Wirtschaft
US-Börsen: Sirtaki taktet die Wall Street
Nach den guten US-Arbeitsmarktdaten am Freitag dürfte in der neuen Börsenwoche wieder die Schuldenkrise in Europa in den Fokus der Wall Street rücken. Das Ringen um ein umfassendes Hilfspaket für Griechenland wird an den US-Börsen mit Spannung verfolgt. Nach der geplatzten Fusion mit der Deutschen Börse besinnt man sich in Frankfurt jetzt auf ureigene Kräfte.
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Hoffnungen auf einen schnellen Abschluss der Gespräche über einen massiven Forderungsverzicht der privaten Gläubiger Griechenlands erhielten am Freitag einen Dämpfer.
Walt Disney, Cisco und Coca Cola präsentieren Zahlen
«Es ist das alte Ping-Pong-Spiel. Heute die USA, morgen wieder Europa», sagte Joe Saluzzi von Thamis Trading in New Jersey. «Normalerweise geht in einer solchen Lage, wenn es keine wirtschaftlichen Neuigkeiten gibt, die Tendenz nach oben.» Allerdings würden mögliche Entwicklung in Europa, wie zum Beispiel ein Anstieg der Zinsen für Staatsanleihen, auch für den US-Markt ein potentielles Risiko darstellen.
Die Berichtssaison der US-Unternehmen feiert Bergfest, unter anderem stellen Walt Disney, Cisco und Coca Cola ihre Zahlen vor. Auch der Börsenbetreiber Nyse Euronext legt seine Bilanz vor, nachdem am Mittwoch die milliardenschwere Fusion mit der Deutschen Börse geplatzt war. Die EU-Kommission untersagte den Zusammenschluss zum weltgrößten Börsenbetreiber.
60 Prozent der Quartalsberichte besser als erwartet
Bisher haben 283 Unternehmen des S&P 500 ihre Quartalsberichte vorgestellt. Rund 60 Prozent davon konnten mit ihren Erträgen die Erwartungen der Analysten übertreffen. Diese Quote liegt unter den Werten in den Vorquartalen zu diesem Zeitpunkt.
Die Erholung des US-Arbeitsmarkts überraschte die Wall Street zum Wochenausklang positiv und schürte Hoffnungen auf ein Widererstarken der weltgrössten Volkswirtschaft. Der Nasdaq-Index stieg auf den höchsten Stand seit elf Jahren. Das Plus bei neu geschaffenen Stellen war so gross wie seit neun Monaten nicht mehr.
Grosse Vermögen warten Griechenland-Entscheid ab
«Der Arbeitsmarktbericht war grossartig aber das Handelsvolumen war nicht sehr gross, daher gibt noch immer einige Zweifel», sagte Ken Polcari von ICAP Equities in New York. Gerade die Manager grosser Vermögen würden eine Entscheidung in Griechenland abwarten, um wieder im grossen Still in den Handel einzusteigen.
Die Finanzminister der Euro-Zone werden sich nach Angaben von Griechenlands Ressortchef Evangelos Venizelos am Mittwoch treffen. Ursprünglich wollten die Minister bereits am Montag über das Thema Griechenland beraten. Zugleich kündigte Venizelos an, dass die Vertreter der griechischen Regierung über weitere Sparschritte beraten.
Deutsche Börse besinnt sich auf eigene Kräfte
Nach der geplatzten Fusion mit der New Yorker Börse will die Deutschen Börse in Frankfurt jetzt aus eigener Kraft wachsen. Das kündigte Vorstandschef Reto Francioni in der «Financial Times Deutschland» an.
«Wir werden mit Nachdruck unsere Positionen ausbauen, mit Schwerpunkt auf den Bereichen Derivate-Clearing, Risiko- und Sicherheitenmanagement», sagte er. «Darüber hinaus werden wir die Internationalisierung und unser eigenes Wachstum beschleunigen. Wir sind stark genug, auch wenn es jetzt länger dauern wird als mit einer Fusion.»
Francioni denkt nicht ans Aufhören
Die EU-Kommission hatte den Zusammenschluss von Deutscher Börse und New York Stock Exchange (NYSE) zum weltgrössten Handelsplatz wegen massiver Wettbewerbsbedenken untersagt.
Francioni steht wegen der gescheiterten Fusion zunehmend in der Kritik.«Hier sind ganz klar Managementfehler passiert, dafür müssen hoch bezahlte Vorstände die Verantwortung übernehmen», sagte Betriebsrat und Aufsichtsratsmitglied Johannes Witt.
Laut «Financial Times Deutschland» denkt Francioni allerdings nicht ans Aufhören, auch auf seinen Bonus für 2011 wolle er nicht verzichten. Der Börsen-Chef verwies dem Bericht zufolge auf steigende Umsätze und Gewinne im vergangenen Jahr.
(agenturen/halp)
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