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Krise im Euro-Land

EU-Gipfel: Grünes Licht für Fiskalpakt und Rettungsschirm

Montag, 30. Januar 2012, 9:43 Uhr, Aktualisiert 31.01.2012, 0:29 Uhr

Die EU-Staats- und Regierungschefs haben beim Gipfel den Fiskalpakt für mehr Haushaltsdisziplin und den künftigen Euro-Rettungsschirm ESM verabschiedet. Neben Wachstum und Beschäftigung stand erneut der Kampf gegen die Schuldenkrise im Zentrum der Gespräche.

Mit dem zwischenstaatlichen Vertrag der 17 Euro-Staaten sowie acht der zehn weiteren EU-Länder soll den Finanzmärkten bewiesen werden, dass die Regierungen zur Sanierung der Staatsfinanzen entschlossen sind. Der Pakt verpflichtet die Unterzeichnerstaaten
unter anderem dazu, eine Schuldenbremse einzuführen.

EU-Fiskalpakt-Gipfel (10vor10, 30.01.2012)

Defizitsünder sollen zudem schneller bestraft werden können. Eine entsprechende Empfehlung der EU-Kommission ist nur mit qualifizierter Mehrheit von den Mitgliedstaaten zu kippen. Euro-Staaten drohen dabei Bussen. Nicht-Euro-Staaten, die den Pakt unterzeichnen, könnten zum Beispiel die Fördergelder gestrichen werden.

Entscheide des EU-Fiskalpakt-Gipfels

Nach langen Verhandlungen haben die Staats- und Regierungschefs der EU auf dem Brüsseler Sondergipfel einen Fiskalpakt für mehr Haushaltsdisziplin beschlossen. Die getroffenen Entscheide im Überblick.

Letzte Fragen geklärt 

An dem Pakt wollen neben Grossbritannien auch die Tschechen wegen parlamentarischer Vorbehalte nicht mitmachen, sagte der schwedische Ministerpräsident Frederik Reinfeldt. Tschechien kann dem Vertrag aus «konsitutionellen Gründen» nicht beitreten, wie Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy nach Ende des Gipfels erklärte.

Auch der Streit mit Polen und anderen Nicht-Euro-Ländern über die Teilnahme an Gipfeltreffen der Euro-Staaten wurde beigelegt. Diese Staaten sollen an allen Beratungen teilnehmen dürfen, bei denen es um die Wettbewerbsfähigkeit, Veränderungen in der globalen Strategie der Euro-Währung und künftige Reformen der Grundregeln für den Euro geht.

USA unzufrieden mit EU-Beschlüssen

Die Entscheidungen des EU-Gipfels im Kampf gegen die Schuldenkrisen können die USA nicht überzeugen. «Europa bleibt eine Sorge», sagte der Weisse-Haus-Sprecher Jay Carney. «Es gibt positive Entwicklungen, aber es muss noch mehr Arbeit getan werden», meinte er auf Journalistenfragen.

Carney ging zwar nicht konkret auf den in Brüssel beschlossenen Fiskalpakt zur Bekämpfung der Eurokrise ein. Er bekräftigte, dass die Eurokrise Folgen für die gesamte Weltwirtschaft haben könnte. Die Eurokrise sei aber eine europäische Angelegenheit, die die Europäer selbst lösen müssten. Washington kritisiert seit Monaten, Europa gehe zu zögerlich vor. Die Krise müsse entschlossener und mit mehr Geld bekämpft werden, heisst es immer wieder mit Blick auf deutsche Zurückhaltung.

Neuer Rettungsschirm ESM 

Die Staats- und Regierungschefs billigten zudem den dauerhaften Krisenfonds für schwächelnde Euro-Länder ESM.  Dieser soll ein Jahr früher als geplant am 1. Juli starten und einen Umfang von 500 Milliarden Euro haben. Sie bestätigten damit eine frühere Entscheidung der Finanzminister. Ob das Geld reicht, wollen sie im März überprüfen.

