Schweiz
«Weltwoche»: Hildebrand hat selber gehandelt
Die «Weltwoche» wartet mit neuen Details zur Affäre um SNB-Präsident Philipp Hildebrand auf. Nicht seine Frau, sondern er selbst soll die Devisengeschäfte abgewickelt haben. Die Schweizerische Nationalbank stellt sich hinter ihren Präsidenten und veröffentlicht erstmals ein internes Reglement, das Auskunft darüber gibt, was Hildebrand tun darf und was nicht.
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Die «Weltwoche» beruft sich in ihrer Ausgabe vom Donnerstag auf die Aussagen eines Bankberaters. Dieser habe die Anweisungen für den Devisen-Deal von SNB-Präsident Philipp Hildebrand telefonisch entgegengenommen. Er habe Hildebrand sogar auf die Problematik eines solchen Geschäfts hingewiesen und sei von diesem fast aggressiv angegangen worden. Dies erklärt «Weltwoche»-Chefredaktor Roger Köppel im Interview der «Rundschau».
Dazu gehört auch die Devisentransaktion vom 15. August 2011. 400'000 Franken investierte der SNB-Präsident laut der Zeitschrift in dieses Geschäft. Nach der Frankenabwertung, die er als oberster Währungshüter danach beschlossen und am 6. September 2011 verkündet hatte, habe er Anfang Oktober die rund 500'000 Dollar mit einem satten Gewinn von 75'000 Franken wieder verkauft.
Hildebrand hatte den Bankrat am 15. Dezember 2011 über die ihm zugetragenen «Insider-Gerüchte» informiert. Dieser schilderte nach einer Prüfung des Sachverhalts durch die Revisionsstelle der Schweizerischen Nationalbank PricewaterhouseCoopers (PwC) und den Direktor der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK) und seinen Stellvertreter den Sachverhalt der Devisentransaktion am 23. Dezember anders:
«Die Frau von Philipp Hildebrand hatte am 15. August 2011 eine Fremdwährungstransaktion getätigt (Kauf von US-Dollar gegen Schweizer Franken).» Für den Bankrat steht nach weiteren Erläuterungen fest: «Die Gerüchte gegen den Präsidenten des Direktoriums erweisen sich als haltlos.»
Die SNB nahm am Nachmittag Stellung zu den Vorwürfen, wenn auch nicht konkret. In ihrer Mitteilung schrieb sie, dass der Bericht von PwC zeigt, dass die «jüngsten Darstellungen der Transaktionen der Familie Hildebrand in einzelnen Medien zum Teil nicht korrekt sind und keine Elemente enthalten, die den Prüfungsorganen nicht bekannt gewesen wären».
Kashya Hildebrand: Dollar für ihre Galerie
Auch Kashya Hildebrand stützte in der Sendung 10vor10 vom Dienstag die Darstellungen des Bankrats.
«Mein Interesse am Dollarkauf war dadurch motiviert, dass er auf einem Rekordtief und fast lächerlich billig war...». Es sei für sie als ehemalige Finanzspezialistin naheliegend gewesen, die gute Gelegenheit für einen Kauf von Dollar zu nutzen. Denn als international tätige Galeristin wickle sie 70 bis 80 Prozent aller Transaktionen in Dollar ab, sagte Frau Hildebrand.
Dass sie die gekauften Dollars am 6. September 2011 – trotz Devisenbedarf – wieder verkaufte, erwähnte sie in ihrer Stellungnahme nicht.
Laut der «Weltwoche» wickelte Hildebrand zudem in der Zeit zwischen März und Oktober 2011 über die Devisenbörse Foreign Exchange (Forex) mehrere Dollar- und Euro-Käufe und Verkäufe ab. Die grösste Transaktion vom März habe 1,7 Millionen Franken betragen, sagte Roger Köppel.
SNB veröffentlicht bislang geheimes Reglement
Inzwischen hat die SNB auch das bislang unter Verschluss gehaltene Reglement über Eigengeschäfte mit Finanzinstrumenten der Mitglieder des Erweiterten Direktoriums am Mittwochnachmittag veröffentlicht. Im Weiteren sind unter dem Reglement die Ausführungen von PwC, der Revisionstelle der Nationalbank, zu lesen.
Die Weisungen bezwecken, Interessenkonflikte und den Informationsmissbrauch zu vermeiden und dadurch den guten Ruf der SNB zu schützen. Der Eindruck, dass die Direktionsmitglieder aufgrund von vertraulichen Informationen Geschäfte zum eigenen Vorteil tätigen, soll vermieden werden.
PwC: Heikle Transaktion von Frau Hildebrand
Bei ihrer Überprüfung stützte sich PwC bei den meisten Transaktionen von Hildebrand auf den Artikel 3 Absatz 2 des Reglements. Demnach obliegen der An- und Verkauf von Devisen für den persönlichen Erwerb von «Nichtfinanzvermögen» (z.B. Motorfahrzeugen, Antiquitäten) keinerlei Einschränkungen.
Just die Transaktion, die direkt durch die Ehefrau bei der Bank Sarasin am 15. August 2011 veranlasst wurde, stufte PwC aber als heikel ein.
Denn zwei Tage später, am 17. August 2011, beschloss die SNB, die Liquidität auf dem Schweizer Geldmarkt nochmals signifikant zu erhöhen. Indem SNB-Präsident Hildebrand am 16. August, einen Tag nach dem Kauf der rund 500'000 Dollar, den Leiter Recht und Dienste informierte, war laut PwC die notwendige Transparenz gegeben. «Deshalb ist auch bei dieser Transaktion kein Missbrauch von privilegierten Informationen anzunehmen», schrieb die Revisionsstelle der Nationalbank in ihrem Bericht vom 21. Dezember 2011.
Reglement ausgereizt?
Problematisch: Artikel 3 Absatz 2 des Reglements legt nur fest, dass Hildebrand in seiner Funktion als SNB-Präsident Fremdwährungen kaufen darf, um damit zu reisen oder Privatgegenstände zu kaufen. Von einem gewinnbringenden Weiterverkauf steht da nichts.
Trotzdem sei ein solches Devisengeschäft nicht verboten, sagt Finanzexperte Matthias Schulthess von SchulthessZimmermann. Das Reglement sage lediglich, dass sich Hildebrand nicht durch unveröffentlichte Informationen einen Vorteil verschaffen dürfe. Und dieser Sachverhalt sei nicht bewiesen.
Die SNB wird am Donnerstag Stellung zur Affäre Hildebrand nehmen.
(sf/godc/gern)






