Inhalt

Schettino: «Ich werde als letzter von Bord gehen»

Sonntag, 22. Januar 2012, 18:22 Uhr

Noch mehr Ungemach für Unglücks-Kapitän Francesco Schettino. Er kündigte der Hafenbehörde an, dass er bis zuletzt an Bord der «Costa Concordia» bleiben wolle. Dies ist in einem neu veröffentlichen Audio-Mitschnitt eines Telefonats zu hören. Die Realität sieht aber anders aus.

Bild Francesco Schettino von Personen umringt.
Die neuen Telefon-Aufnahmen werfen erneut kein gutes Licht auf Kapitän Schettino. keystone

Immer mehr Einzelheiten aus der Unglücksnacht der «Costa Concordia» werden bekannt. In einem neuen Telefon-Mitschnitt, der vom Sender TGcom24 veröffentlicht wurde, sagt Schettino gegenüber der Hafenbehörde, dass er noch an Bord der «Costa Concordia» ist. Laut Protokoll der Hafenbehörde wird das Gespräch um 23.37 Uhr geführt.

«Wir evakuieren Passagiere und Crew»

Die Person von der Hafenbehörde am anderen Ende der Leitung fragt den Kapitän, wieviele Leute das Schiff zu dem Zeitpunkt bereits verlassen haben: «Wir prüfen noch die letzten Zahlen», sagt Schettino. Ungefähr 300 Menschen seien noch an Bord. Man evakuiere aber Passagiere und Crew.

Auch er selbst sei noch an Bord, erklärt Schettino: «Ich war gerade an Deck, um zu sehen, ob wir gegen die Felsen lehnen – um zu sehen was los ist», sagt der Kapitän. Danach die Hafenbehörde: «Werden alle das Schiff verlassen oder bleibt jemand an Bord?» Auf dem Audio-Mitschnitt mit schlechter Tonqualität ist zu hören wie Schettino sagt: «Ich bleibe hier.»

Das Telefongespräch mit Kapitän Schettino von 23.37 Uhr (Originalton / Quelle: TGcom24)

Die Person von der Hafenbehörde fragt nach, ob nur er oder ob nach jemand anders an Bord bleibe. Darauf Schettino: «Ich denke, nur ich werde bleiben.» Laut Protokoll der Hafenbehörde, verschiedenen Zeugenaussagen und einem weiteren Telefon-Mitschnitt wird der Kapitän das Schiff aber bald verlassen.

Das Protokoll hält später um 00.34 Uhr fest: Der Kommandant der «Costa Concordia» befinde sich nach eigenen Angaben auf einem Rettungsboot und habe drei Personen im Wasser gesichtet.

«Gehen Sie zurück an Bord!»

Dass Schettino nicht mehr an Bord war, kam bereits in einem früher veröffentlichten Telefon-Gespräch ans Licht. Dieses wurde um 01.46 Uhr geführt.

In dem anderen Telefonat sagte Schettino, er leite die Evakuierung von Land aus. Nach dem entsetzten Nachfragen des Hafenkommandanten behauptete der Kapitän aber, dass er doch noch auf dem Schiff sei.

Bild Ein T-Shirt mit der Aufschrift: «Vada al bordo, cazzo!»
Der Befehl des Hafenkommandanten ist in Italien bereits Kult geworden: «Vada a bordo, cazzo!» reuters

Schettino wird vom Hafenkommandanten mit den Worten «Vada al bordo, cazzo!» zurück aufs Schiff geschickt. Laut Protokoll hatte der Kommandant den Kapitän bereits um 00.42 Uhr ein erstes Mal auf das Schiff zurückbeordert.

Um 02.53 Uhr ein weiterer Eintrag im Protokoll: Demnach fragt die Hafenbehörde nach, ob man von Schettino gesehen oder gehört habe. Die Antwort: Der Kapitän sei zuletzt an Bord eines Rettungsboots gesehen worden. Fahrtrichtung: Hafen.

(sf/frua)

Kommentare aktiv...

G. Mickey Maus, Mausstadt
(MM2 Mann)
Verfasst am: 22.1.2012 22:21

Bei der Reederei

sollte man wohl auch mal über die Bücher... mehr

Zustimmen — 87 Leser sind auch dieser Meinung.
Ablehnen — 7 Leser sind anderer Meinung.

Heiklen Inhalt melden antworten

Dieser Artikel wurde archiviert. Die Kommentarmöglichkeit wurde deshalb deaktiviert. Vielen Dank für Ihr Interesse.