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International

Aufstand in der arabischen Welt – eine Übersicht

Samstag, 14. Januar 2012, 12:33 Uhr

Nun jährt sich der Beginn des Arabischen Frühlings. Er nahm seinen Anfang mit der Flucht des tunesischen Machthabers nach wochenlangen Protesten. Die Revolutionswelle schwappte auf weitere arabische Länder über und führte zum Sturz autoritärer Machthaber, aber auch zu endlosen blutigen Kämpfen.

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TUNESIEN: Am 17. Dezember 2010 zündet sich ein junger Strassenhändler in Sidi Bouzid an und stirbt wenig später. Es ist der Auftakt zu landesweiten Protesten gegen die Regierung in einem Land, das von Armut und Perspektivlosigkeit geprägt ist. Rund 300 Menschen sterben. Am 14. Januar flieht Staatschef Ben Ali nach 23 Jahren im Amt nach Saudi-Arabien. Im Oktober finden Parlamentswahlen statt, aus denen die Islamisten als Sieger hervorgehen. Am 12. Dezember wählt die Verfassunggebende Versammlung Moncef Marzouki zum neuen Präsidenten des Vorzeigelandes des Arabischen Frühlings.

ÄGYPTEN: In Ägypten beginnen am 25. Januar 2011 Massenproteste gegen den seit 1981 regierenden Staatschef Hosni Mubarak, die sich vor allem auf dem Tahrir-Platz in Kairo abspielen. Im Zuge der Proteste sterben fast 850 Zivilisten. Am 11. Februar tritt Mubarak von allen Ämtern zurück und übergibt die Macht ans Militär. Seit August steht er in Kairo vor Gericht. In dem Land finden derzeit in mehreren Etappen Parlamentswahlen statt.

LIBYEN: Im Osten des nordafrikanischen Landes beginnen Mitte Februar Proteste gegen Machthaber Muammar al-Gaddafi. Die Demonstrationen werden brutal niedergeschlagen und die Auseinandersetzungen geraten zum blutigen Bürgerkrieg. Unter einem UNO-Mandat beginnt am 19. März ein Militäreinsatz, über den wenig später die Nato das Kommando übernimmt. Die Rebellen erobern Tripolis im August, am 20. Oktober wird der gestürzte Gaddafi in seiner Geburtsstadt Sirte getötet. Ende November wird eine Übergangsregierung gebildet, die Wahlen organisieren soll. In dem Bürgerkrieg sterben nach Angaben des oppositionellen Übergangsrates mehr als 30‘000 Menschen.

JEMEN: Im ärmsten der arabischen Länder beginnt der Protest gegen den seit 1978 regierenden Staatschef Ali Abdullah Saleh Ende Januar. Hunderte Menschen sterben bei den Protesten. Im November unterzeichnet Saleh ein von den Golfmonarchien ausgehandeltes Abkommen zur Machtübergabe. Am 10. Dezember wird eine Übergangsregierung vereidigt. Am 21. Februar sollen in dem Land Präsidentschaftswahlen stattfinden.

SYRIEN: Der Aufstand gegen Syriens Staatschef Baschar al-Assad beginnt Mitte März und wird fortan blutig niedergeschlagen. Laut UNO sterben in den folgenden Monaten mehr als 5000 Menschen. Im Sommer gründen Deserteure die Freie Armee Syriens, im Oktober wird im Ausland der oppositionelle Syrische Nationalrat gebildet. Trotz harscher Sanktionen seitens des Westens und der arabischen Länder hält das Blutvergiessen an. Auch eine Beobachtermission der Arabischen Liga kann die Gewalt nicht stoppen und bittet zuletzt um Unterstützung der UNO. 

BAHRAIN: In dem Land beginnen im Frühjahr Proteste, die von der mehrheitlich schiitischen Bevölkerung ausgehen. Die Demonstranten begehren gegen die sunnitische Dynastie von König Hamad Ben Issa al-Chalifa auf und fordern die Einrichtung einer konstitutionellen Monarchie. Im März erhält das Militär Unterstützung von tausend vorwiegend saudiarabischen Soldaten. Eine unabhängige Kommission kritisiert im November die «unverhältnismässige Anwendung von Gewalt» durch Sicherheitskräfte.

JORDANIEN: In Jordanien fordern Demonstranten im Januar politische und wirtschaftliche Reformen sowie ein Ende der Korruption. Sie stellen aber nicht die jordanische Monarchie in Frage. Im Zuge von Reformen wird in Folge zwei Mal der Regierungschef ausgewechselt.

MAROKKO: In Marokko beginnen am 20. Februar Demonstrationen für politische Reformen, mehr Demokratie und soziale Gerechtigkeit. Nach einer Verfassungsänderung im Sommer finden am 25. November vorgezogene Neuwahlen statt, welche die gemässigten Islamisten für sich entscheiden.

(sda/afp/engf)

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