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250 Menschen sterben in Europa an eisiger Kälte

Samstag, 4. Februar 2012, 12:20 Uhr, Aktualisiert 21:38 Uhr

Das eisige Winterwetter hat Europa weiter fest im Griff und kostet immer mehr Menschen das Leben. Seit dem Beginn der Kältewelle vor gut einer Woche starben europaweit über 250 Menschen – fast die Hälfte davon in der Ukraine. In mehreren osteuropäischen Ländern wurde der Notstand ausgerufen.

Die Ukraine ist mit dem kältesten Winter seit sechs Jahren konfrontiert. In der vergangenen Nacht sank das Thermometer teils auf -33 Grad. Das Katastrophenschutzministerium teilte mit, in den vergangenen acht Tagen seien 122 Kältetote registriert worden. Bei 78 von ihnen handle es sich um Obdachlose, 32 weitere Menschen erfroren in ihren eigenen vier Wänden und 12 Kältetote waren in Spitälern zu beklagen.

Mehr als 2000 Patienten wurden wegen Erfrierungen behandelt. Landesweit wurden 3170 Rettungsposten eingerichtet, wo Bedürftige etwas Warmes zu essen bekommen. Schulen wurden geschlossen, der Busverkehr eingestellt.

(«Tagesschau» vom 04.02.2012)

In Polen erfroren erneut sieben Menschen, wie das Innenministerium mitteilte. Damit stieg dort die Zahl der Kältetoten seit Beginn der Frostwelle auf 45. In Rumänien erfroren laut Regierung binnen 24 Stunden weitere vier Menschen â€“ seit Beginn des extremen Frosts vor einer Woche waren es damit 28.

In Frankreich wurden zwei Alzheimer-Patienten, die ihre Seniorenheime verlassen hatten, erfroren aufgefunden.

Schneechaos in Italien

Die Kältewelle hält auch Italien seit Tagen im Griff und forderte in dem Land mindestens acht Todesopfer. In der Hauptstadt Rom lösten die stärksten Schneefälle seit mehr als 25 Jahren ein Verkehrschaos aus.

«Rom geschlossen wegen Schneefalls», überschrieb «Il Messaggero» das Verkehrschaos am Freitagnachmittag und -abend. Tausende Autofahrer waren auf den glatten Strassen blockiert, Busse kamen nicht voran und die Rettungsmannschaften konnten offenbar nicht rechtzeitig helfen.

Nachdem es seit Freitagmorgen anhaltend geschneit hatte, kam der regionale Zugverkehr rund um Italiens Hauptstadt zum Erliegen. Aber auch der Rest des Landes ist im Griff der Kältewelle. Mehrere Zuglinien wurden unterbrochen, es kam zu zahlreichen Verspätungen im öffentlichen Verkehr.

Ausnahmezustand in Serbien

In Serbien wurde bereits in 30 Gemeinden der Ausnahmezustand ausgerufen. Alle Grund- und Mittelschulen sowie Kindergärten sollen wegen der Schneemassen in der nächsten Woche geschlossen bleiben.

Weil auch die Hauptstadt im Verkehrschaos versinkt, rief die Regierung alle Bürger zur Hilfe auf. Am Samstagmorgen meldeten sich Hunderte Menschen, um beim Räumen mitzuhelfen. In Briefen an Zeitungen und Fernsehanstalten beschwerten sich die Bürger, dass die Behörden völlig unzureichend auf den Schnee vorbereitet und selbst die Transitstrassen unpassierbar waren.

Notstand auch in Bosnien und Kroatien

In Montenegro schloss Schnee etwa 90 Menschen 24 Stunden lang in einem Strassentunnel ein. Erst am Samstagmittag konnten die Behörden in der Hauptstadt Podgorica die Befreiung der Betroffenen melden. In einer Schneelawine kam ein Mann in seinem Fahrzeug ums Leben.

Auch in Bosnien fielen ungewöhnlich grosse Mengen Schnee. In Sarajevo wurde eine Schneehöhe von einem Meter gemessen, auf den umliegenden Bergen waren es zwei Meter. In der Hauptstadt wurde der Notstand ausgerufen. Die meisten Bewohner konnten ihre Häuser nicht verlassen, die öffentlichen Verkehrsmittel stellten ihren Betrieb ein.

Staatschefs im Schnee eingeschlossen

Wegen des starken Schneefalls in der gesamten Region sassen die beiden Staatspräsidenten von Kroatien und Serbien, Ivo Josipovic und Boris Tadic, im Jahorinagebirge vor den Toren von Sarajevo fest, wie Medien in Belgrad berichteten.

Nach der Kältewelle mit 30 Zentimetern Schnee an der südlichen kroatischen Adria wurde in Dalmatien der Notstand ausgerufen, wie das staatliche Fernsehen in Zagreb berichtete. In der grössten Hafenstadt Split brach der Verkehr zusammen.

10'000 Haushalte in Salzburg ohne Heizung

In Deutschland wie an anderen Orten des Kontinents – so auch in der Schweiz â€“ war die Nacht zum Samstag die bisher kälteste Nacht des Winters. Minus 27,3 Grad herrschten in Oberstdorf im Oberallgäu, wie der Deutsche Wetterdienst berichtete. Die Insel Helgoland war mit minus sechs Grad der wärmste Ort.

Im Eis eingebrochen

In Nordrhein-Westfalen wird ein Niederländer vermisst, der auf einem gefrorenen See Schlittschuhlaufen war. Er war im Eis eingebrochen und wird seither vermisst.

Am Samstag setzte ein Tauchteam der Feuerwehr die zuvor ergebnislose Suche nahe der Einbruchstelle fort. Nach Angaben eines Polizeisprechers brach der Eisläufer 130 Meter von Ufer entfernt durch eine maximal zehn Zentimeter dicke Eisschicht.

Die sibirische Kälte liegt auch über Österreich. Schmerzhaft zu spüren bekam dies ein grosser Teil Salzburgs. Wegen des Totalausfalls eines Kraftwerks, fielen bei rund 10‘000 Haushalten die Heizungen aus – bei Aussentemperaturen von -14 Grad.

Gazprom «kann» nicht mehr Gas liefern

Der Russische Energiekonzern Gazprom kann offenbar die Gaslieferungen für Europa nicht erhöhen. Das Unternehmen begründet dies mit der Kältewelle.

Russischen Agenturen zufolge hat Präsident Vladimir Putin angeordnet, dass zuerst die eigenen, russischen Bedürfnisse abgedeckt werden sollen. Erst dann kämen Mehrbestellungen für Europa in Frage.

Nordafrikanische Kinder sehen erstmals Schnee

In Rumänien erfroren laut Regierung binnen 24 Stunden weitere vier Menschen â€“ seit Beginn des extremen Frosts vor einer Woche waren es damit 28. Der Frost liess in Rumänien inzwischen leicht nach. Zugleich setzten wieder heftige Schneestürme ein.

Die Kältewelle erreichte inzwischen sogar Nordafrika. In Nordafrika gab es in höheren Lagen der algerischen Hauptstadt Algier in der Nacht zum Samstag erstmals seit Jahren wieder heftigen Schneefall. Zahlreiche Kinder, die noch nie weisse Flocken gesehen hatten, stürzten sich nach Augenzeugenberichten begeistert nach draussen.

(agenturen/fref/bers)

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