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Kreuzfahrtschiffe: Kein unbelastetes Ferienvergnügen

Richard Müller
Freitag, 27. Januar 2012, 10:29 Uhr

Vor der Insel Giglio droht eine ökologische Katastrophe. Denn an Bord des Kreuzfahrtschiffes «Costa Concordia» befinden sich 2300 Tonnen Rohöl. Eine tickende Zeitbombe. Doch auch im Normalzustand glänzen Kreuzfahrtschiffe nicht gerade in Sachen Umweltfreundlichkeit.

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Glasklares Wasser, Korallenriffe, herrliche Sandstrände und angenehme Temperaturen. Gemächlich pflügt sich eine «schwimmende Stadt» den Weg durch die Karibik. Zum Beispiel die «AIDABella»: Die Ausmasse sind imposant, das Schiff ist 252 m lang und 32 Meter breit. Es bietet Platz für 2050 Passagier und 650 Besatzungsmitglieder – ein eher kleines Kreuzfahrtschiff mit 69'200 Bruttoregistertonnen. Schiffe in der Kategorie der verunglückten «Costa Concordia» sind mit über 100'000 Bruttoregistertonnen noch bedeutend grösser.

Die Passagiere wollen unterhalten sein und ihre Ferien geniessen. Die gewaltige Infrastruktur braucht Energie, angefangen bei der Zubereitung erlesener Speisen und bis zur Musik aus den Lautsprechern im Fitnesscenter an Bord. Für den Schiffsantrieb, die Stromproduktion etc. verbrauchen die Motoren der «AIDABella» bei 85 Prozent Auslastung jeden Tag 140‘000 Liter Schweröl.

Reinigung an Bord

«Für die grossen Reedereien ist heute der Umweltschutz ein Thema. Diesbezüglich kann man den Reedereien keine Vorwürfe machen», erklärt Beat Eichenberger, Chefredaktor des Branchenhefts «Cruisetip» im Gespräch mit «SF Online».

«Entstehendes Abwasser wird an Bord gereinigt. Nach dem Reinigungsprozess ist das Wasser zwar noch kein Trinkwasser. Doch die Wasserqualität ist so, dass es ohne Bedenken ins Meer abgelassen werden kann» so Eichenberger weiter.

Umweltschutz doch nur ein Feigenblatt?

Wiederverwertbare Stoffe, aber auch Küchenabfälle würden zudem zu Ballen gepresst und in einem Hafen an Land gebracht, damit sie fachgerecht entsorgt werden können. Die Reedereien betreiben wohl aus Imagegründen Umweltschutz: «Damit versuchen sie sich auf dem Markt zu positionieren», sagt Eichenberger. Die Kundschaft sei heutzutage am Thema Umweltschutz interessiert. Dass dies eine Alibi-Übung sein könnte, zeigt die Realität.

In der Vergangenheit haben die Kapitäne von Kreuzfahrtschiffen den Müll, der auf hoher See entstand, einfach ins Meer gekippt. Ein Umdenken hat zwar stattgefunden, Kreuzfahrten sind aber noch längst nicht «sauber».

Denn nach wie vor scheint ein Teil der Abfälle auf hoher See entsorgt zu werden. Zwar deklariert beispielsweise die Reederei Costa Cruises in ihrem Umweltbericht 2008, dass sie ihren Müll im Hafen deponiert. Doch die Verfasser der Studie «Umweltbelastungen verschiedener Ferienszenarien» im Auftrag des WWF schätzen, dass auf Costa-Schiffen 21 Prozent der Abfälle über Bord geworfen wurden. Sie weisen darauf hin: «Dies scheint als grobe Annahme gerechtfertigt zu sein, da sowohl im Pazifik wie auch im Atlantik Plastikmüllberge entdeckt wurden.»

Abwasser fliessen ins Meer

Abwasser, sogenanntes «Bilgenwasser», wird ins Meer geleitet. Aber auch Grauwasser – Abwasser aus Duschen, Abwaschbecken, Waschmaschinen und Küchen fliesst ins Meer. Dies ist jedoch nur bei einer gewissen Geschwindigkeit und in einem definierten Küstenabstand erlaubt. Zudem durchläuft das Abwasser zuerst eine Kläranlage. Doch die Studienverfasser darauf hinweisen, dass «die Behandlungsleistung der Anlage auf dem Kreuzschiff eher nicht den Anforderungen einer durchschnittlichen schweizerischen Kläranlage entspricht».

