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Diagnose «behindert»: Die meisten Frauen treiben ab

Nadine Gerber
Freitag, 20. Januar 2012, 12:04 Uhr

Die pränatale Diagnostik ist weit entwickelt. So weit, dass viele Behinderungen eines Kindes – darunter etwa das Down-Syndrom – bereits in der Gebärmutter erkannt werden können. Eine Folge davon: Über 80 Prozent der Frauen in der Schweiz, bei denen in der Schwangerschaft ein behindertes Kind diagnostiziert wird, treiben ab.

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Bild Schwangerschaftsbauch einer Frau, sie hält ein Ultraschallbild davor.
86 Prozent aller Frauen, die ein behindertes Kind erwarten, treiben dieses ab. colourbox/symbolbild

Das Risiko, ein Kind mit Behinderung zur Welt zu bringen, steigt mit dem Alter der Mutter. Am häufigsten tritt das Down-Syndrom auf.

Bei einer 25-jährigen Mutter liegt die Wahrscheinlichkeit, ein Kind mit Down-Syndrom zur Welt zu bringen, bei 0,1 Prozent. Bei einer 35-jährigen Schwangeren steigt das Risiko auf 0,3 Prozent, bei einer 40-Jährigen auf 1 Prozent.

Über 80 Prozent treiben ab

Eine Statistik des Instituts für medizinische Genetik an der Universität Zürich aus dem Jahr 2011 fasst alle Behinderungen zusammen – 86 Prozent aller Eltern, bei denen bei einer pränatalen Untersuchung eine Behinderung festgestellt wurde, haben sich im letzten Jahr dazu entschlossen, ihr Kind nicht zu bekommen.

Das sind hier insgesamt 57 Fälle, wie Instituts-Leiterin Anita Rauch zu «SF Online» sagt. Andere Frauenkliniken sprechen von einer vergleichbaren Prozentzahl, haben die genauen Zahlen aber nicht erfasst.

Alter der Mutter

Wahrscheinlichkeit eines Down-Syndroms

25 Jahre

< 0,1 Prozent

35 Jahre

0,3 Prozent

40 Jahre

1,0 Prozent

48 Jahre

9,0 Prozent

Inbegriffen sind hier auch Behinderungen, die einem Kind das Leben gar verunmöglicht hätten. Aber auch viele Fälle von Kindern mit Down-Syndrom sind in der Statistik enthalten. «Häufig wollen die Eltern sich und ihrem Kind ein Leben mit Behinderung nicht zumuten», sagt Anita Rauch.

Diese Einstellung hat sich in der letzten Zeit etwas relativiert. Laut Christian Kind, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie (Kinderärzte), gibt es eher wieder mehr Eltern, die sich bewusst für ein behindertes Kind entscheiden. Sie seien sich im Klaren, was ein Leben mit behindertem Kind mit sich bringe.

«Wer sich untersuchen lässt, hat sich schon entschieden»

«Die pränatale Diagnose eines Down-Syndroms ist sehr zuverlässig», sagt Christian Kind. Zwar sei eine erste Untersuchung zum Schwangerschaftsbeginn sehr unpräzis. Hier könne lediglich ein erhöhtes Risiko festgestellt werden. Doch eine Fruchtwasserpunktion zu einem späteren Zeitpunkt ergebe eine sehr eindeutige Diagnose.

Vorausgesetzt, die werdenden Eltern wollen überhaupt eine Diagnose. «Wer eine Pränataldiagnostik macht, muss bereit sein zu einer Abtreibung», sagt Mark Zumbühl von der Behindertenorganisation «Pro Infirmis». «Sonst würde er die Untersuchung gar nicht machen.» Zudem sei nur ein kleiner Teil der Behinderungen vor der Geburt feststellbar.

Gleiches sagt auch Bruno Schmucki, Mediensprecher von «Procap Schweiz»: «Wer eine Diagnostik macht, hat im Grunde schon entschieden.» Doch viele werdende Eltern würden die Gesundheit ihres Babys einfach auf sich zukommen lassen. So bleibe auch die Zahl der Kinder, die mit Down-Syndrom geboren werden, relativ konstant.

Angst vor einem Obligatorium

Ein Grund dafür: Die schwangeren Frauen werden immer älter, was das Risiko einer Behinderung erhöht. Diese Frauen lassen sich vermehrt testen – und das führt wiederum zu den Abtreibungen. Und was laut Bruno Schmucki auch nicht vergessen werden dürfe: Die Gruppe derjenigen, die durch Krankheit oder Unfall zu Behinderten werden, sei um ein Vielfaches grösser als die Gruppe der Geburtsbehinderten.

Angst haben beide Behindertenorganisationen vor einer möglichen Einführung der obligatorischen Pränataldiagnostik. «Gerade Versicherungen könnten sich davon Einsparungen versprechen», erklärt Mark Zumbühl. Das wäre seiner Meinung nach falsch: «Die Eltern sollen sich nicht unter Druck setzen lassen. Es soll ihre freie Entscheidung sein, ob sie ein behindertes Kind zur Welt bringen oder nicht.»

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J. Burkhardt
(fb_100003116380423 Frau)
Verfasst am: 22.1.2012 18:41

Lebensfreude

Die Pränataldiagnostik schliesst eine Krankheit... mehr

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R. Graf, Züri West
(kingskid Mann)
Verfasst am: 21.1.2012 13:52

Du sollst nicht töten

Der Mensch nimmt sich in seinem Grössenwahn die... [1]  mehr

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J. Knecht, Bangkok
(knechtjosef Mann)
Verfasst am: 21.1.2012 8:39

Ich habe volles Verständnis

Ich habe lange mit behinderten Menschen... [1]  mehr

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