Inhalt

«Bad Bank» Wegelin: Konsequenzen ungewiss

Freitag, 27. Januar 2012, 18:23 Uhr, Aktualisiert 23:00 Uhr

Die Kapitulation der ältesten Schweizer Privatbank Wegelin& Co. ist in einer ersten Reaktion aus dem Bundesrat knapp als «privatwirtschaftlicher Entscheid» erklärt worden. Gemäss SF-Wirtschaftsredaktorin Marianne Fassbind hatte Wegelin keine andere Wahl und sie sieht ungeahnte Konsequenzen – auch für die Übernahmebank Raiffeisen.

Videoplayer
Einschätzungen von Wirtschaftsredaktorin Marianne Fassbind («Tagesschau», 27.1.2012)

«Es ist nicht klar, ob bei der Übernahme von Wegelin-Kunden alle Risiken geprüft worden sind. Damit läuft die Raiffeisenbank Gefahr, dass auch sie in Mitleidenschaft gezogen werden könnte», sagt Marianne Fassbind zu «SF Online».

Raiffeisen-CEO ist optimistisch

Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz zeigte sich in «10vor10» überzeugt, dass seine Bank kein zu grosses Risiko eingegangen sei. «Wir waren vorsichtig und haben die Situation vertieft analysiert», so Vincenz. Man sei zum Schluss gekommen, dass es das beste sei, die Bank aufzuteilen.

Natürlich könne man nicht alle Risiken ausschliessen – auch nicht dass die US-Behörden den Arm bis zur Raiffeisen Gruppe ausstrecken könnten. Man habe sich aber auch in den USA beraten lassen, und sei zum Schluss gekommen, dass das Risiko tragbar ist, so Vincenz.

Raiffeisen-CEO Vincenz stuft die Risiken als tragbar ein («10vor10», 27.1.2012)

Die Bundesräte Eveline Widmer-Schlumpf und Johann Schneider-Ammann wollen nicht über Konsequenzen spekulieren. «Es handelt sich um einen privatwirtschaftlichen Entscheid zweier Unternehmen, den wir nicht kommentieren», hiess es beim Eidgenössischen Finanzdepartement (EFD).

Auch Volkswirtschaftsminister Schneider-Ammann sieht in der Kapitulation der Bank Wegelin, deren Nicht-US-Geschäft von der Bank Raiffeisen übernommen wird, einen unternehmerischen Schritt. Die Gründe wolle er nicht kommentieren. Es müsse ein Schritt sein im Interesse der beiden Unternehmen, aber auch im Interesse der Kunden.

Kunden gerettet

Mit der Auslagerung seien die Kunden tatsächlich gerettet worden, ist die SF-Wirtschaftsredaktorin Fassbind Ã¼berzeugt. Also Kundengelder von 70 % Schweizern und 30 % europäischen Kunden. «Sonst wären auch diese Kunden gefährdet worden.»

Bild Schliessfächer in der Bank Wegelin hinter verschlossenem Eisentor.
In der «Bad Bank» Wegelin sind jetzt noch die US-Kunden, so Fassbind. keystone

Die Konsequenzen für die Teilhaber der Privatbank Wegelin & Co. könnten aber schwerwiegend sein. Denn die 8 Teilhaber haften, wie es eine richtige Privatbank verlangt, auch mit ihrem Privatvermögen. Es sei nicht ganz klar, ob der am vergangenen Montag bis auf weiteres beurlaubte Teilhaber Christian Hafner auch noch dazu zähle, so Fassbind.

Prominenter Teilhaber Hummler

Er steht im Vordergrund: Bank-Vorsteher und Verwaltungsratspräsident der NZZ Konrad Hummler. Er hat alles bestimmt und war vehement eingetreten für das Bankgeheimnis. «Es war eine strategische-politische Fehleinschätzung, dass sich die Schweiz und USA auf eine Lösung einigen können â€“ er dachte dass das Bankgeheimnis bestehen bleiben kann», erklärt Fassbind.

Ob es bis zum Letzen kommt, hängt nun davon ab, wie weit die Amerikaner gehen wollen. Verhandlungen mit den USA sind am laufen. Marianne Fassbind sieht ein Szenario wie damals bei der UBS. «Es kann gut sein, dass ein Kompromiss ausgehandelt wird. Mit einer Busse und der Preisgabe von Kundendaten. Damit würde wiederum das Bankgeheimnis verletzt.»

EFD-Vorsteherin Eveline Widmer-Schlumpf hatte am Donnerstagabend am Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos erklärt, sie rechne nach Gesprächen mit US-Finanzminister Timothy Geithner damit, dass der Bankenstreit mit den USA noch dieses Jahr beigelegt werden könne.

«Bad Bank» soll verschwinden

Absehbar ist, dass der Name der Traditionsbank bald Geschichte ist. Schon jetzt wurde im Internet offenbar aufgeräumt. Wer im Web eine bankinterne Information sucht, wird immer auf die Medienmitteilung der Raiffeisen von heute Mittag umgeleitet.

Ziel, dass der Name verschwindet und so die US-Steuerbehörde keinen Adressaten mehr hat für Angriffe? Fassbind kann sich dies vorstellen. «Sie haben ja schon für die ausgelagerten Kunden extra die Bank Notenstein Privatbank AG gegründet. In der «Bad Bank» Wegelin sind jetzt noch die US-Kunden. Ich nehme an, dass es den Namen Wegelin & Co. bald nicht mehr geben wird – nur noch so lange Verhandlungen mit den Amerikanern laufen.»

(sf/sda/engf)

Kommentare aktiv...

J. Knecht, Bangkok
(knechtjosef Mann)
Verfasst am: 28.1.2012 2:36

Macht nicht auch noch die Raiffeisenbank kapputt!

Es reicht, dass die Migros nur noch formal eine... mehr

Zustimmen — 17 Leser sind auch dieser Meinung.
Ablehnen — 2 Leser sind anderer Meinung.

Heiklen Inhalt melden antworten

V. Ueberschauender, Diamantina
(ueberschauender Mann)
Verfasst am: 27.1.2012 23:04

USA

Es ist doch klar, die USA brauchen doch Geld fuer... mehr

Zustimmen — 28 Leser sind auch dieser Meinung.
Ablehnen — 12 Leser sind anderer Meinung.

Heiklen Inhalt melden antworten

A. Kurt, Dürnten
(minu92 Mann)
Verfasst am: 27.1.2012 21:03

Ustertag mit Herr Hummler!

Am letzten Ustertag wurde Herr Konrad Hummler von... mehr

Zustimmen — 15 Leser sind auch dieser Meinung.
Ablehnen — 2 Leser sind anderer Meinung.

Heiklen Inhalt melden antworten

Dieser Artikel wurde archiviert. Die Kommentarmöglichkeit wurde deshalb deaktiviert. Vielen Dank für Ihr Interesse.