdienst zugeschrieben. Bislang blieb es bei Drohgebärden und gegenseitigen Beschuldigungen. Doch diesmal könnte der Siedepunkt erreicht sein.

«Bei der israelischen Führung gibt es beträchtliche Sorgen, dass die Urananlagen schon bald jeglicher Kontrolle entzogen sind», erklärt Oliver Thränert, leitender Wissenschaftler bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, im Gespräch mit «SF Online». So werde beispielsweise die Atomanlage bei Fordo in den Fels gebaut. Diese Anlage sei besonders geeignet für ein militärisches Atomprogramm. «Die israelische Führung steht zurzeit vor dem Entscheid: jetzt oder nie.»

Bild Satelliten-Aufnahnahme der Urananreicherungsanlage in Natanz
Satelliten-Aufnahme der Urananreicherungsanlage bei Natanz. Auch dieses Gelände könnte Ziel eines israelischen Luftschlags sein. reuters

Tilgner: «Die USA und Israel haben einen Plan»

Dies sagt auch Israels Verteidigungsminister Ehud Barack. Demnach werde Iran in wenigen Monaten die «Zone der Immunität» erreichen. Dann sei das iranische Atomprogramm weitgehend vor militärischem Zugriff geschützt. Dies spricht dafür, dass ein Angriff Israels auf den Iran bevorsteht. Davon ist SF-Nahost-Experte Ulrich Tilgner überzeugt: «Ein Krieg scheint im Moment unabwendbar. Wenn es Krieg geben wird, wird es allerdings ein kurzer und heftiger Krieg.» Wann der Erstschlag erfolgen werde, sei noch unklar. 

«Die USA und Israel haben einen Plan, nur ist dieser noch nicht bekannt», sagt Tilgner. Man müsse zuerst die Parlamentswahlen Anfang März im Iran abwarten, danach werde sichtbar in welche Richtung der Iran ziele. «Kurz danach wird Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in Washington erwartet. Dieser Besuch wird zeigen, wie die USA und Israel in Sachen Iran vorgehen werden», erklärt Tilgner.

Druck auf Obama-Administration aufbauen

Thränert wendet allerdings ein: «Wenn Israel viel kommunizierte, wie dies im Moment der Fall ist, dann passierte meistens nichts. Als 1981 Israel das im Osten des Irak liegende AKW Osirak bombardierte oder 2007 atomare Anlagen in Syrien angriff, gab es im Vorfeld keine Hinweise darauf.»

Im Falles des Irans seien israelische Geheimdienstexperten der Ansicht, dass die Sabotageakte wie der Angriff mit dem Cybervirus Stuxnet eine Verzögerung des Atomprogramms bewirkten, sagt Thränert. Ob man das Atomprogramm damit oder mit Sanktionen gänzlich stoppen könne, sei aus der Sicht Israels mehr als zweifelhaft.

«Israel will mit seiner Rhetorik Druck auf die Obama-Administration aufbauen und die USA bewegen, weitergehende Massnahmen als die bestehenden Sanktionen zu ergreifen», schätzt Thränert. Doch Obama werde sich zurzeit hüten, eine Militäraktion zu starten. Seine Aufmerksamkeit konzentriere sich auf den Wahlkampf. Es sei aber möglich, dass Obama nach seiner Wiederwahl einen Militärschlag ins Auge fassen könnte.

Die Angst vor dem Flächenbrand

«Die USA werden allerdings keinen Alleingang wagen, sondern allenfalls mithilfe von europäischen Partnern wie Grossbritannien und in Kooperation mit Israel aktiv werden», schiebt der Wissenschaftler nach.

Die israelische Luftwaffe wäre zwar in der Lage, gezielte einzelne Schläge gegen iranische atomare Anlagen sowie militärische Ziele auszuführen. Einen längerfristigen Waffengang würde sie jedoch nicht ohne US-Unterstützung durchstehen. «Und wenn dieser Job gemacht werden muss, dann richtig», betont Thränert.

Verheerender Flächenbrand

Ein nuklear bewaffneter Iran würde die Gefahr eines Atomkriegs im Nahen Osten deutlich steigern, wie «Spiegel Online» schreibt. In diesem Falle würden eine Reihe weiterer Staaten in der Region sich ebenfalls eine Bombe zulegen – etwa die Türkei, Saudi-Arabien oder Ägypten. Die Entfernungen zwischen den verfeindeten Staaten sind äusserst kurz – es gäbe im Falle eines Angriffs also so gut wie keine Vorwarnzeit.

Die Folge wäre ein Flächenbrand im Nahen Osten mit vielen Toten und verheerenden wirtschaftlichen Folgen. Israel steht vor dem schwieigen Entscheid, ob dieses Risiko eingegangen werden soll. «Denn ein unmittelbarer Angriff Irans auf Israel droht nicht. Sollte Iran zur Atommacht werden, besteht jedoch die Gefahr, dass eine Krise ausser Kontrolle gerät und es zu einer nuklearen Eskalation kommt», sagt Thränert.

Kommentare aktiv...

M. von der Heyde, Tenno
(skypilot2 Mann)
Verfasst am: 18.2.2012 22:05

!!!!500 Zeichen sind zu wenig !!!!!!

Es istsehr gut, das eine so rege Beteiligung zu... mehr

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T. Käppeli, Guatemala Ciudad
(thkaepp Mann)
Verfasst am: 18.2.2012 20:28

Guter Vergleich mit dem Zündhölzli Herr Ndlovu, Mbombela/NST

Traurig, wurde uns Mani Matter so jung entrissen.... mehr

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J. Stump, Zürich
(Ilkka-Sotilas Mann)
Verfasst am: 18.2.2012 16:48

Israel, Israel und nochmals Israel

Hass blendet: So hat gestern jemand behauptet,... [1]  mehr

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