Schweiz
Schweiz liefert heikle Bankdaten an US-Steuerbehörden
Das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) bestätigt Recherchen von «Schweizer Radio DRS»: Der Bundesrat bietet den USA codierte «Daten zum US-Geschäft» verschiedener Schweizer Banken. Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf erklärt das Verfahren, Experten nehmen Stellung.
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Alles laufe in einem gewöhnlichen Amts- und Rechtshilfeverfahren ab, erklärte Eveline Widmer-Schlumpf in der «Tagesschau».
Martin Naville, Chef der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer, sieht in dem Deal eine «vertrauensbildende Massnahme». Er glaubt an eine baldige Lösung zwischen der Schweiz und den USA.
Der Schweizer Wirtschaftsjurist Peter V. Kunz hingegen ist bezüglich einer Lösung im Steuerstreit nicht so positiv eingestellt wie Martin Naville. Er warnt vor allzu grossen Hoffnungen und glaubt nicht an eine schnelle Einigung zwischen der Schweiz und den USA.
Was die Datenlieferung betreffe, sei aus juristischer Sicht alles in Ordnung, solange die Namen der Bankkunden sowie Bankmitarbeiter nicht bekanntgegeben würden. Der Persönlichkeitsschutz werde dadurch gewahrt.
Reto Lipp, SF-Wirtschaftsredaktor, schätzt, dass die Schweiz «gut Wetter» machen will in Washington. Seiner Meinung nach könnten auch Banken mit Staatsgarantie in Schieflage geraten wegen einer Anklage aus der USA. Das könne sich die Schweiz nicht leisten, da dies der Steuerzahler berappen müsste, so Lipp. Man brauche deshalb den Deal mit den USA.
Bei den Daten handelt es sich laut dem Eidgenössischen Finanzdepartement (EFD) nicht um Kundendaten, sondern um «Daten zum US-Geschäft der Banken». Kundendaten würden nicht geliefert, sagte EFD-Sprecher Roland Meier.
Zudem seien die Namen der Bankmitarbeiter codiert, sagte der EFD-Sprecher weiter. Der Bundesrat habe letzte Woche beschlossen, dass grundsätzlich auch weiterhin nur codierte Daten geliefert würden. Dies habe er am Montag der Wirtschaftskommission des Nationalrates mitgeteilt.
Bankenexperte: «Eine sinnvolle Strategie»
«Schweizer Radio DRS» sprach mit dem Bankenexperten Alfred Mettler, Professor für Finanzen an der amerikanischen Georgia State University. Auf die Frage, ob die Schweizer Banken einknicken, meint Mettler: «Nein, das glaube ich nicht. Aber es zeigt auf, in welcher Situation sich die Schweizer Banken befinden. Die Amerikaner wollen das Puzzle ihrer Steuersünder vollenden, das sie bereits begonnen haben. Dazu brauchen sie mehr Daten.» Das sei eigentlich so zu erwarten gewesen, sagt Mettler.
Der Deal könne sehr wohl funktionieren. «Aus Schweizer Sicht ist es absolut zentral, dass man rasch auf allen Ebenen und mit allen Kräften das Globalabkommen zu einem guten Ende führt.»
Man sei letzten Sommer diesem Ziel nahe gewesen, und mit etwas Flexibilität sei dies nun möglich. Eine solche Flexibilität sei es, die Daten verschlüsselt zu liefern. «Das dünkt mich eine sehr sinnvolle Strategie.»
Laut «Schweizer Radio DRS» handelte es sich dabei um vier bis sechseinhalb Millionen verschlüsselte E-Mails der Grossbank Credit Suisse und 7 andere Banken. Das EFD weist diese Zahl als zu hoch zurück.
Einzelne Namen schon vor dem Deal genannt
Der Bundesrat will mit der Lieferung den Druck auf die US-Steuerbehörden erhöhen: Sobald das Abkommen mit den USA steht, wird der Entschlüsselungsmechanismus nachgeliefert.
Allerdings können einzelne Namen schon vorher genannt werden, teilte das EFD mit. Dies aber nur im Rahmen eines ordentlichen Aufsichtsamtshilfe- oder Rechtshilfeverfahrens. Die US-Behörden müssen also darlegen dass sich bestimmte Personen strafbar gemacht haben – und zwar sowohl nach US- als auch nach Schweizer Recht.
Offenbar ist der Druck aus den USA gross: Die Banken wären demnach bereit gewesen, die Daten ohne grossen Widerstand auszuhändigen. Der Bundesrat drängte jedoch auf die Verschlüsselung der Daten zur Wahrung des Bankkundengeheimnisses, berichtete «Schweizer Radio DRS».
Faires Angebot oder Provokation?
Die Schweiz strebt mit den USA ein Abkommen an, mit dem das Problem der US-Steuerhinterzieher für den Schweizer Finanzplatz definitiv gelöst wird. Die Verhandlungen stocken, weil die USA noch mehr Bankkundendaten sehen möchten. Zudem fordern die US-Behörden eine Milliardenbusse.
Die USA haben bisher angeblich noch nicht auf das Angebot reagiert. Manche Beobachter befürchten, die US-Behörden könnten Verschlüsselung als Provokation auffassen – Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf nahm dazu keine Stellung.
Unter den Banken, die in den USA am Pranger stehen, ist die Bank Wegelin, deren Eigentümer jüngst bekannt gaben, dass sie ihre Bank mit Ausnahme des US-Geschäfts an die Raiffeisengruppe verkaufen. Die Privatbank reagierte damit auf eine drohende Klage in den USA. Am Pranger stehen auch die CS, die Bank Julius Bär und die Basler Kantonalbank.
Bankenexperte: «Die Schweiz hat keine Wahl»
Credit Suisse, Basler Kantonalbank, Wegelin – die Liste der Schweizer Banken im Fokus der US-Justiz ist lang. Die Schweiz habe keine andere Möglichkeit als im Steuerstreit zu kooperieren, sagt US-Professor Alfred Mettler am Montagabend gegenüber «ECO».
Den Artikel lesen Sie hier, den «ECO»-Beitrag sehen Sie hier.
(sf/sr drs/halp/buev)
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B. Hermann, Bern
)
(Macropis
Verfasst am: 1.2.2012 7:20
"vier bis sechseinhalb Millionen verschlüsselte
E-Mails der Grossbank Credit Suisse und 7 andere... mehr
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R. Meier, Zürich
)
(Rene_Meier
Verfasst am: 31.1.2012 22:38
Sie ja, Herr Bern, senden wir den heimatbewussten
Herrn Brunner & den heimatbewussten Fehr H.... mehr
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U. Keller, Klaeng
)
(sailer
Verfasst am: 31.1.2012 20:40
Das Eingemachte
Reto Lipp sagt es richtig einigen Banken geht es... [1] mehr
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