International
US-Soldaten posieren mit Nazi-Fahne
Neuer Skandal bei den US-Streitkräften in Afghanistan: In einem Internet-Blog ist das Foto einer Aufklärungseinheit aufgetaucht, die mit einer SS-Fahne posiert. Alles ein Missverständnis, sagt die US-Armee. Den Soldaten sei bei der Interpretation der SS-Runen ein «naiver Fehler» unterlaufen. Deshalb bleibt der Vorfall wohl folgenlos.
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Die in Afghanistan stationierte Scharfschützeneinheit hatte im September 2010 stolz neben einer US-Fahne für den Fotografen posiert. So weit, so patriotisch – dumm nur, dass unterhalb der Landesfahne eine weitere mit den deutlich sichtbaren Runen von Hitlers Elite-Einheit prangte.
«SS» = «Späher und Scharfschützen»?
Das Marine Corps, wozu die Einheit gehört, sprach von einem «unakzeptablen Fehlverhalten», will aber keine disziplinarischen Massnahmen einleiten. Ermittlungen wollen ergeben haben, dass es sich bei der Verwendung des Symbols um einen «naiven Interpretationsfehler» handle.
Die Marinesoldaten hätten geglaubt, «SS» stehe als Abkürzung für «Späher & Scharfschützen» (engl. «sniper scouts»), sagte eine Armeesprecherin. Niemals hätten die Soldaten die Absicht gehabt, Bezüge zu einer rassistischen Organisation herzustellen. Das läge «ausserhalb des Selbstverständnisses des Marine Corps».
US-Armee in Erklärungsnöten – schon wieder
Weiteren Imageschaden kann die US-Truppe im Moment auch wirklich nicht gebrauchen. Erst letzten Monat tauchten auf der Video-Plattform YouTube Bilder von auf getötete Taliban-Kämpfer urinierenden US-Soldaten auf.
US-Verteidigungsminister Leon Panetta musste dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzai daraufhin eine umfassende Untersuchung des Vorfalls zusichern, um die Wogen zu glätten.
Zweifel an «Interpretationsfehler»
Die Marines nutzen die neuerliche Entgleisung angeblich inzwischen als Anschauungsmaterial für die Ausbildung von Rekruten. Den Soldaten solle so – quasi mit «Praxisbezug» – vor Augen geführt werden, welche Problematik in der Verwendung von Symbolen stecke.
Die jüdische Gemeinschaft indes kauft der Armee die offizielle Version vom «Missverständnis» mit den SS-Runen nicht ab. Rabbi Marvin Hier, Gründer des Simon Wiesenthal-Zentrums, fordert umfassende Aufklärung: «In jedem Buch über das Dritte Reich ist das SS-Symbol zu sehen. Wie kann es also sein, dass eine Marine-Einheit neben der US-Flagge mit einem Abzeichen posiert, gegen das sie einst gekämpft hat?» Die amerikanische Öffentlichkeit habe daher ein Recht zu erfahren, wie es zu dieser Zurschaustellung von Nazi-Symbolik kommen konnte.
US-Soldatinnen an die Front
Im US-Militär dürfen Soldatinnen nun auch regulär in kämpfenden Einheiten dienen. Die Streitkräfte erweiterten die Einsatzmöglichkeiten für Frauen entsprechend.
Der Einsatz an der Front war ihnen bisher offiziell verboten. Damit können sich Frauen künftig auf etwa 14'000 Stellen im Militär bewerben, die ihnen bislang wegen zu grosser Frontnähe verwehrt blieben.
(agenturen/falt)
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