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Gripen-Jet: «Das Machbare kaufen und nicht das Unerreichbare»

Uwe Mai
Montag, 13. Februar 2012, 17:11 Uhr, Aktualisiert 21:12 Uhr

Die Beschaffung neuer Kampfjets scheint zu einer unendlichen Geschichte zu mutieren. Sollten die verbalen Scharmützel weitergehen, werde der Beschluss zum Kauf der Gripen-Jets gekippt, befürchtet Max Ungricht. «SF Online» sprach mit dem Schweizer Aviatikexperten über Nutzniesser, Strippenzieher und Lobbyisten.

Max Ungricht, wie am Sonntag bekannt wurde, schnitt der Gripen-Jet bei 2008 durchgeführten Tests nur mässig erfolgreich ab. Die Konkurrenz war wesentlich besser. Sollte man die Anschaffung nicht noch einmal überdenken?

Ich denke nein. Denn beim Kauf von Kampfjets ist das Gesamturteil wichtig und nicht ein Teilurteil. Darin fliessen selbstverständlich nicht nur der Kaufpreis, sondern auch die Kosten für die Wartung, den Unterhalt und die Modernisierung ein. Das, was jetzt lang und breit diskutiert wird, nämlich die Nachteile des Gripen, wussten alle beteiligten Entscheidungsträger schon vorher.

Jetzt ist es doch aber schon so, dass der Gripen gegenüber dem Rafale und dem Eurofighter leistungsmässig objektiv schlechter abgeschnitten hat?

Für Aussenstehende mag ja die Leistung entscheidend sein, aber viel wichtiger ist doch: Wir werden auch in den kommenden Jahren viel Geld ausgeben müssen, um die Jets zu betreiben. Und da ist es nun einfach mal so, dass der Gripen auf 30 Jahre gerechnet, rund drei Milliarden billiger ist als ein zweistrahliges Flugzeug.

Wer billig kauft, kauft doppelt, sagt der Volksmund. War es so gesehen nicht ein Fehler, sich doch wohl vor allem aus Preisgründen für das schwedische Angebot zu entscheiden?

Ich bin ja froh, dass die Schweiz sich einmal gänzlich gegen ihre Natur, nicht für das Beste vom Besten entschieden hat, sondern für das, was sie braucht, und dies in einem vernünftigen wirtschaftlichen Rahmen. Aus meiner Sicht ist der Kauf deshalb richtig. Denn nur reine Leistungsparameter sollten nicht die alles entscheidende Frage beim Kauf sein.

Die Leistungsdaten der Kampfjets im Vergleich

Saab Gripen Eurofighter Dassault Rafale
Höchstgeschwindigkeit in km/h 2130 2495 1912
Steigleistung in m/s 254 315 305
Einsatzradius in km 700 1389 1093
Treibstoff (intern) in kg 3.394 4996 4680
Waffen und Treibstoff (ext.) in kg 5200 7500 9500
Preis in Mio. Franken 100 180 133

Aber sollten wirklich kaufmännische und betriebswirtschaftliche Überlegungen die alles entscheidende Rolle beim Kauf eines Kampfjets spielen?

Der Gripen schneidet gegenüber zweistrahligen Kampfjets in einigen Belangen schlechter ab, aber das war doch vorher bekannt. Mit nur einem Triebwerk hat sie natürlich Nachteile, die sich unter anderem in der Steigleistung bemerkbar machen. Was aber immer wieder vergessen wird: Die Schweiz wird nicht das Vergleichsmodell erhalten, sondern eine neue Version des Gripen-Jets.

Was kann die, was die bisherige Version nicht kann?

Sie erhält ein wesentlich stärkeres Triebwerk, grössere Tanks und ein neues Radar, dass keinen Vergleich scheuen muss. Zudem wird die neue Version mehr Last tragen können. Von den Leistungsmerkmalen wird sie dann zu 90 Prozent das können, was Eurofighter und Rafale schaffen.

Gripen oder Rafale («Rundschau», 08.02.2012)

Gut, aber eine Lücke klafft da immer noch und zehn Prozentpunkte können letztlich entscheidend sein?

Da haben Sie natürlich Recht, aber der Gripen ist sehr nah an den Konkurrenzmodellen dran. Er wird aber auch in der neuen Version nicht die Leistung der anderen erreichen – das stimmt. Aber braucht man wirklich immer einen Rolls-Royce und kann man den sich am Ende auch leisten?

Ueli Maurer steht unter Beschuss. (Tagesschau, 13.02.2012, 19.30)

Brauchen nicht unbedingt, aber bei der Sicherheit sollte man doch eigentlich keine Abstriche machen, oder?

