International
Russland und Ukraine streiten wieder ums Gas
Die Kältewelle bringt eine Neuauflage des Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine. Nach Beschwerden europäischer Energieunternehmen über geringere Gaslieferungen aus Russland schoben beide Länder sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe.
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Der ukrainische Energieminister Juri Boiko sagte in Kiew, der russische Staatskonzern Gazprom liefere jeden Tag 75 Millionen Kubikmeter weniger Gas als vereinbart.
Gazprom dagegen hatte am Vortag Lieferkürzungen dementiert. Wegen der extremen Kälte pumpe man sogar mehr Gas als sonst in die Pipelines, so das Unternehmen. Dennoch klagten Abnehmer in mehreren europäischen Ländern über Reduktionen von bis zu 30 Prozent.
Gazprom beschuldigte die Ukraine indirekt, illegal Gas aus Transitleitungen abzuzapfen. Kiew hingegen beteuert, alle Verträge zu erfüllen.
Jahrelanger Streit ums Gas
Der ukrainische Regierungschef Nikolai Asarow räumte aber ein, das Land habe allein an den vergangenen drei Tagen wegen der eisigen Kälte etwa eine Milliarde Kubikmeter Gas verfeuert. Diese Menge würde sonst zwei Wochen reichen, sagte Asarow.
Der Streit um Gaslieferungen dauert seit Jahren an. Anfang 2009 hatte Russland dem Nachbarn deswegen zeitweilig das Gas ganz abgedreht. In der Folge blieben auch Wohnungen in Europa kalt, denn die Ukraine ist das wichtigste Transitland für russisches Gas.
Schweiz nicht betroffen
In der Schweiz sind keine Lieferengpässe zu erwarten, wie Daniel Bächtold, Mediensprecher des Verbands der Schweizerischen Gasindustrie (VSG) mitteilte. Die Erdgasimporte stammten nur zu knapp einem Viertel aus Russland. Dieses Gas wird laut Bächtold aus den umliegenden Ländern bezogen, direkte Lieferverträge mit Moskau bestehen keine.
In der Schweiz werden etwa 30 Prozent der Heizenergie durch Erdgas gedeckt. Damit sei das Land deutlich weniger vom Gas als Energieträger abhängig als andere Staaten, sagte Bächtold. Er erwartet deshalb vorerst keine Versorgungsprobleme, obschon die Schweiz im Unterschied zu den Nachbarländern über keine grossen Speicherkapazitäten verfügt.
Für den grössten Teil des Imports zeichnet die nationale Erdgas- Importgesellschaft Swissgas verantwortlich. Etwa die Hälfte der Lieferungen stammt aus langfristigen Verträgen, die andere Hälfte wird am kurzfristigen Markt eingekauft. «Gas bekommt man immer, die Frage ist nur, zu welchem Preis», sagte Bächtold.
(sda/rucf)
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