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«Arena» zur Buchpreisbindung: Wer profitiert? Wer verliert?

Freitag, 10. Februar 2012, 23:19 Uhr, Aktualisiert 11.02.2012, 17:39 Uhr

Am 11. März stimmt die Schweiz über die Buchpreisbindung ab. Das heisst, das Volk soll festlegen, ob der Buchpreis weiterhin dem Markt überlassen wird oder ob er wieder festgesetzt werden soll. Gegner und Befürworter prophezeien in der «Arena» völlig andere Szenarien für den Schweizer Buchmarkt.

Verminderung oder Förderung der Buchvielfalt?

Das Parlament hat 2011 wieder feste Buchpreise beschlossen, die 2007 abgeschafft worden sind. Damit wollen die Parlamentarier den Schweizer Büchermarkt stärken und die Buchvielfalt fördern.

Dagegen haben die bürgerlichen Jungparteien das Referendum ergriffen. Für Gegner der Buchpreisbindung wie Lukas Reimann (Nationalrat SVP/SG) ist klar: Das Gesetz führt zu einer Überteuerung. Zudem treibe dieses Vorhaben den Konsumenten in die Arme der Internet-Anbieter und ins grenznahe Ausland.

Teilnehmer der Abstimmungs-Arena zur Buchpreisbindung

Hier diskutieren wichtige politische Akteure die Vorlage vom 11. März in der Arena.

Auf der Pro-Seite:
- Marianne Sax, Präsidentin Schweizer Buchhändler- und Verlegerverband SBVV
- Dominique de Buman, Nationalrat CVP/FR
Auf der Contra-Seite:
- Ruedi Noser, Nationalrat FDP Liberale/ZH
- Lukas Reimann, Nationalrat SVP/SG

Diskutieren Sie mit im Arena-Forum.

Schweizer Buchmarkt im Wandel

Für den Schweizer Schriftsteller Franz Hohler ist der Schweizer Buchmarkt bereits jetzt stark bedroht: «Wenn man nur auf den Preis schaut, geht man ins Ausland. Wir leben in einer Rabattgesellschaft. Doch Bücher und Lebensmittel sind nicht zu vergleichen. Bücher sind unser Kulturgut.» Und er bricht eine Lanze für die kleine Buchhandlung von nebenan: «Die Quartierbuchhandlung macht Lesungen und Veranstaltungen mit Autoren. Sie setzt sich enorm für die Schriftsteller ein.»

Ruedi Noser (Nationalrat FDP/ZH) sieht im Buchhandel eine Parallele zur Musikindustrie. Die grossen Musik-Labels hätten an Macht eingebüsst. Trotzdem giäbe es noch nie so viele Bands wie heute. Autoren könnten heute frei publizieren und seien nicht mehr nur auf das Marketing von grossen Verlagen angewiesen. Die Schweizer Schriftsteller seien also ganz und gar nicht die Verlierer dieser Entwicklung.

Buchverleger: Geldgierig oder notwendig?

Für den Basler SVP-Nationalrat Sebastian Frehner ist das Gesetz unausgegoren. Denn der Schweizer Online-Handel unterstehe künftig der Buchpreisbindung, der Bücher-Import jedoch nicht.

Dominique de Buman (Nationalrat CVP/FR) erklärt, dass die Initiative für die Buchpreisbindung aus dem Jahre 2004 stamme. Damals sei der Verkauf über das Internet eben noch kein grosses Thema gewesen.

Doch in einem Punkt waren sich dann alle einig: Online-Verkäufe hätten immer noch einen kleinen Marktanteil.

Rennen um Buchpreisbindung völlig offen

Laut einer am 3. Februar 2012 veröffentlichten, repräsentativen SRG-Umfrage ist der Abstimmungskampf um die Buchpreisbindung noch nicht entschieden. In der Umfrage haben sich 48 % klar oder eher klar für die Vorlage und damit für die Wiedereinführung der Buchpreisbindung ausgesprochen. Auf der anderen Seite sind 39 % klar oder eher klar dagegen. 13 % waren noch unentschieden.

Marianne Sax ist die Präsidentin des Schweizer Buchhändler- und Verlegerverband. Für sie sind die Schweizer Buchhändler und Autoren die klaren Verlierer dieses Wandels. Sie hält fest: «99 Prozent der Buchhandlungen sind für das Gesetz. Die Buchpreisbindung schafft klare Rahmenbedingungen – ohne einen Franken Steuergelder.»

Lukas Reimann beteuert, dass er nicht gegen die Autoren oder Buchhandlungen sei: «Ich bewundere jeden, der ein Buch schreibt. Doch ich habe nie ein Gesetz gesehen, dass so schlampig geschrieben ist.»

Chance oder Gefahr für Schweizer Buchläden?

In dieser «Arena» waren sich in der Sache eigentlich einig: Die Bücherpreise sollen tief bleiben und Schweizer Autoren sollen keine Nachteile erleiden. Doch die Rezepte, wie das erreicht werden kann, könnten unterschiedlicher nicht sein. 

Pro & Contra

Ja zur Buchpreisbindung sagen: EDU, CVP, EVP, Grüne, SP, Stiftung für Konsumentenschutz, Pro Litteris, Schweiz. Gewerkschaftsbund,  Schweiz. Buchhändler- und Verlegerverband, div. Autoren und Künstler

Nein zur Buchpreisbindung sagen: SVP, BDP, FDP, GLP, Piratenpartei, Schweiz. Gewerbeverband, Economiesuisse, Konsumentenforum

(sf/rufi )