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Immer mehr Schweizer leiden an Geschlechtskrankheiten

Nadine Gerber
Samstag, 11. Februar 2012, 10:14 Uhr

Die Zahl der Geschlechtskrankheiten in der Schweiz steigt. Weil die Angst vor der Immunschwächekrankheit HIV immer mehr sinkt, werden Herr und Frau Schweizer im Bett fahrlässig. Das führt zu vermehrten Fällen von Tripper, Syphilis oder Chlamydien.

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Zahl der Neuinfizierungen im Vergleich Die Zahlen gelten für den Zeitraum von 12 Monaten bis zum 06. Februar des jeweiligen Jahres. Quelle: Bundesamt für Gesundheit

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Bei Geschlechtskrankheiten wie Chlamydien, Syphilis und bei Gonorrhö, auch Tripper genannt, verzeichnet das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in den letzten Jahren eine besondere Zunahme. Alle Krankheiten werden bei Sexualpraktiken übertragen.

Waren im Zeitraum von Februar 2010 bis Februar 2011 noch 6700 von Chlamydien betroffen, waren es  von Februar 2011 bis heute über 7300 Fälle. Die  Zahl der an Tripper Erkrankten stieg von 1240 auf über 1400. Syphilis ist in den letzten beiden Jahren zwar stabil geblieben, hat sich im Vergleich mit vor 6 Jahren aber verdoppelt.

Gonorrhö oder Tripper

Übertragung: 
Fast ausschliesslich durch sexuelle Kontakte, manchmal  von Mutter auf Kind während der Geburt

Symptome:  
Frauen: Oft keine Beschwerden, Brennen beim Wasserlassen
Männer: Beschwerden beim Wasserlassen, Ausfluss  
Beide: Fieber, Schüttelfrost, Bläschen an Fingern und Zehen

Folgen:     
Frauen: Entzündungen der Schleimdrüsen, Gebärmutterschleimhaut, Eileiter (kann zu Unfruchtbarkeit führen)
Männer: Infektionen von Nebenhoden und Prostata bis hin zur Unfruchtbarkeit

Behandlung: 
Rechtzeitige Behandlung mit Antibiotika. Beide Partner müssen behandelt werden

Tripper trifft vor allem Männer – dies auch, weil bei Frauen die Krankheit weniger oft ausbricht und diese die Infektion häufig gar nicht bemerken.

Keine Angst mehr vor HIV

Hauptgrund für die Zunahme dieser Geschlechtskrankheiten ist für Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit die Tatsache, dass Herr und Frau Schweizer immer weniger Angst davor haben, sich mit HIV anzustecken. Weil HIV verharmlost werde, würden viele einfach nicht mehr verhüten. Damit wird aber nicht nur HIV übertragen, sondern eben auch Tripper, Chlamydien oder Syphilis.

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Zunahme der Tripper-Fälle Die Fälle von Gonorrhö oder Tripper haben in den letzten Jahren immer mehr zugenommen. Betroffen sind vor allem homosexuelle Männer. Quelle: Bundesamt für Gesundheit

«Generell ist die Bevölkerung zu wenig sensibilisiert oder denkt einfach nicht an die Möglichkeit einer Geschlechtskrankheit», sagt Daniel Koch zu «SF Online».

Gleiches erlebt auch Antonio Cozzio, Leitender Arzt der Poliklinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten am Universitätsspital Zürich. «Viele Patienten sagen, HIV und AIDS haben ihren Schrecken verloren.» Sie würden denken, man könne als HIV-Infizierter einfach eine Tablette schlucken und das wär’s. Das Sexualverhalten sei offenherziger geworden.

Syphilis

Übertragung:  
Durch sexuelle Kontakte, von der Mutter auf das ungeborene Kind

Verlauf:    
1. Stadium: schmerzloses, hartes Geschwür an den Schamlippen oder am Penis (bei Oralverkehr auch im Mund oder Rachen), Anschwellung der Lymphknoten
2. Stadium: 6 Monate nach Ansteckung Schwellung der Lymphknoten, Haut- oder Schleimhautveränderungen, Ausschlag, Fieber, Kopfschmerzen
3. Stadium: Jahre später Veränderungen der Nerven, Herz- und Knochenveränderungen, Befall der inneren Organe

Behandlung:  
Antibiotika. Im späteren Stadium kann die Behandlung die Krankheit stoppen, Organschäden aber nicht wieder beheben

Und: Auch wenn sich ein Paar beim Geschlechtsverkehr mit Kondomen schützt – Syphilis, Tripper oder Chlamydien können auch durch Oralsex übertragen werden. Bei Syphilis reicht laut Antonio Cozzio selbst eine Berührung, wenn der Gesunde mit dem erkrankten Hautgewebe in Kontakt kommt.

Patienten aller Altersklassen

Er empfiehlt, bei einem Geschwür oder einer offenen Hautstelle, die nicht durch einen Schlag, einen Stich oder ein sonstiges Trauma verursacht wurde, sofort einen Arzt aufzusuchen. Gleiches gilt bei Juckreiz, Brennen oder Ausfluss.

«Wir fragen immer nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr», sagt der Spezialist. Auch bei älteren Personen. Denn Geschlechtskrankheiten treten in allen Alters- und Bevölkerungsschichten auf. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit einer Geschlechtskrankheit bei Menschen zwischen 15 und 50 Jahren weitaus höher ist. «Sex ist immer ein Bedürfnis.»

Bild Verschwommenes Bild von zwei Menschen beim Sex.
Der einzige Weg, sich vor Krankheiten zu schützen, ist Safer Sex. colourbox

Besonders häufige Partnerwechsel ohne Befolgung der Safer Sex Regeln tragen zur Verbreitung der Krankheiten bei. Was hilft: Safer Sex. Keine Sperma oder Menstruationsblut in den Mund nehmen. Und darüber reden, so der Arzt.

Zu HIV und AIDS kann das Bundesamt für Gesundheit noch keine aktuellen Zahlen liefern. Diese sollen im  März vorliegen.

Chlamydien

Übertragung:  
Geschlechtsverkehr, von Mutter auf Kind während der Geburt

Verlauf:    
Frauen: Manchmal Beschwerden beim Wasserlassen. Meist akute Infektion ohne Symptome
Männer: Harnröhrenentzündung, eitriger Ausfluss

Spätfolgen:   
Frauen: Entzündung der Eileiter und Eierstöcke, Fieber, Unterbauchschmerzen. Kann zur Unfruchtbarkeit führen
Männer: Entzündung der Vorsteherdrüse und der Nebenhoden, Fieber, Schüttelfrost. Unfruchtbarkeit ist mögliche Folge
Beide: Entzündungen der Gelenke oder der Bindehaut

Behandlung:  
Antibiotika, Behandlung beider Sexualpartner nötig

Kommentare aktiv...

P. Soltermann, Fuqing
(PaulN Mann)
Verfasst am: 13.2.2012 9:53

Sex ohne Liebe

ist wie ein Parlament das nur aus... mehr

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H. Bernoulli, Zürich
(hbernoulli Mann)
Verfasst am: 12.2.2012 22:19

Wie schon von T. Duran erwähnt,

sind sowohl der Anstieg wie auch die absolute... mehr

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R. Meier, Gwatt (Thun)
(meierschweiz Mann)
Verfasst am: 12.2.2012 0:54

Treue ist der beste Schutz!

Freiheit, Recht auf Sex, Offene Beziehungen,... [3]  mehr

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