Zeitbombe Meeresmüll («Rundschau», 04.08.2010)

Auch im Vergleich verschiedener Ferienszenarien schneiden Kreuzfahrten nicht mit Bestnoten ab, das zeigt die WWF-Studie deutlich. Untersucht wurden verschiedene Ferienarten und -aktivitäten von Schweizern.

Ferienträume mit Folgen

Batterien tanken, fremde Kulturen erleben, Fernweh stillen: Die Motive und Erwartungen an Ferien sind vielfältig. Sobald aus den Ferienträumen Realität wird, haben diese – je nach Destination – massive ökologische Auswirkungen. Der WWF untersuchte deshald typische Ferienreisen von Schweizerinnen und Schweizern auf ihren Klima-Fussabdruck. Fernreisen, wie zum Beispiel Heliskiing in Kanada, Badeurlaub in Thailand oder eine Kreuzfahrt in der Karibik schnitten schlecht ab. Welche Reise grosse Umweltbelastung verursacht lesen Sie in der Studie «Umweltbelastung verschiedener Ferienszenarien» nach. Zur Studie

Die höchsten Treibhausgasemissionen verursachen Heli-Skiing Ferien in Kanada (2, Personen, 11 Tage), gefolgt von All-Inclusive-Ferien in Phuket (2 Personen, 14 Tage). Doch dann folgt auch schon die Karibikkreuzfahrt (2 Personen 14 Tage). Das liegt daran, dass ein solches Szenario einen Langstreckenflug und zum Teil energieintensive Aktivitäten beinhaltet. Beim Heli-Skiing in Kanada kommen neben der Anreise mit dem Flugzeug die Transportflüge mit dem Helikopter hinzu.

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Treibhausgasemissionen pro Person und Feriendauer Die Abbildung zeigt kg Co2-eq Pro Person an 1*: Heli-Skiing 2 Personen, 7 Tage; 2*: All inclusive Phuket, 2 Personen 14 Tage; 3*: Karibikkreuzfahrt, 2 Personen, 14 Tage; 4*: Mittelmeerkreuzfahrt, 2 Personen 8 Tage; 5* Skiferien Davos, 2 Personen, 7 Tage; 6*: Balkonien Bern, Familie 7 Tage. Quelle: WWF/ esu-services

Hauptbelastung Treibstoffverbrennung

Schon bei einer Mittelmeerkreuzfahrt sinken die Treibhausgas-Emissionen (2, Personen, 14 Tage), da die Anreise deutlich kürzer ist. Die geringsten Emissionen verursachen wenig überraschend die Ferien in Balkonien, resp. zu Hause (Familie, 7 Tage). Ebenfalls gut im Vergleich zu einer Karibikkreuzfahrt schneiden Skiferien in den Schweizer Alpen ab (2 Personen, 7 Tage)

Nils Jungbluth, der zusammen mit anderen die Studie verfasst hat, meint im Gespräch mit «SF Online»: «Die An- und Rückreise trägt bei den meisten Szenarien wesentlich zu den Treibhausgasemissionen bei.» Bei Kreuzfahrten sei die Hauptbelastung die Treibstoffverbrennung. «Dieser muss den Betrieb auf hoher See garantieren. Gleichzeitig wird mit den Motoren der Strom- und Wärmeverbrauch für die unzähligen Angebote an Bord gewährleistet.» Dazu gehören beispielsweise Swimmingpools, Whirlpools, Casinos, Theater usw.

«Bei Kreuzfahrtschiffen muss auch im Hafen die Strom- und Wärmeproduktion gewährleistet werden», führt Jungbluth aus. Dies führe lokal zu Umweltbelastungen und treibe die Treibhausgas-Emissionen nach oben.

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T. Käppeli, Guatemala Ciudad
(thkaepp Mann)
Verfasst am: 2.2.2012 4:45

Wo bleiben zur dieser weltweiten Problematik die kritischen Beiträge? Teil II

Im Herzen Europas geboren, wurde ich durch meinen... mehr

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T. Käppeli, Guatemala Ciudad
(thkaepp Mann)
Verfasst am: 2.2.2012 4:44

Wo bleiben zur dieser weltweiten Problematik die kritischen Beiträge? Teil I

Selber weder grün angestrichen noch... mehr

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