Schweiz
Hildebrand: Rücktritt für Glaubwürdigkeit der SNB
Philipp Hildebrand tritt mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurück. Der scheidende SNB-Präsident hat beteuert, er habe sämtliche Umstände zur umstrittenen Finanztransaktion seiner Frau offengelegt. Restlos beweisen lasse sich das Vorgehen nicht, darum trete er zurück.
- 10.01.12: Der Rücktritt
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SNB-Präsident Philipp Hildebrand begründete seinen Rücktritt damit, dass es ihm «nicht möglich ist, einen abschliessenden Beweis zu liefern», dass nicht er, sondern seine Frau die kritische Finanztransaktion getätigt habe.
Das einzige, was er sagen könne, sei: Er stehe mit seinem Ehrenwort zu den bisherigen und jetzigen Aussagen.
Auch Blocher nimmt Stellung
SVP-Präsident Christoph Blocher hat angekündigt, um 17.15 Uhr vor die Medien treten zu wollen.
«Ich habe nie in dieser Geschichte gelogen», sagte Hildebrand. «Wenn ich aber als Präsident des SNB-Direktoriums hier vor Ihnen stehe und denken muss, dass einige von Ihnen das Gefühl haben, dass ich vielleicht doch lüge, hab ich nicht als Mensch ein Problem, aber potenziell als Präsident des SNB-Direktoriums.»
Weiter sagte Hildebrand, rechtliche Schritte schliesse er nicht aus. Gegen wen, liess er offen.
Kaysha Hildebrand entschuldigt sich
In einer öffentichen Erklärung hat sich Kaysha Hildebrand für ihren «Fehler in der Beurteilung der Devisentransaktion» entschuldigt. Sie bedauere zutiefst, dass seine Integrität durch ihr Vorgehen in Frage gestellt werden konnte.
Totale Transparenz
Wie er vergangene Woche versprochen habe, wolle per sofort den gesamten Email-Verkehr der vergangenen Wochen transparent zu machen. Falls das Parlament dies wünsche, werde er auch Einblick in die Transaktionen seiner Bank-Konti bis 2003 offenlegen.
Leider seien rund um diese Transaktionen Fehler gemacht worden, so Hildebrand. «Ich habe diese am Donnerstag genannt und entschuldige mich dafür. Ich bedaure dies sowie die gesamte Angelegenheit zutiefst.»
Glaubwürdigkeit der SNB sichern
Wenigstens würden diese Fehler es ermöglichen zu erkennen, wo es in den internen Regulierungen und in den Transparenzsowie Verhaltensanforderungen der Nationalbank Schwächen gebe. Diese gelte es nun resolut zu beseitigen, so Hildebrand weiter.
Mit dem Rücktritt wolle er dafür sorgen, dass die Nationalbank ihre Glaubwürdigkeit als höchstes Gut aufrecht erhalten könne, sagte Hildebrand weiter. Er wäre sonst unter Umständen nicht mehr in der Lage gewesen, in nächster Zeit schwierige Entscheide zu treffen und diese umzusetzen.
Politische Hintergründe müssen Journalisten klären
Über mögliche politische Hintergründe der ganzen Affäre wollte sich Hildebrand nicht äussern. Hier seien nur Spekulationen möglich und dazu wolle er nichts sagen. «Es ist Sache der Journalisten, dies herauszufinden.»
Philipp Hildebrand tritt auch von seinen internationalen Mandaten zurück, etwa von seinem Amt als Vize-Vorsitzenden im Financial Stability Board. Diese Mandate seien mit dem Amt als SNB-Chef verknüpft gewesen, sagte der zurückgetretene SNB-Chef.
Der abtretende SNB-Präsident war wegen umstrittener Devisengeschäfte unter Beschuss geraten. Seine Frau Kashya hatte im vergangenen August 500'000 Dollar gekauft.
67'000 Franken Gewinn
Der Schweizer Franken stand damals im Vergleich zum Dollar auf einem hohen Stand. Im September setzte die Nationalbank einen Mindest-Wechselkurs des Franken zum Euro fest. Euro und auch Dollar stiegen im Vergleich zum Franken.
Im Oktober hatte Kashya Hildebrand, früher von Beruf Finanzmanagerin, fast die gleiche Summe zurück in Schweizer Franken getauscht. Ihr Gewinn: knapp 67'000 Franken.
Im Dezember wurde das Geschäft bekannt. Am vergangenen Donnerstag beteuerte Hildebrand in einer Pressekonferenz, seine Frau habe eigenständig spekuliert, er habe erst nach dem Kauf von dem Geschäft erfahren.
(sf/fref)
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