International
Sparübungen am Brenner treffen auch die Schweiz
Als Tiger gesprungen und als Bettvorleger gelandet – so könnte es dem Brennerbasistunnel schon bald ergehen. Dem österreichischen Vorzeigeprojekt wurden massiv die Mittel gekürzt. Baubeginn soll jetzt erst 2020 sein – Fertigstellung ungewiss. Damit droht der Traum von einer länderübergreifenden Alpentransitbörse zu platzen. Der Schweiz droht ein Alleingang.
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Österreichs Wirtschaft lahmt. Die Folge: Im Land der Sacher-Torte und des Wiener Schmähs muss gespart werden – ein entsprechendes Sparpacket wurde in der letzten Woche beschlossen. Bis 2016 sind Kürzungen von 22 Milliarden Euro geplant.
Wie so oft, wenn der Rotstift angesetzt wird, geschieht dies bei Personen oder Dingen, die keine allzu grosse Lobby haben. Kein Wunder also, dass es die Bahn besonders hart trifft. 250 Millionen soll sie ab 2013 pro Jahr sparen. Möglich ist das nur, wenn am Prestigeprojekt Brennerbasistunnel gespart wird.
Fakten zum Brennerbasistunnel
Länge: 55 Kilometer
Kosten: rund 8 Mrd. Euro (Stand 2010)
Fertigstellung: 2025 (geplant)
Nutzung: Personen- und Güterverkehr
Route: Innsbruck–Franzensfeste/Südtirol
Der 55 Kilometer lange Bau sollte ab 2025 die völlig überlastete Brenner-Autobahn und die alte Brenner-Bahntrasse entlasten. Doch dieser Termin wird wohl nicht zu halten sein. Bevor man das seit 2011 laufende Bauvorhaben aber gänzlich beerdigt, will man es lieber in kleinen Schritten zu Ende führen.
«Für uns ändert sich dadurch erst einmal nicht sonderlich viel» sagt Andreas Windlinger, Pressesprecher des Bundesamtes für Verkehr (BAV). Man habe das geplante Fertigstellungsdatum von 2025 schon immer für sehr ambitiös erachtet. Generell sei man im BAV aber schon der Ansicht, dass es den Brennerbasistunnel für die Zukunft braucht, weshalb man die wahrscheinliche Verzögerung bedaure.
Bedauern auch bei der Alpen-Initiative. «Wir glauben, dass es wichtig ist, den Tunnel möglichst schnell zu bauen, um LKW von der Strasse auf die Schiene zu bringen. Einen direkten Einfluss auf die Schweiz werden die Bauverzögerungen wohl nicht haben», sagt Thomas Bolli, Mediensprecher der Alpen-Initiative. Auch eine Zunahme des Schwerlastverkehrs in der Schweiz bei Engpässen am Brenner sei nicht zu befürchten. «Das würde sich für die Spediteure nicht rechnen», so Bolli.
Verlagerung auf Schiene fehlgeschlagen
Der Schwerverkehr auf den Strassen sollte bis 2017 drastisch reduziert werden. Dieses Vorhaben sei illusorisch, kritisiert der Schweizerische Nutzfahrzeugverband. Jetzt verlangt er einen Kurswechsel.
Dennoch gebe es sehr wohl indirekte Auswirkungen für die Schweiz. Denn bevor der Brennerbasistunnel nicht fertiggestellt sei, würde die – von der Alpen-Initiative geforderte – länderübergreifende Alpentransitbörse wohl kaum zustande kommen, meint Bolli. «Hier ist die Politik gefordert.»
Alpentransitbörse: Schweiz soll vorangehen
«Der Alpentransit ist natürlich ein Problem, das gelöst werden muss – allein schon mit Sicht auf das zunehmende Verkehrsaufkommen in den nächsten Jahren», sagt Andreas Windlinger. Doch auch wenn der Wille auf Seiten der betroffenen Staaten vorhanden ist, so sei eine Lösung nicht in Sicht. Die Alpentransitbörse habe derzeit keine Chance. Zu unterschiedlich seien die Interessen der jeweiligen Länder, so Windlinger.
Eine Sicht der Dinge, die man bei der Alpen-Initiative nicht teilt. Denn aus ihrem Verständnis heraus ist die Alpentransitbörse die einzige Möglichkeit, um die Strassen von LKW zu entlasten. Ginge es nach der Initiative, «dann müssten die Durchfahrtsrechte ähnlich gehandhabt werden wie die sogenannten Slots auf Flughäfen», so Thomas Bolli, Mediensprecher der Initiative. Mittels dieser werden den Airlines Zeitfenster zugeteilt, in den ihre Maschinen starten und landen dürfen.
Bei der Alpentransitbörse sollten diese Slots aber nicht – wie auf Flughäfen noch üblich – zugeteilt oder nach Gewohnheitsrecht vergeben werden. Stattdessen plädiert die Alpen-Initiative für einen Handel oder eine Versteigerung der Slots. «Sollten die Nachbarländer diesen Weg nicht mitgehen wollen, sollte die Schweiz den Alleingang wagen», so Thomas Bolli.
Die Vergangenheit habe zum Beispiel mit der Schwerverkehrsabgabe gezeigt, dass sinnvolle Lenkungsabgaben früher oder später von anderen Ländern übernommen würden. «Deshalb macht es keinen Sinn, darauf zu warten, bis die ihren Tunnel fertig haben», so Bolli. Die Schweiz müsse das Ausland unter Zugzwang bringen, dann wäre es früher oder später auch genötigt zu reagieren.
Denn auch wenn das in Österreich kein Politiker offen ausspricht: Die Chance, dass das Projekt Brennerbasistunnel gänzlich gekippt wird, sind durchaus gegeben. Ursprünglich sollte 2016 mit dem Vortrieb der beiden Haupttunnel begonnen werden. Stand heute wird dies vermutlich aber erst dreieinhalb Jahre später erfolgen. Das würde zu einer erneuten Verteuerung des Gesamtprojekts um schätzungsweise eine Milliarde Euro führen – Wasser auf die Mühlen der Gegner und möglicherweise der endgültige Sargnagel für den Eisenbahntunnel.
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M. Roe, Gwatt
)
(rmr
Verfasst am: 16.2.2012 12:11
Man könnte ja mal versuchen
alles was auf der rechten Seite des Hügels... mehr
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M. Roe, Gwatt
)
(rmr
Verfasst am: 16.2.2012 12:08
Die Österreicher scheinen gescheiter als die Schweizer.
Endlich ein Land das wenigstens mal den Bahn- und... mehr
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