International
Euro-Länder nehmen Griechenland in die Zange
Dem griechischen Finanzminister weht in Brüssel ein eisiger Wind ins Gesicht. Die übrigen Eurostaaten fordern für den Schuldenschnitt einen Zinssatz unter 3,5 Prozent. Mit den bislang erzielten Reformen sind sie unzufrieden.
- 10.01.12: Das lange Hin und Her um die Milliardenhilfe für Griechenland
- 23.01.12: Finanzminister beraten über Griechenland-Krise und Schuldenschnitt
- 23.01.12: Steuersünder am Pranger: Athen veröffentlicht «Liste der Schande»
- 22.01.12: Griechenland: «Sparen allein wird nicht reichen»
- 21.01.12: Zeitdruck und keine Einigung bei Athener Gesprächen um Schuldenschnitt
- 20.01.12: «Wir sind optimistisch» – Griechenlands Schuldenschnitt auf Kurs
- 19.01.12: Griechenland: Grünes Licht für Gespräche über neues Hilfspaket
Artikel bewerten
Artikel teilen
Die Eurozone fordert von Griechenland weitere Spar- und Reformbemühungen, um seine Finanzlage in den Griff zu bekommen. «Es ist deutlich, dass das griechische Programm aus der Spur geraten ist», sagte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker.
Griechenland müsse die «Eckpunkte eines ehrgeizigen Anpassungsprogramms so schnell wie möglich» mit der Troika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank vereinbaren, mahnte Juncker nach einem Treffen der Finanzminister der Euro-Länder in Brüssel. Das sei die Voraussetzung für weitere Finanzhilfen.
EU-Währungskommissar Olli Rehn drängte die Regierung in Athen, wirtschaftliche Reformen voranzutreiben. Die Euro-Finanzminister riefen Griechenland ausserdem auf, die Verhandlungen mit seinen privaten Gläubigern über einen Schuldenschnitt in den «kommenden Tagen» abzuschliessen.
Banken, Versicherer und Hedgefonds sollen freiwillig auf rund 100 Milliarden Euro verzichten, um Griechenlands Schuldenlast zu verringern. Die Gespräche stocken, weil sich beide Seiten nicht einigen können, welchen Zinssatz die Gläubiger für ihre neuen Anleihen erhalten sollen.
Zinssatz unter vier Prozent gefordert
Die Eurostaaten schalten sich auch in die stockenden Verhandlungen über einen Schuldenschnitt in Griechenland ein. Der von den Banken geforderte Zinssatz von vier Prozent für die neuen Staatsanleihen sei zu hoch.
Die Finanzminister hätten die Regierung in Athen beauftragt, die Verhandlungen mit dem Privatsektor mit diesem Ziel fortzuführen, sagte der Vorsitzende der Euro-Finanzminister Claude Juncker in Brüssel. Die Zinsen für die neuen Anleihen müssten «jenseits der 3,5 Prozent liegen.»
Athen will den Schuldenschnitt bis zum 13. Februar unter Dach und Fach haben. Bis dahin solle ein formelles Angebot an die Banken auf dem Tisch liegen, hiess es aus griechischen Regierungskreisen.
Am Montagabend hatten bereits Diplomaten am Rande der Beratungen berichtet, dass die Eurostaaten den Druck auf das pleitebedrohte Griechenland erhöhen. Mehrere Finanzminister, vor allem aus nördlichen Mitgliedstaaten, hätten ihren Athener Amtskollegen Evangelos Venizelos aufgefordert, Versprechen für Reformen nun einzulösen.
EU-Währungskommissar optimistisch
Ein erfolgreicher Abschluss der Verhandlungen ist die Voraussetzung für ein neues Hilfsprogramm für Griechenland in Höhe von insgesamt 130 Milliarden Euro. Ohne weitere Hilfen droht dem Land im März der unkontrollierte Staatsbankrott.
Die Verhandlungen über den Forderungsverzicht ziehen sich seit Wochen hin und hängen unter anderem an der Frage, wie hoch die Zinsen für neue Anleihen sein sollen, die im Tausch für einen Teil der ausstehenden Beträge an die Gläubiger ausgegeben werden sollen.
EU-Währungskommissar Olli Rehn zeigte sich aber optimistisch, dass ein Kompromiss zwischen griechischer Regierung und der Finanzbranche doch noch gelingt.
Rückzahlung von 15 Milliarden Euro
Eigentlich sollten die Gespräche über die Gläubigerbeteiligung schon im vergangenen Jahr abgeschlossen sein. Mittlerweile gilt Mitte Februar als möglicher Termin.
Erst wenn die Troika aus IWF, EZB und EU-Kommission weiss, ob der Privatsektor Griechenlands Schulden wirklich um 100 Milliarden Euro reduziert, kann und will sie ihr Urteil fällen, ob das Land weitere Hilfskredite bekommen soll.
Die Zeit drängt: Mitte März muss der Euro-Staat Anleihen im Wert von rund 15 Milliarden Euro zurückzahlen.
