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International

Jagdszenen in Brasilien: Armee gegen Polizei

Dienstag, 7. Februar 2012, 17:23 Uhr

Ausnahmezustand im Bundesstaat Bahia: Angesichts eines Streiks der Militärpolizei ist die brasilianische Armee mit tausenden Soldaten in die Millionenstadt Salvador eingerückt. Es kam bereits zu ersten Zusammenstössen. Denkbar schlechte Publicity für einen der Austragungsorte der Fussball-WM 2014.

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Nachdem Armeeeinheiten das von den streikenden Militärpolizisten besetzte Regionalparlament umstellt hatten, ist es zu gewaltsamen Zusammenstössen zwischen Soldaten und Polizisten gekommen.

Soldaten kappten die Stromversorgung, um die Streikenden zum Verlassen des Gebäudes zu zwingen. Auf Demonstranten, die mit sich den Polizisten solidarisieren wollten, eröffnete die Armee mit Gummigeschossen und Tränengas das Feuer.

Polizei fordert Amnestie und Geldbonus

Streikführer Marcos Prisco kündigte indes «Widerstand» an. Sollte die Armee das Gebäude stürmen, drohe eine «Katastrophe», sagte er. Prisco zufolge hielten etwa 4000 Menschen das Parlamentsgebäude besetzt – ausser den Militärpolizisten auch deren Angehörige, darunter 300 Kinder.

Die Beamten waren in der vergangenen Woche in den Streik getreten, um höhere Löhne durchzusetzen. Ursprünglich hatten die Polizisten einen Forderungskatalog mit sechs Punkten vorgelegt, den sie jetzt auf zwei Forderungen reduziert haben: Eine Amnestie für die streikenden Beamten und einen monatlichen Bonus von umgerechnet 270 Euro.

Bild Pilizist trägt seine in Ohnmacht gefallene schwangere Frau aus dem besetzten Regionalparlament
Die Polizisten und ihre Angehörigen kündigen entschlossenen Widerstand an – notfalls bis zur Ohnmacht, so wie bei dieser schwangeren Frau eines streikenden Polizisten. reuters

Die Regierung von Bahia bot den Polizisten eine Gehaltserhöhung von 6,5 Prozent an, lehnte eine Amnestie jedoch ab. Die Gewerkschaft wies die Offerte zurück.

Streik macht Stadt zur rechtsfreien Zone

Seit Beginn des Ausstands der etwa 10'000 Polizisten verdoppelte sich die Mordrate in Salvador da Bahia. Seit vergangener Woche wurden in der Stadt mit 2,7 Millionen Einwohnern 90 Morde gemeldet.

Dementsprechend herrscht nachts auf den Strassen der Metropole gespenstische Stille – die Einwohner fürchten sich vor Anarchie und unkontrollierter Gewalt. Zahlreiche Konzerte und Feiern im Vorfeld des Karnevals wurden bereits abgesagt.

Das wirkt sich auch auf den für die Stadt so wichtigen Tourismus aus: Zwei Wochen vor dem Karneval hätten bereits zehn Prozent der Touristen ihre Flug- und Hotelreservierungen storniert, wie der Verband der Reisebüros in Bahia bekanntgab. Der Karneval von Salvador da Bahia ist nach den Feiern in Rio de Janeiro der zweitgrösste in Brasilien.

(agenturen/falt)

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