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International

Afghanistan: Ehemann foltert junge Frau fast zu Tode

Sonntag, 1. Januar 2012, 15:20 Uhr, Aktualisiert 16:18 Uhr

Es hört sich wie ein Alptraum an: Einem 15-jährigen Mädchen wurden Haare und Fingernägel ausgerissen, mit einer Zange tiefe Wunden in den jungen Körper geschnitten. Ihr Ehemann schreckte vor nichts zurück. Nun hat ein Video des britischen Senders BBC das Martyrium des Mädchens öffentlich gemacht.

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Das Mädchen war im Alter von 14 vor etwa sieben Monaten für 5000 Dollar von ihrem Bruder an einen doppelt so alten Mann verkauft und zwangsverheiratet worden. Dieser sperrte sie mit Unterstützung seiner Eltern ein, liess sie hungern und folterte sie während mehrerer Monate, berichete der Sender.

Die seit Montag mit schwersten Verletzungen in einem Spital der Hauptstadt Kabul liegende Sahar Gul äusserte sich am Wochenende erstmals über ihr monatelanges Martyrium, das sie bei der Familie ihres Ehemanns durchlitt.

Gefoltert und geschlagen

Die Familie wollte sie nach Angaben des Mädchens zur Prostitution zwingen, sperrte sie wegen ihrer vehementen Gegenwehr ein halbes Jahr lang in der Toilette ein und folterte sie auf grausame Weise. Die Polizei in der nördlichen Provinz Baghlan wollte den Vorfwurf bislang nicht bestätigen.

Vor allem von ihrer Schwiegermutter sei sie geschlagen und immer wieder mit Zigaretten gebrannt worden, sagte Gul. Zudem habe die Frau ihr die Fingernägel ausgerissen.

«Ich habe kein Essen und kein Wasser bekommen, wurde gefoltert und geschlagen», sagte Gul mit brüchiger Stimme bei einem von der afghanischen Gesundheitsministerin Suraja Dalil in der Klinik anberaumten Medientermin.

Herzzerreissende Geschichte

Der Fall kam ans Licht, als die Eltern der jungen Frau die Polizei kontaktierten, weil sie ihre Tochter seit Monaten nicht gesehen hatten. Als sie entdeckt wurde, war ihr Mann bereits geflohen. Die Polizei nahm aber andere Familienmitglieder fest.

Gesundheitsministerin Dalil sagte, der Fall sei ein weiteres Beispiel für die zunehmende Gewalt gegen Frauen in Afghanistan. Das Mädchen «aus einem entlegenen Teil des Landes» sei noch ein Kind und habe nach dem Gesetz noch gar nicht heiraten dürfen.

«Das ist eine tragische und herzzereissende Geschichte für Afghanistan», sagte Dalil. Die junge Frau verliere weiterhin viel Blut und sei zudem schwer traumatisiert.

Über 1000 Fälle

Nach Ansicht von Menschenrechtlern wird die wachsende Gewalt gegen Frauen vor allem in ländlichen Gegenden Afghanistans zu wenig beachtet.

Zahlen der afghanischen Menschenrechtskommission zufolge wurden allein im zweiten Quartal des Jahres mehr als 1000 Fälle von Misshandlungen von Frauen bekannt.

Im Jahr 2010 seien es insgesamt 2700 gewesen, berichtete die BBC. Die Dunkelziffer sei zudem riesig.

Der Menschenrechtsorganisation Oxfam zufolge geben fast 90 Prozent der afghanischen Frauen an, schon einmal körperliche, sexuelle oder psychische Gewalt erlitten zu haben beziehungsweise zwangsverheiratet worden zu sein.

(sda/dpa/muei)