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International

US-Vorwahlen: Wer soll Romney schlagen?

Andreas Freudig
Dienstag, 10. Januar 2012, 7:35 Uhr

Wer wird Obamas Herausforderer für die Wahlen im November? Das Rennen um die republikanische Kandidatur geht heute mit den Vorwahlen im Bundesstaat New Hampshire in die nächste Runde. Mitt Romney gilt als klarer Favorit. Und so gilt bei den anderen Bewerbern das Motto «Anyone but Mitt» – irgendwer, nur nicht Mitt.

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US-Vorwahlen: Wer soll Romney schlagen?

Die Ausgangslage vor den sogenannten Primaries in New Hampshire spricht klar für Mitt Romney. Umfragen sehen den Mormonen, Multimillionär und Ex-Gouverneur von Massachusetts rund 20 Prozent vor seinem nächsten Verfolger Ron Paul. Dass Romney nach Iowa auch New Hampshire gewinnen wird, zweifelt kaum ein Beobachter an.

Romneys Gegner unter Druck

Dabei wäre ein Sieg Romneys in New Hampshire historisch. Kein republikanischer Bewerber hatte es bisher geschafft nach einem Sieg im ersten Vorwahl-Staat Iowa gleich auch die zweite Vorwahl für sich zu entscheiden. Auch wenn ein solcher Sieg das Rennen um die republikanische Kandidatur noch nicht entscheiden würde – so wäre es für Romney ein wichtiger Schritt und würde seine Gegner zusätzlich unter Druck setzen.

Wer liegt vorne?

Republikanische Delegiertenstimmen nach verbliebenen Präsidentschaftsbewerbern – (benötigte Stimmenzahl 1144; Quelle New York Times, Stand 6.6.2012).

Bewerber Stimmen total
Mitt Romney 1398
---------------------- ----
Rick Santorum 267
Newt Gingrich 138
Ron Paul 137

Dass Romneys Gegner bereits jetzt unter Druck sind, zeigte auch die letzte TV-Debatte in New Hampshire am Sonntag. Die Angriffe wurden wieder schärfer: Der Multimillionär solle erst mal auf Augenhöhe mit dem Volk kommen. Seine Pläne für die Wirtschaft seien so zaghaft, dass sie von Obama selbst stammen könnten. Und weil er sich 2006 als Gouverneur nicht mehr zu Wiederwahl stellte, wurde er als Drückeberger bezeichnet.

Können sich Konservative einigen?

Eine Schwäche der Gegner des moderaten Romney ist deren Uneinigkeit. Als ärgste Widersacher in der Endausmarchung gelten der alte republikanische Haudegen Newt Gingrich, der Aufsteiger Rick Santorum und der angeschlagene Rick Perry. Sie alle sind konservativ und somit auch für Tea-Party-Anhänger tendenziell wählbar. Auch Ron Paul – in New Hampshire bei allen Umfragen an zweiter Stelle – ist als Vordenker der Bewegung diesem Lager zuzurechnen.

Würde diese erzkonservative Anhängerschaft geeint für einen Kandidaten stimmen, wäre Romney stärker in Bedrängnis. So gab und gibt es auch Bestrebungen im evangelikalen Lager, sich auf einen Kandidaten zu einigen. Es gilt das Prinzip: «Anyone but Mitt». Irgendwer, nur nicht Mitt. Allerdings machen die Kandidaten selber nicht mit – alle sind von sich selber zu fest überzeugt, und glauben als einziger Barack Obama wirklich herausfordern zu können.

Ein wenig zumindest dürften die Tea-Party-Stimmen trotzdem gebündelt werden. Michele Bachmann, die einzige Frau im Rennen, gab nach einem enttäuschenden sechsten Rang mit 5 Prozent Wähleranteil in Iowa ihre Bewerbung auf. Die schillernde Figur im Vorwahlkampf sagte, sie wolle zur Seite treten und zu gegebener Zeit den republikanischen Kandidaten gegen Obama unterstützen.

Moderat und Mandarin-sprechend

Ein anderer Herausforderer Romneys tanzt im Bewerberfeld etwas aus der Reihe. Jon Huntsman hatte bisher kaum Beachtung erfahren, in den New-Hampshire-Umfragen liegt er aber an dritter Stelle. Er hatte Iowa von Beginn an links liegen gelassen und konzentrierte seine Kampagne auf die zweite Vorwahl.

Das Spezielle an Huntsman ist, dass er moderate Töne anstimmt. Er findet Obamas Wirtschaftspolitik gar nicht so schlecht, ist für gleichgeschlechtliche Partnerschaften, und er spricht als ehemaliger Botschafter in China – wohlgemerkt unter Obama – fliessend Mandarin. Während die anderen Bewerber ihm daraus einen Strick drehen wollen, verteidigt Huntsman seine Position, er wolle das Land nicht noch weiter polarisieren.

Doch das Land ist polarisiert und Huntsmans Chancen bleiben gering. New Hampshire wird wohl zeigen, ob er seine Kampagne fortführen kann.

Ist Obama der «Anyone but Mitt»?

Ein wesentlicher Faktor für Mitt Romneys Stärke ist somit die Schwäche seiner Kandidaten. Kommt hinzu, dass New Hampshire der Nachbarstaat von Massachusetts ist, wo Romney als Gouverneur die Wirtschaft ankurbeln konnte. Zudem gelten in New Hampshire sozialkonservative Werte etwas weniger als in Iowa.

Von Caucus, Primary und Convention

Die Vorwahlen für die US-Präsidentenwahl laufen nach einem komplizierten basisdemokratischen Schema ab. Dabei wird unterschieden zwischen Caucus und Primary. Ein Zeitplan des US-Wahlkampfs findet sich hier.

Und auch die Umfragen für den übernächsten Vorwahl-Staat, South Carolina (21. Januar), sehen Romney vorn. Wenn er auch dort gewinnen würde, dürfte es unwahrscheinlich sein, ihn noch vom Thron zu stürzen. Romneys Wahlkampf-Budget ist gross, und die US-Wähler trauen dem Wirtschaftsmann laut Umfragen am ehesten zu, Obama schlagen zu können.

Gelaufen ist das Rennen zwar noch nicht – sicher nicht das Präsidentschaftsrennen. Vorausgesetzt, Romney schafft es, sich als republikanischer Kandidat durchzusetzen, ist offen, ober er Obama schlagen kann. Wichtige Stimmen evangelikaler Wähler könnten ihm dann doch noch fehlen. Und so könnte am Ende «Anyone but Mitt» durchaus eines bedeuten: Barack Obama.