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Mit «Dieter» wird der Sport ungesund

Mittwoch, 1. Februar 2012, 7:34 Uhr

Aus dem warmen Winter wird nun doch noch ein kalter – aufgrund des Winterhochs «Dieter». In der Schweiz werden die Temperaturen tagsüber auf minus 30 Grad und mehr sinken. Sportler sollten bei diesen Temperaturen vorsichtig sein, warnen Mediziner.

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Blauer Himmel, viel Schnee, tolle Pistenverhältnisse: Skifahren, Snööben und Langlaufen sind derzeit ein einziges Vergnügen. Doch mit dem angekündigten Temperatursturz in den nächsten Tagen ist auch eine gewisse Vorsicht angesagt. Denn stimmen die Prognosen der Meteorologen, dann dürften die Temperaturen in den Bergen auf -25 bis -30 Grad absacken, und selbst im Mittelland bleibt es tagsüber mit -8 und -11 Grad bitter kalt.

Sportmediziner wie Patrick Noack raten dann vor Trainings im Freien ab. Als Limit nennt der leitende Arzt im Swiss Olympic Medical Center in Magglingen für Erwachsene eine Temperatur von -16 Grad, bei Kindern -12 Grad. Wer dennoch nicht auf den Sport verzichten könne, riskiere eine vorübergehende Schädigung der Atemwege. Es komme, so Noack, zu einer übermässigen Reizung, die sich bei Sportlern durch einen «Blutgeschmack» im Mund bemerkbar machen könne.

Aus diesem Grund gelte beispielsweise für Langlaufwettbewerbe eine maximale Kälte von -18 Grad für Sprints und -21 Grad für längere Distanzen.

Grundsätzlich rät Noack bei Sport in der Kälte zur Atmung durch die Nase. Dadurch werde die eingeatmete Luft vorgewärmt. Wer vor allem durch den Mund atme, dem wird der Gebrauch eines Atemfoulards oder einer Atemmaske empfohlen. Grundsätzlich gelte bei kalten Temperaturen: Noch besser als üblich Aufwärmen und zeitlich weniger lange trainieren.

Gute Kleider und gesunder Menschenverstand

Für gemässigte Freizeitaktivitäten wie Wandern oder überhaupt Arbeiten unter freiem Himmel gibt es dagegen keine Einschränkungen. Was hilft, sind gute Kleidung (keine Baumwolle – wegen der Feuchtigkeit) und gesunder Menschenverstand. So liegt es auf der Hand, dass etwa Menschen mit Herzproblemen bei Minustemperaturen nicht übermässig Schnee schaufeln sollten – was unlängst eine kanadische Studie bestätigt hat.

Besonders empfindlich auf Kälte reagieren die vergleichsweise schlecht durchbluteten Körperteile Nase, Ohren, Zehen und Finger. Länger einwirkende Kälte kann die Gefässe verengen, wodurch das Gewebe schlechter durchblutet und nicht mit genügend Sauerstoff versorgt wird. Das kann schon bei wenigen Minusgraden der Fall sein, wenn Wind und Feuchtigkeit hinzukommen. Letztere entziehen dem Körper zusätzlich Wärme: Wind verstärkt die Wirkung von Kälte ungefähr um das 10fache,  Feuchtigkeit gar um das 14fache. Kommen dann noch weitere Negativfaktoren wie Arterienverkalkung, Diabetes, Drogen oder Alkohol hinzu, kann es zu Erfrierungen kommen.

Das Versuchskaninchen testet die Kältekammer (Sendung «Puls» vom 29.03.10)

Extreme Kälte als Heilmittel gegen Schmerzen

Kälte hat für die Gesundheit nicht nur negative Effekte. Sie kann auch heilend wirken. So gibt es zur Behandlung von Schmerzen und Rheuma-Erkrankungen spezielle Kältekammern. Patienten werden darin während rund 3 Minuten Temperaturen von minus 110 Grad ausgesetzt – während sie lediglich  mit einer Badehose bekleidet sind.

Während im Ausland Kältekammern relativ weit verbreitet sind, gibt es in der Schweiz nur zwei öffentlich zugängliche: Die eine betreibt seit gut 10 Jahren das Ärztehaus Cristal in Bad Ragaz (SG), die zweite steht seit 2010 in einer Kurklinik am Brienzersee (BE) (siehe auch die Sendung «Puls»).

Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Wirkung einer Kältekammer-Behandlung umstritten. Es gibt keine wirklich aussagekräftigen Studien. Die meisten Patienten, die die Behandlung ausprobiert haben, sind dagegen vom positiven Effekt überzeugt, sagte die Rheumatologin Daniella Bachmann vom Ärtzehaus Cristal. Dass sich die Therapie in der Schweiz dennoch bis heute nicht durchgesetzt habe, dürfte auch an der Finanzierung liegen, meint Bachmann. Im Gegensatz zum Ausland wird eine zwei bis drei Wochen dauernde Behandlung (inkl. Physiotherapie) nicht ohne weiteres von der Grundversicherung bezahlt.

In Deutschland werden Kältekammern indes sogar im Spitzensport eingesetzt. Fussballklubs wie etwa Bayer Leverkusen besitzen eigene Kammern. Sie werden unter anderem nach intensiven Trainingseinheiten benutzt um Muskelbeschwerden zu vermeiden. Zudem vermögen sie angeblich kurzfristig Leistungssteigerungen hervorzubringen.

(sf/vaid)

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