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Trauer und Tourismus – Nach der Tragödie der «Concordia»

Sonntag, 22. Januar 2012, 17:40 Uhr

Am zweiten Sonntag nach dem «Concordia»-Unglück zelebriert die örtliche Kirche einen Gottesdienst für Opfer-Angehörige. Gleichzeitig strömen Schaulustige auf die Insel Giglio, um das Wrack zu fotografieren.

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Während Angehörige der Vermissten am Sonntagmorgen die Treppen des Gotteshauses Chiesa dei Santi Lorenzo e Mamiliano hinabsteigen, legt einen Steinwurf entfernt die nächste Fähre an.

Sie bringt Schaulustige auf die Insel. In dieser Woche kamen bereits Tausende. Schon an Bord werden Kameras und Handys gezückt, für Schnappschüsse von der gekenterten «Costa Concordia».

Spektakel statt Trägodie

Euphorisiert strömen die Leute auf den Felsen, der dem Wrack am nächsten liegt. Erinnerungsfotos werden gemacht, ein Vater posiert mit seinem Kind. Pietätlos? Wenige Meter entfernt, vor der Kirche, liegt zeitgleich eine weinende Frau in den Armen eines Feuerwehrmanns.

Für viele ist das, was derzeit in Giglio passiert, ein Spektakel und keine Tragödie. Zwei Familien aus Frankreich, die am Sonntag den Gottesdienst von Don Lorenzo besuchen, trauern um ihre Angehörigen.

«Auch wenn wir sie verloren haben, Gott hat sie nicht verloren. Der Mensch ist nicht allmächtig», sagt der Priester in der Kirche, in der auf einem Altar eine Rettungsweste, ein Helm und ein Seil des Unglücksschiffes liegen. Aus Respekt vor den Trauernden sind Kameras und Fotografen bei der Messe nicht erwünscht. 

(«Tagesschau vom 22.01.2012»)

Mischung aus Faszination und Wut

«Es geht hier um Menschen, und nicht um Zahlen», mahnt Franco Gabrielli, der Einsatzleiter der Rettungskräfte. Auf einer Pressekonferenz entbrennt eine hitzige Diskussion, warum seit Tagen unterschiedliche Statistiken und Listen zu den Vermissten kursieren. Am Ende muss Gabrielli einschreiten: 19 Frauen, Männer und Kinder sind noch immer seit dem Unfall am Freitag, dem 13. Januar, verschollen.
 
Für die Einheimischen, die dem wilden Treiben von Rettungskräften,Journalisten und Tagestouristen an der Hafenpromenade seit Tagen mit einer Mischung aus Faszination, Unverständnis und Wut zusehen, istdas Drama vermutlich noch lange nicht vorbei. Sollte es nicht gelingen, die riesige Menge an Schweröl aus dem leckgeschlagenen Kreuzfahrtschiff zu pumpen, droht der Insel eine Umweltkatastrophe.

(ap/koua)

Kommentare aktiv...

J. Denzler, Zürich
(JakobDenzler Mann)
Verfasst am: 23.1.2012 6:18

Was soll dieser doppelbödige Moralisten-Journalismus?

Menschen sind nun mal neugierig, was ist Böses... mehr

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