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«Mit Besorgnis zur Kenntnis genommen» – Skepsis gegenüber Nagra-Vorschlägen

Freitag, 20. Januar 2012, 13:17 Uhr, Aktualisiert 14:26 Uhr

Die Nagra hat 20 Orte vorgeschlagen, die aus ihrer Sicht als Standorte für Oberflächenanlagen zur Verpackung von Atommüll geeignet sind. In nahezu allen betroffenen Gemeinden und Regionen stossen die Vorschläge jedoch auf Ablehnung.

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In der Schweiz gibt es noch keine endgültige Lösung für die Lagerung von Atommüll. (Tagesschau, 20.01.2012)

Der Aargauer Regierungsrat hat die Standortvorschläge der Nagra für mögliche Oberflächenanlagen eines Atomendlagers ungewohnt scharf kritisiert. Das Vorgehen sei «unverständlich». Die Kantone seien nicht mit einbezogen worden. Die Vorschläge der Standorte seien «nicht nachvollziehbar», wird Regierungsrat Peter C. Beyeler (FDP) in einer Medienmitteilung der Staatskanzlei zitiert. «Wir sind sehr überrascht über die Standortvorschläge.»

Die kantonalen Entwicklungsgebiete seien nicht berücksichtigt worden. Der Regierungsrat erneuerte seine bisherige Haltung. Der Aargau wolle «grundsätzlich» kein geologisches Tiefenlager. Der Kanton trage bereits heute grosse Lasten für die gesamte Schweiz im Verkehrs- und Energiebereich, hält der Regierungsrat fest.

Zwischen Ablehnung und Abwarten

Die Nationale Genossenschaft zur Lager radioaktiver Abfälle (Nagra) schlug insgesamt zehn Aargauer Gemeinden und eine Solothurner Gemeinde als mögliche Standorte für Oberflächenanlagen der Atomendlager vor. In der Region Jura Ost sind dies Hornussen, Bözen, Effingen, Villigen, Böttstein sowie Würenlingen. In der Region Nördlich Lägern stehen Mellikon und Rekingen als mögliche Standorte zur Diskussion. In der Region Jura-Südfuss sind die Aargauer Gemeinden Kölliken und Suhr sowie Däniken im solothurnischen Niederamt auf den nagra-Plänen eingezeichnet.

Der Gemeinderat von Rekingen lehnt eine Oberflächenanlage ab. Man werde in enger Zusammenarbeit mit der Regionalkonferenz sowie der Regionalplanungsgruppe die nötigen Schritte einleiten und sich gegen eine Oberflächenanlage zur Wehr setzen, hält der Gemeinderat in einer Stellungnahme mit. Die Gemeinde sei von den Plänen der Nagra «sehr überrascht». Rekingen sei als Naherholungsgebiet mit dem traditionellen Gesundheits- und Rehabilitationszentrum in Bad Zurzach verknüpft.

Die mögliche Standortgemeinde Bözen will sich vorerst nicht festlegen. Man werde die Themen «offen und neutral» angehen, sagte Frau Gemeindeammann Annemarie Baumann. Die Gemeinde werde sich intensiv mit den Plänen der Nagra auseinandersetzen. Die Stimmungslage in der Bevölkerung sei jedoch schwer einzuschätzen. Das habe wohl auch damit zu tun, dass die Pläne für ein Endlager bisher «noch zu weit weg» gewesen seien.

Atommüll-Transporte durch Schaffhausen
 
Die Schaffhauser Kantonsregierung nimmt die Standortvorschläge «mit Besorgnis zur Kenntnis». Der Standort Südranden würde zu einer
unzumutbaren Belastung der Region führen: Sämtliche Atommüll-Transporte zu den vorgeschlagenen Oberflächengebäuden müssten durch
die Städte Schaffhausen und Neuhausen rollen.
 
Im Kanton Zürich will die Regierung bis April eine eigene Einschätzung der Standortvorschläge erarbeiten. Bis dahin sei es vor allem Sache der Gemeinden und Regionalverbände, Stellung zu nehmen, sagte der Sprecher der Baudirektion, Dominik Bonderer. Der Kanton habe die Nagra-Vorschläge vor etwa zehn Tagen erhalten, und werde jetzt «erst einmal eine Auslegeordnung» machen.
 
Mehr deutsche Gemeinden einbeziehen
 
Die möglichen Tiefenlagerstandorte «Nördlich Lägern», «Südranden» und «Zürich Nordost» betreffen die Kantone Zürich und Schaffhausen.
Als Standorte für Oberflächenanlagen hat die Nagra die Schaffhauser Gemeinden Beringen und Wilchingen-Hallau benannt.
 
Im Kanton Zürich stehen Mellikon/Rekingen, Weiach, Glattfelden und Bülach, Rheinau und Marthalen sowie die Thurgauer Nachbargemeinde Schlatt auf der Liste möglicher Tiefenlager-Gebäude. Die Regionalkonferenz Nördlich Lägern teilte dazu mit, viele ihrer Mitglieder ständen einem Tiefenlager skeptisch gegenüber.
 
Die Konferenz habe deshalb drei Arbeitsgruppen gebildet, um die Folgen des Tiefenlager- und des Anlagenbaus möglichst genau abklären
zu können. Sie wolle sich möglichst aktiv an der Umsetzung der Nagra-Vorschläge beteiligen.
 
In der deutschen Nachbarschaft will der Waldshuter Landrat Tilman Bollacher die Grenznähe der Standorte kritisch hinterfragen: Vor allem die Standorte in Rheinau-Marthalen, Melligen-Rekingen und Weiach seien nur 500 bis 1000 Meter von der Grenze entfernt. Es sei deshalb unbedingt nötig, mehr deutschen Gemeinden Mitsprache im schweizerischen Planungsverfahren einzuräumen.

(sda/maiu)

Kommentare aktiv...

P. D., Esslingen am Neckar
(Peterle Mann)
Verfasst am: 20.1.2012 16:18

"stossen die Vorschläge jedoch auf Ablehnung"

So nach dem Sankt-Florian-Prinzip, potentielle... mehr

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M. Steiner, Winterthur
(Mikey Mann)
Verfasst am: 20.1.2012 16:13

Typisch Schweiz

Das Vorgehen ist SEHR WOHL VERSTÄNDLICH.... mehr

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D. Frei, Schattdorf
(fb_100002296293632 Mann)
Verfasst am: 20.1.2012 15:36

Wer gegen AKW s ist

sollte einmal gute Lösungen für ein Endlanger... mehr

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