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Kreditaffäre: Neue Vorwürfe gegen Bundespräsident Wulff

Montag, 2. Januar 2012, 16:46 Uhr

Die Affäre um den deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff erhält neuen Auftrieb. Wulff gerät nun auch wegen des Vorwurfs unter Druck, er habe einen Bericht über seine Kreditaffäre verhindern wollen. So hat er dem Chefredaktor von «Bild» sowie dem Chef des Springer-Verlages telefonisch gedroht.

Bild Christian Wulff
Christian Wulff war «empört über die Recherchen zu dem Hauskredit». keystone

Die «Bild»-Zeitung bestätigte einen Anruf des deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff bei Chefredaktor Kai Diekmann, über den zuvor mehrere Medien berichtet hatten.

Wulff schweigt

Wie die «Bild» berichtete, hatte Wulff versucht, Diekmann direkt zu erreichen. «Als das nicht gelang, hinterliess der Bundespräsident eine längere Nachricht auf der Handy-Mailbox des Chefredaktors.»

Der Bundespräsident habe sich «empört über die Recherchen zu dem Hauskredit» gezeigt und mit strafrechtlichen Konsequenzen für den verantwortlichen «Bild»-Redaktor gedroht, schreibt die Zeitung. Zwei Tage nach der ersten Veröffentlichung habe Wulff in einem Telefonat mit Diekmann persönlich um Entschuldigung für Ton und Inhalt seiner Äusserungen auf der Handy-Mailbox gebeten.

Anruf bedauert

Die «Süddeutsche Zeitung» schrieb, Wulff habe während einer Golf-Reise Diekmann angerufen, diesen aber nicht persönlich erreicht und stattdessen auf die Mailbox seines Mobiltelefons gesprochen. Für ihn «sei der Rubikon überschritten» habe Wulff gesagt. Wenn die «Bild»-Zeitung «Krieg führen» wolle, dann könne man darüber nach seiner Rückkehr sprechen.

Ausserdem soll er dem Bericht zufolge mit einem Strafantrag gegen die Journalisten gedroht haben. Das Blatt berichtete weiter ohne Angaben von Quellen, Wulff habe Diekmann ein zweites Mal angerufen und den ersten Anruf bedauert.

Wulff entschuldigt sich und bleibt im Amt

Der deutsche Bundespräsident Christian Wulff tritt nicht wegen der Vorwürfe um einen Privatkredit und seine Freundschaft zu vermögenden Unternehmern zurück. Er entschuldigte sich aber für seinen bisherigen Umgang mit der Kreditaffäre. Lesen Sie hier mehr dazu

Trotz Drohung abgedruckt

«Spiegel-Online» berichtete, Wulff habe auch den Chef des Springer-Verlages, Mathias Döpfner, angerufen, damit dieser auf Diekmann einwirke. Das habe Döpfner aber abgelehnt. Der Verlag hatte nicht über das Telefonat berichtet und wollte sich auch nicht äussern.

«Bild» hatte ungeachtet der Intervention den Beitrag über die Kreditaffäre am folgenden Tag gedruckt und die Affäre damit massgeblich ins Rollen gebracht.

«Mit seinem kruden Verfassungsverständnis von Pressefreiheit hat sich Wulff endgültig für das Amt diskreditiert.»
Erwin Lotter, FDP-Bundestagsabgeordneter

Eine Sprecherin von Wulff erklärte: «Über Vieraugengespräche und Telefonate gibt der Bundespräsident grundsätzlich keine Auskunft.» Die Pressefreiheit sei für ihn ein hohes Gut. «Er hat deshalb zu den Krediten für sein Eigenheim und zu Urlaubsaufenthalten Transparenz hergestellt.»

Der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes, Michael Konken, kritisierte eine mögliche Einflussnahme Wulffs. «Prominente müssen sich kritische Berichterstattung als Teil der Meinungsfreiheit gefallen lassen», sagte Konken. «Das müsste niemand besser wissen als der erste Mann im Staat.»

Widersprüchliches Verhalten

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Erwin Lotter bekräftigte seine Forderung nach einem Rücktritt Wulffs. «Mit seinem kruden Verfassungsverständnis von Pressefreiheit hat sich Wulff endgültig für das Amt diskreditiert», erklärte er.

Der SPD-Innenpolitiker Sebastian Edathy hielt Wulff vor, sich immer widersprüchlicher zu verhalten. Unmittelbar vor Weihnachten habe er den Willen zur Transparenz bekundet, kurz davor aber versucht, Medienberichte zu verhindern. Wulff lasse ständig Zweifel an seiner persönlichen Glaubwürdigkeit aufkommen, sagte er dem «Handelsblatt».

Der Vorsitzende der niedersächsischen CDU-Landesgruppe im Bundestag, Michael Grosse-Brömer, forderte ein Ende der Debatte um Wulff.

«Wir müssen zurückkehren zur Normalität und nicht jeden Tag nach einem neuen Skandal in dieser Geschichte suchen», sagte er. Damit rückte er von seinen Parteifreunden in der Landtagsfraktion ab. Deren Vorsitzender Björn Thümler hatte eine lückenlose Aufklärung der Vorwürfe verlangt.

(reuters/dpa/muei)

Kommentare aktiv...

W. Hilber, Romanshorn
(Walaby Mann)
Verfasst am: 3.1.2012 8:05

Wenn die Vorfalle...

...alle so sind, wie in den Medien verbreitet,... [2]  mehr

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W. Ostermeier, Buchs
(Paresis Mann)
Verfasst am: 2.1.2012 23:15

Herr Wulff ist kein Engel abeer auch kein Verbrecher

Es ist schon richtig "Ecklig" geworden,... mehr

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T. Lötscher

Verfasst am: 2.1.2012 21:10

Schon bald wieder Wahlen in DE

Ganz bestimmt stehen wir kurz vor einem Wahlkampf... [1]  mehr

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