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Wer seine Gesundheit als sehr gut einschätzt, lebt länger

Donnerstag, 9. Februar 2012, 21:09 Uhr

Die Selbsteinschätzung der Gesundheit bestimmt das Sterberisiko. Das zeigt eine Langzeituntersuchung von Forschern der Universität Zürich. Der Effekt ist unabhängig von bereits bestehenden Krankheiten oder Risikofaktoren wie Rauchen.

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Die Forscher um Matthias Bopp vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Uni Zürich befragten Ende der 1970er-Jahre rund 8250 Schweizer, wie sie ihre Gesundheit einschätzten. Bei den Probanden wurde zudem ein Gesundheitscheck durchgeführt.

Über 30 Jahre später analysierten die Wissenschaftler, wie die Sterblichkeit der Befragten mit der damaligen Selbsteinschätzung des Gesundheitszustands zusammenhing. Es zeigte sich, dass die Selbstbewertung einen starken Voraussagewert besass, wie die Universität Zürich mitteilte.

Dreifaches Sterberisiko

Männer, die ihre Gesundheit als «sehr schlecht» bezeichneten, hatten ein 3,3-mal höheres Sterberisiko als gleichaltrige Männer, die sich gesundheitlich «sehr gut» fühlten. Bei den Frauen lag die Sterblichkeit der Gruppe mit «sehr schlechter» Gesundheit 1,9-mal höher als bei jenen mit «sehr guter» Gesundheit.

Das Risiko nahm von der optimistischsten zur pessimistischsten Einschätzung kontinuierlich zu, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin «PLoS ONE» berichten: Personen mit «sehr guter» Gesundheit hatten günstigere Überlebenschancen als solche mit «guter» Gesundheit, diese bessere als solche mit «mittelmässiger» und so weiter.

Weil Personen, die ihre Gesundheit als schlecht einschätzen, eher bereits krank sind, sich ungesund verhalten oder andere Risikofaktoren haben könnten, scheint dieser Zusammenhang nicht sehr überraschend. Doch in der Studie blieb die Verbindung auch nach der Berücksichtigung diverser Risikofaktoren bestehen.

Keine dunklen Vorahnungen

Die Forscher zogen zum Beispiel in Betracht, ob eine Person rauchte, chronische Krankheiten hatte, Medikamente einnahm oder wie hoch ihr Blutdruck und ihr Blutzuckerspiegel war. Doch all dies schwächte den Zusammenhang zwischen selbsteingeschätzter Gesundheit und Sterberisiko nur geringfügig ab.

Es sei also praktisch unmöglich, dass bereits vorhandene Krankheiten oder eine dunkle Vorahnung die Hauptursachen für den beobachteten Zusammenhang seien, wird Bopp in der Mitteilung zitiert. Zumal das Risiko kontinuierlich mit der Einschätzung stieg und sich die Beobachtungsdauer über 30 Jahre erstreckte.

Die Resultate deuteten darauf hin, dass Menschen, die ihre Gesundheit als sehr gut einschätzten, Ressourcen besässen, um ihre Gesundheit zu fördern und zu erhalten, sagte Bopp. Optimismus und eine positive Lebenseinstellung seien wohl ein Ausdruck dieser vorhandenen Eigenschaften.

Gesamtheitliche Medizin

Das heisse nicht, dass Menschen einfach optimistisch durchs Leben gehen müssten, um gesund zu bleiben, so Bopp. Doch für Ärzte könnte die Lebenseinstellung ihrer Patienten ein wichtiger Hinweis auf die Gesundheit sein. Diese sei mehr als die blosse Abwesenheit von Krankheiten, sondern ein vollständiges körperliches, geistiges und soziales Wohlbefinden.

«Gute Ärztinnen und Ärzte sollten also nicht nur nach dem Vorhandensein von Risikofaktoren oder Krankheiten suchen, sondern auch prüfen, welche Gesundheitsressourcen ihre Patienten haben und diese gegebenenfalls fördern und festigen», wird David Fäh, Mitautor der Studie, in der Mitteilung zitiert.

(sda/godc)

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