Vermischtes
Frost macht ausländischen Insekten den Garaus
Die anhaltende Kälte macht nicht allen Insekten gleich zu schaffen. So schlottert etwa der asiatische Marienkäfer und verendet eher als der Gemeine Birnblattsauger. Letzterer hat Heimvorteil. Heimische Insekten haben sich im Gegensatz zu fremden Arten an Frost gewöhnt – auch unbeliebte Schädlinge.
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Sie sind der Graus für Obstbauern und Förster: Borkenkäfer, Mehlige Apfelblattläuse oder der Gemeine Birnblattsauger. Sie zerfressen und befallen Bäume und Pflanzen.
Trotz der klirrenden Kälte werden sie mit grosser Wahrscheinlichkeit den Winter unbeschadet überstehen. Sie suchen sich Verstecke, die sie vor extremer Kälte schützen oder überwintern im Boden.
«Wir erleben eine normale Kälteperiode – besonders, wenn wir die Jahrmillionen in Betracht ziehen, während denen sich die Schädlinge an solche Temperaturen gut anpassen konnten», erklärt Jörg Samietz, Insektenforscher und Leiter der Zoologie bei Agroscope.
Frostschutz im Blut
Dies gilt auch für Käfer, welche sich über den Winter unter die Baumrinde verkriechen. Hartes Winterwetter sei für sie unwesentlich, erklärt Beat Wermelinger «SF Online». «Die Käfer sind an tiefe Temperaturen adaptiert», sagt der Insektenforscher der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL).
Die meisten Insekten verharren im Winter in einer Entwicklungsruhe. Ihr Stoffwechsel ist stark reduziert und kommt fast zum Erliegen. Zudem ist das Insektenblut durch eine Art Frostschutzmittel vor dem Gefrieren geschützt. Dieser Schutz hat sich trotz der relativ milden Winter der vergangenen 30 Jahre nicht nach unten angepasst. «Dafür sind unsere Winter noch nicht mild genug. Von der Evolutionstheorie her würde dies nur passieren, wenn es sinnvoll für die Nachkommen wäre», so Samietz.
Allerdings wird die Kälte den Arten zu schaffen machen, welche sich mit dem Klimawandel neu in der Schweiz angesiedelt haben. Seit Jahrzehnten gibt es laut dem Zoologie-Leiter einen starken Trend von Insekten aus dem Mittelmeerraum in Richtung Norden. So etwas die Grüne Zitrusblattlaus, die Walnuss-Fruchtfliege, die Mittelmeer-Eichenschrecke oder der Grüne Wacholder-Prachtkäfer.
Diese Insekten aus dem mediterranen Raum sind sich nicht an einen harten Winter gewohnt. «Mit einem kalten Tag können sie vielleicht umgehen, aber solch tiefe Temperaturen über eine längere Zeit bereitet ihnen Probleme», weiss Insektenspezialist Wermelinger.
Ungeliebte Gäste aus Asien
Beide Experten rechnen wegen der Minus-Temperaturen mit einer Dezimierung dieser Populationen. Dies habe auch sein Gutes. Vor allem, weil einige das Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringen.
Grosse Probleme verursache etwa die Kirschessigfliege, welche aus Italien eingewandert war, ursprünglich aber aus Asien stammte, erklärt Jörg Samietz. «Sie bohren ihre Eier in intakte Früchte, vor allem Beeren, aber auch Kirschen. Die Kirschessigfliege kann eine Bedrohung für diese Produktionen werden. Deshalb hoffe ich, dass sie etwas stärker dezimiert werden».
Das bekannteste Beispiel für neuartige Insekten ist vermutlich der asiatische Marienkäfer. «Er hat sich in ganz Europa stark ausgebreitet und den einheimischen Marienkäfer verdrängt», sagt Insektenforscher Wermelinger.
Weniger Blattläuse
Dieser wurde ursprünglich zur Bekämpfung von Blattläusen importiert und eingesetzt. Nun wird die Natur möglicherweise auch dieses Problem selber lösen: Sowohl Agroscope wie auch WSL rechnen damit, dass sich die Blattlauspopulationen im nächsten Jahr im harten Winter reduzieren werden.
Was im Frühling effektiv wieder kreucht und fleucht, ist abhängig vom weiteren Verlauf des Winters. Kommen Insekten zu früh aus ihrer Winterruhe, könnten auch heimische von einem neuerlichen Kälteeinbruch überrascht werden.
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