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Schweiz

«Es gibt Engpässe im Schweizer Stromnetz»

Dienstag, 7. Februar 2012, 10:29 Uhr

In der Schweiz ist es eisig kalt. Die Temperaturen schaden auch den unzähligen Stromleitungen, welche die Energieversorgung in der Schweiz sicherstellen. Es gibt Engpässe im Schweizer Stromnetz – diese haben jedoch keine kurzfristigen Konsequenzen.

Bild Hochspannungsleitungen in Mastrils im Churer Rheintal.
Swissgrid fordert ein Ausbau des Schweizer Stromnetzes. keystone

«Es gibt Engpässe im Schweizer Stromnetz», sagt Thomas Hegglin, Mediensprecher von der Netzgesellschaft Swissgrid. Befürchtungen, wonach der Schweiz in der aktuellen Kältewelle ein Blackout droht, wies Hegglin jedoch gegenüber «SF Online» zurück.

Erst wenn die Kälteperiode 2 bis 3 weitere Wochen andauern würde, könnte es laut Hegglin zu Problemen kommen. Unabhängig von der gegenwärtigen Kälte müsse aber das Schweizer Stromnetz ausgebaut werden, um die Versorgungssicherheit langfristig sicherstellen zu können.

Am Wochenende hatte Swissgrid-Chef Alain Graf in der «NZZ am Sonntag» noch gesagt, ein Blackout könnte in der Schweiz unmittelbar bevorstehen.

Gaslieferungen aus Russland: Keine Engpässe in der Schweiz

Trotz eingeschränkter Gaslieferungen aus Russland müssen Schweizer Konsumenten gemäss dem Verband der Schweizerischen Gasindustrie (VSG) keine Engpässe befürchten.

«Die Erdgasimporte stammen nur zu knapp einem Viertel aus Russland», sagte VSG-Mediensprecher Daniel Bächtold zu «SF Online». In der Schweiz werden etwa 30 Prozent der Heizenergie durch Erdgas gedeckt.

Damit sei das Land deutlich weniger vom Gas als Energieträger abhängig als andere Staaten, sagte Bächtold. Er erwartet deshalb vorerst keine Versorgungsprobleme, obschon die Schweiz im Unterschied zu den Nachbarländern über keine grossen Speicherkapazitäten verfügt.

Russland hatte vor gut einer Woche angekündigt, seine Gaslieferungen nach Westeuropa einzuschränken. Wegen der Kältewelle im eigenen Land müsse der staatliche Energieriese Gazprom vorrangig den heimischen Markt versorgen, hiess es.

«Netztechnisch kein Problem» 

Auch Matthieu Buchs, Kommunikationsverantwortlicher des Bundesamts für Energie (BFE) sieht aktuell keine Probleme. «Für die Schweiz stellt die Kältewelle netztechnisch kein besonderes Problem dar.» Die generell hohe Belastung der Schweizer Netze sei aber eine Tatsache.

Swissgrid hat mit den europäischen Nachbarländern bereits im Herbst Verträge abgeschlossen, welche die Versorgungssicherheit garantieren sollen. Hegglin: «Es stimmt, wir haben mit den umliegenden Netzbetreibern Extrem-Szenarien durchgespielt, wir wären bereit.»

«Falls heikle Netzsituationen auftreten, ist die nationale Netzgesellschaft Swissgrid gut vorbereitet und hat gemeinsam mit den benachbarten Übertragungsnetzbetreibern Massnahmen vereinbart», bestätigt Buchs.

Lange Kältewelle könnte für Stromengpass sorgen

Die Schweiz braucht immer mehr Strom. Was nicht im Inland produziert werden kann, wird im Ausland, vor allem in Frankreich, dazugekauft. Eine lang anhaltende Kälteperiode könnte sogar für Engpässe sorgen. Mehr

Probleme in anderen Ländern

In der Schweiz ist die Situation (noch) ruhig. In anderen europäischen Ländern hat die Kältewelle die Lage im Stromnetz jedoch verschärft. Namentlich in Frankreich, Italien und Spanien, wo besonders viele Haushalte Elektroheizungen haben.

Brisant ist die Rolle Frankreichs: Die Schweiz bezieht einen Grossteil des importierten Stroms aus Frankreich, wie Dorothea Tiefenauer vom Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) zu «SF Online» sagt. Zwar bestehen zwischen den beiden Ländern langfristige Lieferverträge, doch bei einer länger anhaltenden Kälteperiode könnte es beim westlichen Nachbarn zu Exportproblemen kommen. 

(sf/sda/widb)