Lassen Sie es mich es so sagen: Für eine vierköpfige Familie reicht ein Audi-Kombi aus. Wenn Sie genügend Geld haben, können Sie natürlich auch einen Bentley–Kombi kaufen. Das ist ‹nice to have›, aber zum einen bezahlt man das natürlich sehr teuer und zum anderen bleibt die Frage: Ist das auch wirklich notwendig? Ich meine: Nein! – und genau so sehe ich das auch bei den Kampfjets.

Gripen im Vergleich mit bisherigen Jets

Saab Gripen F-5 Tiger F/A-18C/D
Höchstgeschwindigkeit in km/h 2130 1743 2205
Steigleistung in m/s 254 174 254
Einsatzradius in km 700 1405 537
Treibstoff (intern) in kg 3394 2050 5126
Waffen und Treibstoff (ext.) in kg 5200 3200 7711

Aber noch einmal: Warum soll die Schweiz die Billigvariante kaufen, wenn sie doch für einen ähnlichen Preis auch ein zweistrahliges Flugzeug haben könnte?

Wenn die Franzosen jetzt für die Rafale-Jets ein derartiges Billigangebot machen, so ist dies nach meinem Dafürhalten Augenwischerei. Das, was man da jetzt möglicherweise beim Einkauf spart, wird man später für Modernisierungen ausgeben müssen. Denn anders als beim Gripen, wo sich die Kosten für den Unterhalt schon heute bis auf den letzten Rappen berechnen lassen, kann das für die Rafale-Jets keiner seriös vorhersagen, geschweige denn genau beziffern.

«Ueli Maurer habe von nichts gewusst»(Tagesschau, 13.02.2012, 19.30)

Ist das der einzige Haken am Dumpingpreis der Franzosen?

Nein, der viel grössere Pferdefuss wäre eine Abhängigkeit von Frankreich. Denn der Rafale ist für eine ausschliesslich französische Bewaffnung gebaut. Die Schweiz müsste also zusätzlich Lenkwaffen aus Frankreich einkaufen, was die Kosten erhöhen und die Logistik der Luftwaffe verteuern würde.  

Die möglichen neuen Kampfjets im Test. («eco», 09.07.2009)

Wenn das alles so ist, warum tut sich die Schweiz dann so schwer mit der Anschaffung?

Mein Eindruck ist, dass seitens Dassault (Hersteller des Rafale-Jets) mit allem was möglich ist, versucht wird, das Projekt der Kampfjet-Beschaffung rückgängig zu machen. Neben politischen und wirtschaftlichen Interessengruppen spielen da wohl vor allem auch eine starke Westschweizer Lobby sowie ehemalige Militärs eine nicht ganz unerhebliche Rolle. Denn die Fülle an Insiderwissen, das sich jetzt in verschiedenen Medien wiederfindet, ist doch über die Massen gross.

Was glauben Sie, welches Seite wird sich am Ende mit ihrer Argumentation durchsetzten?

Ich glaube, dass wenn es so weitergeht, wir in der Schweiz vielleicht gar keine neuen Flugzeuge bekommen. Denn Leute, die bereits vorher an dem Projekt gezweifelt haben, werden sich durch die jüngsten Berichte nun darin bestätigt sehen.

Das wirft uns natürlich auf die alles entscheidende Frage zurück: Brauchen wir die Jets überhaupt?

Die Schweiz braucht das Flugzeug, davon bin ich überzeugt. Denn schliesslich ist es der Auftrag des Parlaments, den Luftraum sieben Tage die Woche, 24 Stunden lang zu überwachen. Mit dem jetzigen Bestand könnte man das maximal zwei Wochen durchhalten.  Und ich möchte den Politiker sehen, der – wenn hier wirklich ein Terrorist einfliegt – sich dann am Ende hinstellt und sagt: Ich übernehme dafür die Verantwortung.

Wie also lautet ihr Fazit?

Es wäre schön, wenn wir Schweizer lernen würden, mit den Kosten vorsichtig und vorausschauend umzugehen. Daher sollten wir das «Machbare kaufen und uns nicht das Unerreichbare wünschen.»

Max Ungricht ist Aviatikfachmann und Chefredaktor der Zeitschrift «Cockpit».

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P. Charalampidis, Winterthur
(fb_1222135584 Mann)
Verfasst am: 14.2.2012 17:11

Bentley?

Ich finde den Vergleich von Flugzeug(Eurofighter)... [1]  mehr

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F. Hofmann, Zürich
(derfab Mann)
Verfasst am: 14.2.2012 5:22

Es geht darum, den Tiger zu ersetzen...

... und gemäss Wikipedia "wurde dieses... mehr

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T. Käppeli, Guatemala Ciudad
(thkaepp Mann)
Verfasst am: 14.2.2012 4:45

Wenn wir Otto-Normalverbraucher eine grössere Anschaffung tätigen,

holen wir mehrere Offerten ein und machen... mehr

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