Hinter den Kulissen machten Diplomaten aber deutlich, dass die Einigung bis zum Sondergipfel der EU-Staats- und Regierungschefs am nächsten Montag stehen müsse. Eine offizielle Frist gibt es allerdings nicht. Athen steht aber unter enormen Druck eine Einigung möglichst bald zu erreichen, da sonst die Staatspleite droht.
Einigung auf dauerhaften Rettungsfonds
Die Finanzminister aller 27 EU-Länder einigten sich zudem auf einen Vertragstext für den dauerhaften Euro-Rettungsfonds ESM, der im Sommer in Kraft treten soll. Bislang ist eine Ausleihkraft von 500 Milliarden Euro geplant – im März soll jedoch noch einmal geprüft werden, ob diese Summe ausreicht.
Italiens Regierungschef Mario Monti und IWF-Chefin Christine Lagarde fordern bereits jetzt eine deutliche Ausweitung des ESM. «Wir brauchen eine grössere Brandmauer», sagte Lagarde in Berlin. Monti regte eine Aufstockung auf 1 Billion Euro an. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel lehnt eine Ausweitung hingegen ab.
Fortschritte bei Fiskalpakt
Der Vertrag für den ESM wird Juncker zufolge mit dem neuen Fiskalpakt der EU-Länder für strikte Haushaltsdisziplin verknüpft. Geplant ist, dass nur die Euro-Länder Geld aus dem ESM erhalten können, die auch den Fiskalpakt unterschreiben und umsetzen.
Auch bei den Beratungen über den Pakt machten die Finanzminister Fortschritte. Es liege nun ein Text vor, der eine «gute Grundlage» für den EU-Gipfel am kommenden Montag sei, sagte Juncker. Der Fiskalpakt soll im März unterzeichnet werden.
(agenturen/weis)
Meldungen im Tagesverlauf
- Mindestens 9 Tote nach Erdbeben in Italien
- Bundespräsident Gauck pocht in Israel auf Zwei-Staaten-Lösung
- Bundesgericht entscheidet: Kein Zeitaufschub für AKW Mühleberg
- Max Loong versucht sich an der Stange
- Kauflust in der Schweiz zieht weiter an
- Transfers und Gerüchte: Abraham möchte zum Hamburger SV
- Bircher und Hildenbrand zurückgetreten
- Wenig Überschuss für AHV, rote Null für IV
- Promis geben in Monaco Vollgas
- Wegpauschale nicht immer zulässig
- Zwei Schweizer bei Flugzeugunglück in Norddeutschland getötet
- Milliarden-Spritze für griechische Banken
- «Oranje» und Co. noch nicht in EURO-Form
- Opfer bei abgestürztem Kleinflugzeug in Deutschland sind vermutlich Schweizer
- Tote bei Protest gegen Schweizer Xstrata
- Tunesischer Präsident will Potentatengelder zurück


Mindestens 8 Tote nach Erdbeben in Italien
Computervirus «Flame» gilt als neue Cyber-Waffe
Elvis-Grabstätte kommt unter den Hammer
Zorn über Wahlausgang auf Ägyptens Strassen
Bundesgericht entscheidet: Kein Zeitaufschub für AKW Mühleberg
Kauflust in der Schweiz zieht weiter an
Wenig Überschuss für AHV, rote Null für IV
Levrat lehnt Steuerabkommen ab
Facebook-Foto verleitet Räuber zu Überfall
Bankia und Katalonien am Bettelstab
Afghanistan: Gasangriffe sollen Mädchen vom Schulbesuch abhalten
Steinbrück: Abkommen mit der Schweiz begünstigt Steuerbetrüger
Ägypten: «Der schlimmste denkbare Albtraum ist eingetroffen»
Jeder zehnte Velofahrer ab 1. Juni nicht versichert
Auch die Migros will Nespresso Konkurrenz machen



















M. Sutter, Berlin
)
(alleswahr
Verfasst am: 24.1.2012 10:39
Finanzverrückte
Wenn jetzt einer der Kapitalverrückten zugeben... mehr
Zustimmen — 8 Leser sind auch dieser Meinung.
Ablehnen — 1 Leser ist anderer Meinung.
Heiklen Inhalt melden antworten
Heiklen Inhalt melden antworten
A. Schneider, ---
)
(A-Schneider
Verfasst am: 24.1.2012 9:02
Noch rauspressen was geht
und dann fallen lassen. So läuft's. [1]
Zustimmen — 24 Leser sind auch dieser Meinung.
Ablehnen — 5 Leser sind anderer Meinung.
Heiklen Inhalt melden antworten
Heiklen Inhalt melden antworten
P. D., Esslingen am Neckar
)
(Peterle
Verfasst am: 24.1.2012 7:04
EU-Währungskommissar optimistisch
Reiner Pflichtoptimismus.
Zustimmen — 47 Leser sind auch dieser Meinung.
Ablehnen — 5 Leser sind anderer Meinung.
Heiklen Inhalt melden antworten
Heiklen Inhalt melden antworten