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Umstrittener Botox-Test: Alternativen in Sicht

Viviane Bühr
Montag, 2. Januar 2012, 8:39 Uhr, Aktualisiert 23:47 Uhr

Kosmetische Botox-Behandlungen sind in der Kritik. Der Grund: Jede Einheit des Botulinumtoxins muss im Tierversuch an Mäusen getestet werden. Doch damit könnte bald Schluss sein, wie der Toxikologe Hans Bigalke zu «SF Online» sagt.

Der herkömmliche Test, mit dem die Konzentration jeder Botox-Charge getestet wird, heisst LD50. Dabei wird diejenige Substanzmenge (letale Dosis) ermittelt, bei der 50 Prozent der Lebewesen im Tierversuch sterben. Die Zahl der jährlich auf diese Weise verendeten Mäuse wird auf mehrere Hunderttausend geschätzt.

Hans Bigalke

Hans Bigalke

Der deutsche Toxikologe Hans Bigalke von der Medizinischen Hochschule in Hannover arbeitet an einem neuen Botox-Testverfahren, das den herkömmlichen Botox-Test LD50 ablösen soll. 

Bald könnte es eine Alternative geben. «SF Online» hat den Wissenschaftler Hans Bigalke zu seiner neuen Methode befragt.

Hans Bigalke, wie unterscheidet sich Ihr Test vom LD50-Verfahren?

Hans Bigalke: Wir benötigen für unseren Test ebenfalls Mäuse – jedoch nur etwa 10 Prozent der Menge, die beim LD50 eingesetzt wird. Bei uns werden die Tiere zuerst betäubt und dann getötet – sie leiden also nicht. Dann entnehmen wir ihnen das Zwerchfell-Organ. Im Reagenzglas wird dann die Wirkung des Botulinumtoxins am Zwerchfell getestet.

Gibt es noch weitere Alternativen zum LD50-Verfahren?

Ja. Die Firma Allergan hat einen Zellkulturen-Test entwickelt, der gänzlich ohne Tierversuche auskommt. Die amerikanische Arzneimittelbehörde (FDA) hat diesen Test zugelassen, in Europa wird diese Zulassung, soviel ich weiss, ebenfalls angestrebt.

Was bedeutet das für Ihre Forschung?

Wir machen mit unserer Forschung weiter. Einerseits kennen wir dieses Verfahren noch nicht, andererseits ist auch unklar, ob Allergan den anderen Herstellern von Botulinumtoxin eine Lizenz für das neue Verfahren gewähren wird. Unser Test ist derzeit bei der deutschen Arzneimittelbehörde hängig. Angedacht ist ein Zellkulturen-Test aber auch bei uns.

Gibt es eine Alternative zum Botulinumtoxin?

Nein. Das Botulinumtoxin ist einmalig in seiner Wirkung. Es gibt nur sehr wenig unerwünschte Nebenwirkungen und eine grosse medizinische Anwendungsbreite, vor allem bei Patienten mit Nervenerkrankungen. Der Leidensdruck dieser Patienten ist enorm hoch.

Umstrittener Botox-Test: Alternativen in Sicht

Neues Testverfahren von Botox-Hersteller Allergan

Die Firma Allergan, weltgrösster Hersteller von Botulinumtoxin-Produkten, hat ein Testverfahren entwickelt, das auf Zellkulturen basiert und gänzlich ohne Tierversuche auskommt. Die amerikanische Arzneimittelbehörde (FDA) hat den Test im Juni zugelassen. Allergan hofft, dass auch andere Länder, darunter die Schweiz, das neue Verfahren in den nächsten Monaten zulassen werden. So könnten innert drei Jahren 95 Prozent aller Tierversuche mit dem Botulinumtoxin wegfallen, schätzt Allergan.

Das Geschäft mit dem Botulinumtoxin ist lukrativ. Allergan erwartet mit seinen Botox-Produkten für das Jahr 2011 einen Umsatz von 1,5 Milliarden US-Dollar. Das Botulinumtoxin werde je zur Hälfte bei medizinischen und kosmetischen Anwendungen eingesetzt, sagt die Firma.

Kommentare aktiv...

A. Tumminello, Rheinberg

Verfasst am: 4.1.2012 20:17

Forschung ohne Tierversuche !!!

Man kann an der Maus weder »irgendwelche... mehr

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E. Petras, Hamburg

Verfasst am: 2.1.2012 12:34

Botox für kosmetik ist überflüssig und verursacht enormes Tierleid!

Jede Charge des umstrittenen, potentiell giftigen... mehr

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