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Ägypter sind ein bisschen freier und ein bisschen ärmer
Ex-Präsident Hosni Mubarak ist vertrieben – die Probleme im Land sind damit aber noch nicht gelöst. Das Grösste von allen, die Armut, hatte am 25. Januar 2011 die Revolution ausgelöst.
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Die Preise steigen – das Benzin ist knapp. Ein Jahr nach dem Umsturz ist Ägyptens Wirtschaft immer noch am Boden. Der ehemalige Machthaber Hosni Mubarak, dem in einem Prozess die Todesstrafe droht, hinterlässt ein Land mit unzähligen Baustellen.
Es trifft die Ärmsten
Der grösste soziale Sprengstoff liegt in der Nahrung. Seit Ende 2010 sind auch in Ägypten die Lebensmittel immer teurer geworden. Fast die Hälfte seines Bedarfs muss das Land am Nil an Nahrungsmittel importieren. «Früher ging ich einmal in der Woche zum Barbier. Heute reicht das Geld nicht mehr. Ich muss mich entscheiden zwischen hungern oder rasieren», sagt Hany Shabaan, ein einfacher Mechaniker aus Kairo. Ein anderer meint: «Die Menschen werden entlassen und hängen jetzt herum. Sie haben nichts mehr zu tun. Eine Revolution muss das Leben doch einfacher machen».
Von den rund 80 Millionen Einwohnern in Ägypten überleben 20 Prozent mit nicht einmal 2 Franken pro Tag. Viele halten sich mit Schwarzarbeit nur knapp über Wasser.
Entscheidend wird sein, wie die neue Regierung und der künftige Präsident die grossen wirtschaftlichen Probleme des Landes lösen wollen. Denn nicht nur die politische Lage sorgt für Konflikte. Die Revolution legte die ägyptische Wirtschaft lahm.
Wirtschaftliche und soziale Probleme
Die Revolte gegen Dauerpräsident Hosni Mubarak brachte zwar das verhasste Regime zu Fall, vergraulte aber die Touristen. In guten Zeiten sicherte die wichtigste wirtschaftliche Quelle, der Tourismus, dem Land elf Prozent des Bruttoinlandproduktes und 12,5 Prozent der Arbeitsplätze. Offiziellen Angaben zufolge ist der Tourismus 2011 um mehr als einen Drittel eingebrochen. Den Reiseveranstaltern, Hotelbetreibern und Touranbietern fehlen drei Milliarden Euro in ihren Kassen.
Kleine Unternehmen abseits der Ferienzentren haben aufgegeben und ihre Büros geschlossen.
Immer weniger Touristen besuchen Ägypten
Insgesamt haben nach der Statistik des Tourismusministeriums 2011 rund neun Millionen Urlauber das Land besucht, ein Jahr zuvor waren es noch knapp 15 Millionen. Das erwirtschaftete Einkommen sei von knapp zehn Milliarden Euro auf rund sieben Milliarden Euro geschrumpft. Wahrscheinlich sind die Verluste noch viel höher.
Verschreckt wegen der Unruhen der letzten Monate sind auch die ausländischen Investoren. Die Bilder von Strassenschlachten in Kairos Zentrum schaden der Branche und beunruhigen die Kunden. Alleine Anfang letzten Jahres sind die Investitionen nach Ausbruch der Revolution um die Hälfte eingesackt.
Stark eingebrochen ist auch der Bausektor. Neben dem Tourismus galt die Baubranche als treibender wirtschaftlicher Sektor in Ägypten. Seit der Revolution haben mittlerweile rund 1000 Unternehmen ihre Türen schliessen oder die Löhne massiv reduzieren müssen. «Ich kann mir mein tägliches Brot kaum mehr leisten», sagt Ahmed Abdel Khaleq, ein 48jähriger Keramik-Unternehmer. Auch er musste vor kurzem sein Geschäft schliessen.
Ägypten kommt nicht zur Ruhe
Vielen Ägyptern geht es finanziell heute schlechter als vor der Revolution. Und doch ist SF-Nahostkorrespondent Pascal Weber überzeugt, dass die Chance besteht, dass sich das Land von der wirtschaftlichen Krise erholen kann, auch wenn es wohl länger dauern wird.
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