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Suche auf «Costa Concordia» geht weiter

Freitag, 20. Januar 2012, 2:44 Uhr, Aktualisiert 04:27 Uhr

Die Retter geben nicht auf. Sie suchen auch in der Nacht auf der «Costa Concordia» nach Vermissten. Meteorologen warnen vor hoher See. Der US-Eigner Carnival überprüft jetzt die Sicherheitsvorkehrungen.

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Auf dem havarierten Kreuzfahrtschiff «Costa Concordia» wird  «so lange nach Vermissten gesucht, bis es das Wetter nicht mehr zulässt», sagte der Küstenwachen-Kommandant.

Am sechsten Tag nach dem Unfall wurde nach seinen Worten kein weiterer Mensch gefunden. Immer noch werden mehr als 20 Menschen vermisst.

Starke Winde und schwerer Seegang

Allerdings beschränke sich die Arbeit in der Nacht auf die Bereiche des Schiffs, die über Wasser liegen. «Die Taucher haben am Abend aufgehört, weil es einfach zu dunkel wurde», sagte er.

Die «Costa Concordia» befindet sich vor der Insel Giglio in prekärer Lage. Sie droht vor allem bei unruhiger See tiefer zu sinken. Wie der Kommandant erklärte, seien deshalb spezielle Löcher und Wege in das Schiff gesprengt worden, über die sich die Retter im Falle eines Abrutschens in Sicherheit bringen könnten.

Knapp eine Woche nach dem Unglück warnten Meteorologen vor starken Winden und schwerem Seegang. Meterhohe Wellen könnten das havarierte Schiff abrutschen und sinken lassen.

Verschiedene Untersuchungsgremien

Nach dem Unglück nimmt die amerikanische Besitzerfirma Carnival die Sicherheitsvorkehrungen auf allen ihren Kreuzfahrtschiffen unter die Lupe.

Bild Die «Costa Concordia» vor der italienischen Küste
Nach der Tragödie sollen die Bestimmungen neu überprüft werden. reuters

«Diese Tragödie stellt die Sicherheits- und Notfall-Prozeduren unserer Firma in Frage», sagte Firmenchef Micky Arison in Miami. Er beteuerte, die Bestimmungen in der Branche seien bereits hoch. Die Überprüfung solle aber sicherstellen, «dass sich diese Art von Unglück nicht wiederholt».

Die Federführung bei der Überprüfung der Notfall-Richtlinien übernimmt der ehemalige Navy-Kapitän James Hunn, der nach einer 32-jährigen Karriere in der US-Kriegsmarine bei der weltgrössten Kreuzfahrt-Reederei angeheuert hatte.

Auch aussenstehende Experten sollen einen Blick auf die Sicherheitsvorkehrungen werfen. Zu Carnival gehören mehr als 100 Schiffe, die unter eigenem und dem Namen diverser Tochtergesellschaften fahren, darunter der italienischen «Costa Cruises».

Möglichen Drogenkonsum des Kapitäns

Die Reederei Costa Crociere suspendierte den beschuldigten Kapitän, Francesco Schettino, mit sofortiger Wirkung vom Dienst. Das Genueser Unternehmen werde ihn auch nicht verteidigen, sagte Costa-Anwalt nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa. Costa Crociere sehe sich selbst als geschädigt an.

Schettino wird mehrfache fahrlässige Körperverletzung, Havarie und Verlassen des Schiffes während der Evakuierung vorgeworfen. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft.

Spekulationen sind angeheizt

In italienischen Medien sorgten Spekulationen über eine angeblich geheimnisvolle Frau auf der Kommandobrücke der «Costa Concordia» für Verwirrung. Lesen Sie hier mehr.

In etwa zehn Tagen sollen toxikologische Untersuchungen abgeschlossen sein, die Aufschluss über einen möglichen Drogenkonsum des Kapitäns geben. Dies wurde laut Ansa aus Justizkreisen in Grosseto bekannt. Ausgeschlossen scheine es, dass Schettino während der Havarie betrunken war, hiess es.

 2300 Tonnen Treibstoff

Das Abpumpen von Öl aus den Tanks des Schiffs wird voraussichtlich mehrere Wochen dauern. Die Arbeiten sollen am Samstag beginnen, vielleicht auch schon früher, wie das italienische Umweltministerium mitteilte. Man warte darauf, dass die Rettungsarbeiten auf dem Schiff beendet seien. 

Nach Angaben der Reederei sollen etwa 2300 Tonnen Treibstoff an Bord sein, offensichtlich überwiegend Schweröl. «Schweröl ist wie dicker, zähflüssiger Honig. Um es abzupumpen, muss es erst auf 45 bis 50 Grad erwärmt werden», sagte eine Sprecherin des Havariekommandos Cuxhaven. Die Tanks der «Costa Concordia» fassen 2400 Tonnen.

Umweltschützer warnen vor Umweltschäden. Der Naturschutzbund Deutschland forderte ein Schwerölverbot für Kreuzfahrtschiffe auch im Mittelmeer, so wie es in Nord- und Ostsee der Fall sei.
 

(sda/weis)

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