Bild Sarkozy und Merkel.
Aufatmen bei Sarkozy und Merkel: Der neue Euro-Rettungsschirm steht. reuters

Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) soll Kredite am Kapitalmarkt aufnehmen und dieses Geld an pleitebedrohte Euro-Staaten weiterreichen. Dadurch können Schuldensünder günstiger an Geld kommen, als wenn sie selbst Summen am Markt aufnehmen würden.

ESM – Krisenresistenter Rettungsschirm

Der ESM wird den jetzigen Euro-Rettungsschirm EFSF ablösen. Anders als sein Vorgänger verfügt der Krisenfonds über Barkapital von 80 Milliarden Euro – dadurch ist er krisenresistenter und unabhängiger von Ratings.

Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte dem EFSF jüngst die Bestnote bei der Kreditwürdigkeit entzogen, wodurch sich die Kreditaufnahme verteuern könnte. Deutschland muss für den ESM einen Anteil von rund 22 Milliarden Euro einzahlen. Der Fonds basiert auf einem internationalen Vertrag und nicht auf einer Abmachung zwischen den Euro-Staaten wie der EFSF.

Kritik an «Sparkommissar»

Offiziell kein Thema war beim EU-Gipfel für einmal Griechenland. Allerdings wurde am Rande der Sitzung sehr wohl über eine deutsche Idee für einen «Sparkommissar» oder «Kontrolleur» für Griechenland gesprochen, wie EU-Parlamentspräsident Martin Schulz erklärte.

Es habe schon «intelligentere Vorstösse» zu diesem Thema gegeben, befand der deutsche Sozialdemokrat. Er gab zu Bedenken, dass es für die Griechen schon schwierig genug sei zu ertragen, dass sich Leute von aussen in ihre Prozesse einmischten, aber das sei in der
jetzigen Situation nicht vermeidbar.

Während Merkel eine «gemeinsame und keine kontroverse Diskussion» zum Wohl der griechischen Bevölkerung forderte, sprach sich Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker klar dagegen aus. Österreichs Kanzler Werner Faymann begrüsste zwar eine strenge Kontrolle, aber ein einziger Kommissar für ein Land sei «keine gute Idee».

Der EU-Gipfel in Zitaten

Beim Sondergipfel der EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel spielte neben dem Fiskalpakt und dem neuen Rettungsfonds ESM ein Vorschlag aus Deutschland eine besondere Rolle - dem pleitebedrohten Griechenland einen EU-Aufpasser an die Seite zu stellen. Zitate zum Treffen in Brüssel

Bild Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble greift sich ans Kinn.
Auch der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble hat dem ESM seinen finanzpolitischen Segen gegeben. reuters/archiv

Wachstum und Beschäftigung

Zum Themenbereich Wachstum und Beschäftigung verabschiedeten die Staats- und Regierungschefs ein Programm, bei dem nicht verwendete Mittel aus den Sozial- und Strukturfonds der EU genutzt werden sollen. Laut Kommissionskreisen geht es dabei um 83 Milliarden Euro.

Bild Barroso
EU-Kommissionspräsident Barroso will einen Pakt gegen Jugend-Arbeitslosigkeit in der Gemeinschaft durchsetzen. reuters

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso schlug einen Pakt vor, um Jugend-Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Zudem will die EU-Kommission einen speziellen Fokus auf jene acht Mitgliedstaaten richten, in denen die Jugendarbeitslosigkeit über dem EU-Durchschnitt liegt. Dazu gehören Spanien, Italien und Griechenland.

(agenturen/buev/hesa/halp)

Kommentare aktiv...

U. Romer, Opfikon
(romeru Mann)
Verfasst am: 31.1.2012 8:11

EU - machtloser Koloss...

In regelmässigen Abständen treffen sich die... mehr

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B. Hermann, Bern
(Macropis Frau)
Verfasst am: 31.1.2012 7:59

Und sie gipfeln und gipfeln ohne Ende

wie die Bergsteiger, die dann davon reden, den... mehr

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A. tanner, biel
(skater01 Mann)
Verfasst am: 31.1.2012 7:43

Grünes Licht für Fiskalpakt und Rettungsschirm

Es ist schon erstaunlich, wie die undemokratische... mehr

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