Wirtschaft
Gefährlicher Patentstreit: Novartis in der Kritik
Das oberste Gericht Indiens entscheidet bald über den Patentschutz für ein Krebsmedikament von Novartis. Ein Sieg für den Pharmamulti würde Millionen von Patienten auf der Welt den Zugang zu erschwinglichen Medikamenten verunmöglichen, befürchtet die Hilfsorganisation «Ärzte ohne Grenzen». Auf dem «Rundschau»-Stuhl widerspricht der Forschungsleiter für Entwicklungsländer der Novartis seinen Kritikern.
Seit Jahren kämpft Novartis mit allen rechtlichen Mitteln für die Patentierung seines Leukämie-Medikaments Glivec in Indien. Private Organisationen wie die Krebshilfe CPAA in Mumbai wehren sich erbittert: «Glivec kostet heute umgerechnet 2500 Franken im Monat, die Nachahmer-Version aus Indien kostet nur einen Zehntel davon», sagt die Direktorin der CPAA, Shubha Mandgal, in der «Rundschau». «Wenn wir diesen Prozess verlieren, werden Tausende von Patienten nicht mehr die Behandlung bekommen, die sie brauchen – und sie werden sterben.»
CPAA und andere Hilfsorganisationen geben gratis Generika-Versionen von Glivec an mittellose Patienten ab. Sie fürchten, dies könnte bald vorbei sein. Paul Herrling, bei Novartis langjähriger Forschungsleiter für Entwicklungsländer, widerspricht auf dem «Rundschau»-Stuhl: «Novartis gibt in Indien an 15‘000 Patienten, die sich Glivec nicht leisten können, das Medikament gratis ab».
«Pharma-Konzerne verändern die alten Wirkstoffe»
Im Zentrum des Patent-Streits steht der Wirkstoff Imatinib, den Novartis1993 entwickelte. Aus Imatinib wurde der globale Blockbuster Glivec. Diesen liess Novartis in vierzig Ländern patentieren. Indien hat jedoch erst 2005 den Patentschutz für Pharmaprodukte eingeführt. Imatinib sei zu alt, um patentiert zu werden und die spätere Entwicklung zu Glivec sei keine wirkliche Innovation, urteilten die Gerichte. Sie stützen sich dabei auf den Artikel «3d» im Patentgesetz.
Für Leena Menghaney, Koordinatorin der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Delhi, nimmt «3d» eine zentrale Rolle ein, um armen Menschen den Zugang zu erstklassigen Medikamenten zu sichern. «Anstatt neue Wirkstoffe zu erforschen, verändern die Pharmakonzerne einfach die alten und maximieren so ihre Profite», kritisiert Menghaney. Novartis klagte gegen den Artikel «3d» und provozierte damit in Indien wiederholt wütende Proteste.
Paul Herrling von Novartis sieht darin keinen Angriff auf die indische Regierung: «Es ist ganz normal, dass man auf diesem Weg das Patentrecht testet», sagt Herrling in der «Rundschau». «Aber wir wollen nicht, dass Leute unsere Substanz kopieren, ohne irgendwelche Forschung gemacht haben. Und dann das Produkt billig abgeben und damit unser Geschäft ruinieren.»
Indien als Apotheke der Armen gefährdet?
Die indische Generika-Industrie ist zu einer unangenehmen Konkurrenz für die internationalen Pharmakonzerne geworden. Sie ist heute der wichtigste Exporteur in Schwellenländer. Viele befürchten deshalb, dass bei einem Sieg von Novartis der Nachschub an günstigen Generika-Medikamenten weltweit auch für andere Krankheiten versiegen könnte.
«Wir behandeln 170‘000 HIV-Patienten weltweit. 80% von ihnen mit Generika aus Indien», sagt Leena Menghaney von Ärzte ohne Grenzen. «Aber auch was andere Krankheiten wie Tuberkulose oder Impfungen betrifft, ist Ärzte ohne Grenzen zunehmend von indischen Generika abhängig.»
Der Entscheid des obersten Gerichts wird Ende Februar 2012 erwartet.

Mehr zum Thema heute in der «Rundschau» um 20.50 Uhr auf SF 1
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W. Starnberger, Therwil
)
(waltstarn
Verfasst am: 19.1.2012 10:53
C. Vuillaume, Wallisellen
In den letzten 100 Jahren hat sich die... [1] mehr
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H. Bernoulli, Zürich
)
(hbernoulli
Verfasst am: 19.1.2012 4:09
Pharmaunternehmen investieren ein Mehrfaches
in der Forschung von Potenzmittel als in der von... mehr
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H. anni, zürich
)
(shadow_queen
Verfasst am: 18.1.2012 22:48
@C. Vuillaume, Wallisellen
Patente braucht es, oder kennen sie Forscher... [1] mehr
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