Inhalt

International

IWF will offenbar griechischen Sanierungsplan ändern

Sonntag, 8. Januar 2012, 15:57 Uhr

Der Internationale Währungsfonds (IWF) glaubt laut einem Medienbericht nicht mehr, dass Griechenland mit der bisherigen Strategie auf die Beine kommen kann. Der IWF wolle deswegen die Eckpunkte des Sanierungsprogrammes ändern, wird berichtet.

Bild Mehrere Fahnen vor der Akropolis. Darüber Wolken.
Wieder dunkle Wolken über Athen: Der IWF glaubt offenbar nicht an die Reformfähigkeit Griechenlands. keystone

Demnach müssten die Griechen entweder mehr sparen, die privaten Gläubiger auf mehr Forderungen verzichten oder die staatlichen Kreditgeber mehr Geld bereitstellen. Dies berichtet das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» unter Berufung auf einen internen IWF-Vermerk.

Athen will weitere Hilfen

Die Gläubigergruppe aus IWF, Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission reist Ende der neuen Woche wieder nach Athen, um über die Reformen in Griechenland zu verhandeln.

Merkel und Sarkozy beraten über Schuldenkrise

Deutschland und Frankreich beraten am kommenden Montag in Berlin über das weitere Vorgehen in der Euro-Schuldenkrise. Sie wollen sich dabei in Berlin für den nächsten EU-Sondergipfel Ende Januar abstimmen.

Dabei geht es um die Umsetzung des von beiden Ländern angestossenen «Fiskalpaktes», der die Euro-Länder sowie weitere EU-Staaten zu mehr Haushaltsdisziplin verpflichten soll.

Thema dürften auch die ausstehenden Milliarden-Hilfen für Griechenland sein sowie die Finanzierung des künftigen Rettungsschirms ESM, der schon Mitte 2012 starten soll.

Die Regierung von Ministerpräsident Lucas Papademos hofft auf ein neues Rettungspaket mit einem Volumen von 130 Mrd. Euro. Ein wichtiger Bestandteil des Planes ist, dass private Gläubiger wie Banken, Versicherungen oder Fonds auf 50 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Die Einzelheiten sind noch nicht geklärt.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte im Dezember von stockenden Verhandlungen berichtet, weil die griechische Regierung einen noch höheren Verzicht anstrebe. Die Gespräche sollen im Januar abgeschlossen werden.

Enormer Schuldenberg

Mit dem Forderungsverzicht soll die Schuldenquote Griechenlands auf 120 Prozent im Vergleich zur Wirtschaftskraft gesenkt werden. Ohne diesen Schritt würde die Schuldenlast nach einer EU-Prognose in diesem Jahr auf fast 200 Prozent steigen.

Weil die Wirtschaft stärker schrumpft als befürchtet, gibt es immer mehr Zweifel, ob die bisherigen Pläne ausreichen. So sprach Ackermann im Dezember von einem «Tropfen auf den heissen Stein» und forderte, dass sich auch öffentliche Gläubiger – also Staaten wie Deutschland – beteiligen müssten.

Die EU-Kommission bremste zuletzt am Freitag die Erwartungen auf ein grösseres Engagement der öffentlichen Geldgeber. Ein Sprecher sagte, bei den Verhandlungen werde es nicht über eine grössere Summe als die vereinbarten 130 Mrd. Euro gehen.

Die nächste Tranche aus dem ersten Hilfspaket über insgesamt 110 Mrd. Euro soll Griechenland im März erhalten. Die Hilfen sind an Reformauflagen gebunden, die Papademos gegen den erbitterten Widerstand von Gewerkschaften durchsetzen muss. Vorgesehen sind etwa eine Steuer- und Justizreform sowie Rentenkürzungen.

Zweifel an Rettungsplan

Experten zweifeln unterdessen daran, dass sich Griechenland mit dem geplanten Forderungsverzicht der Privatgläubiger erholen kann. So sagte der Ökonom Clemens Fuest der Tageszeitung «To Vima», der geplante Schuldenschnitt reiche nicht aus. «Nach meiner Einschätzung ist Griechenland bereits zahlungsunfähig», sagte der Professor, der auch das deutsche Finanzministerium berät.

«Der Spiegel» zitierte eine Studie des deutschen Ökonomen Henning Klodt, nach der die Annahmen der Gläubigertroika aus IWF, EZB und EU-Kommission unrealistisch gewesen seien.

Selbst bei deutlich niedrigeren Zinsen und euphorischen Annahmen über die griechische Konjunktur müsste der Haushaltsüberschuss mehr als zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes entsprechen. Einen derartigen Wert habe in den vergangenen Jahrzehnten kein Industrieland je erreicht, zitierte das Magazin den Wissenschaftler.

(sda/hesa)

Kommentare aktiv...

R. Meier, Zürich
(Rene_Meier Mann)
Verfasst am: 8.1.2012 22:59

Den Druck weiter erhöhen, so dass es schmerzt.

Alle Griechen auf Diät setzen.

Zustimmen — 11 Leser sind auch dieser Meinung.
Ablehnen — 19 Leser sind anderer Meinung.

Heiklen Inhalt melden antworten

N. ame der Redaktion bekannt, ............
(Flachmann Mann)
Verfasst am: 8.1.2012 16:45

Ein griechischer Diplomatensohn sagte mir...

wie schön wir es hier in der Schweiz haben. In... mehr

Zustimmen — 115 Leser sind auch dieser Meinung.
Ablehnen — 19 Leser sind anderer Meinung.

Heiklen Inhalt melden antworten

K. Hinterfrager, Bellinzona
(kdwbz Mann)
Verfasst am: 8.1.2012 16:37

zu spät

die Verschuldung diverser EU-Länder hat bereits... mehr

Zustimmen — 118 Leser sind auch dieser Meinung.
Ablehnen — 10 Leser sind anderer Meinung.

Heiklen Inhalt melden antworten

Dieser Artikel wurde archiviert. Die Kommentarmöglichkeit wurde deshalb deaktiviert. Vielen Dank für Ihr Interesse.