Inhalt

International

Iran bietet Gold und Öl für Weizen

Freitag, 10. Februar 2012, 14:36 Uhr

Auch wenn es das Regime in Teheran nicht zugeben will (und kann): Die Sanktionen des Westens zeigen offenbar Wirkung. Um überhaupt noch Lebensmittel importieren zu können, muss der Iran auf seine Goldreserven zurückgreifen. Bei der Umgehung des Embargos behilflich sind möglicherweise auch Schweizer Unternehmen.

Bild

Die Verzweiflung in Teheran muss mit Händen greifbar sein: Â«Getreidelieferungen werden mit Goldbarren bezahlt. Zudem werden Gegengeschäfte mit Öl angeboten», sagte ein europäischer Weizenhändler.

Die zum Jahresbeginn erlassenen Strafmassnahmen beschneiden offenbar drastisch die Möglichkeiten der Islamischen Republik, in den Besitz von Dollar oder Euro zu gelangen. Beide Währungen sind aber für die Beschaffung und Bezahlung von Nahrungsmittellieferungen auf den internationalen Märkten unabdingbar.

Iran umwirbt Indien und Kasachstan

Die bislang genutzten Ausweichwege über Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten sind versperrt, weil deren Regierung einen Bruch der Sanktionen nicht riskieren will.

Als Alternative bietet sich Indien an. Dort gibt man sich ganz pragmatisch: «Warum sollte ich mir die Geschäftschance entgehen lassen?», fragte Handelsminister Rahul Khullar in Neu Delhi. Natürlich respektiere man Uno-Sanktionen – aber am Export-Stop von EU und USA wolle man sich nicht beteiligen.

Bild Indischer Arbeiter deckt aufgestapelte Weizensäcke mit Plastikplane ab
Indien hat reichlich, was der Iran begehrt: Weizen. Doch eine Handelspartnerschaft ist angesichts westlichen Drucks fraglich. reuters

Sollte Indien dennoch umfallen, erwägt man in Teheran offenbar die Reaktivierung alter Handelsbeziehungen zu Nachbar Kasachstan.

Um ein Importvolumen von zwei Millionen Tonnen Weizen soll es dabei gehen. Man kennt und schätzt sich: «Beide Regierungen pflegen einen autoritären Stil und können Handelsabkommen ohne parlamentarische Widerstände abschliessen», sagte ein französischer Händler. Auch die Abwicklung könne unter Umgehung von Zwischenhändlern erfolgen.

Geldgeber aus der Schweiz?

Bis es soweit ist, bleiben nur wenige Schlupflöcher zur Beschaffung dringend benötigter Importnahrungsmittel: neben Gold und Öl vor allem der japanische Yen. Und mit dem versorgt sich das iranische Regime möglicherweise in der Schweiz. So geht man in Händlerkreisen davon aus, dass Teheran mithilfe Schweizer Krediten kürzlich ein 200‘000-Tonnen-Geschäft mit Weizen in Yen abgewickelt habe.

Die Ironie dabei: Teile der Lieferung sollen aus den USA stammen, dem grössten Verfechter von Wirtschaftssanktionen gegen den Iran. Ein Sprecher des Agrar-Giganten Cargill bestätigte auf Nachfrage, dass Lieferungen an den Iran weiterhin möglich seien – sofern das Geschäft nicht in Dollar abgewickelt werde.

Parolen statt Brot

Im Iran sitzt man indessen auf glühenden Kohlen und wartet auf das Eintreffen der dringend benötigten Lieferungen. Dutzende Schiffe mit Getreidelieferungen für den Iran sind wegen des Embargos blockiert. Und die Zeit drängt: im März stehen Parlamentswahlen an. Da will man die Wähler gewogen stimmen.

Solange die Grundnahrungsmittel fehlen, geschieht das mit Parolen. So verkündete das Regime vollmundig, bis Mitte des Jahres auf dem Nahrungsmittelsektor autark sein zu wollen. In Teheran weiss man um die Sensibilität des Brotpreises. Zur Erinnerung: Auslöser des Arabischen Frühlings in Tunesien vor mehr als einem Jahr waren stark gestiegene Lebensmittelpreise.

(agenturen/falt)

Kommentare aktiv...

G. bossert, Safenwil
(fama Frau)
Verfasst am: 10.2.2012 19:08

Geldgeber aus der Schweiz

JA, WOHER DENN auch SONST ??? Im Geschäfte... mehr

Zustimmen — 6 Leser sind auch dieser Meinung.
Ablehnen — 5 Leser sind anderer Meinung.

Heiklen Inhalt melden antworten

W. Staub, Schwarzenbach
(Toggenburger Mann)
Verfasst am: 10.2.2012 18:09

Wenn Geld gerochen wird ...

Wenn Geld gerochen wird, waren Schweizer-Buden... [1]  mehr

Zustimmen — 9 Leser sind auch dieser Meinung.
Ablehnen — 4 Leser sind anderer Meinung.

Heiklen Inhalt melden antworten

B. Bühler, Biel
(B_B Mann)
Verfasst am: 10.2.2012 16:11

Wie immer,

wenn es grenzwärtige Geschäfte abzuwickeln... [1]  mehr

Zustimmen — 13 Leser sind auch dieser Meinung.
Ablehnen — 6 Leser sind anderer Meinung.

Heiklen Inhalt melden antworten

Dieser Artikel wurde archiviert. Die Kommentarmöglichkeit wurde deshalb deaktiviert. Vielen Dank für Ihr Interesse.