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Italien strampelt gegen den Sog der Schulden-Krise

Donnerstag, 29. Dezember 2011, 16:31 Uhr, Aktualisiert 20:48 Uhr

Ernüchterung in Italien: Trotz harter Sparmassnahmen verlangen Investoren noch immer extrem hohe Zinsen für ihr Geld. «Die Turbulenzen sind noch nicht vorbei», räumt der italienische Ministerpräsident Mario Monti an seiner Jahresendkonferenz in Rom ein.

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Der italienische Ministerpräsident Mario Monti verwies während einer Medienkonferenz auf eine Grafik über die Zinsentwicklung der Staatsanleihen.

Bei der mit Spannung erwarteten Versteigerung einer zehnjährigen Anleihe über 7 Milliarden Euro mussten die Geldgeber mit einem Zins von 6,98 Prozent belohnt werden. Das ist zwar etwas weniger als im November, aber auf Dauer kann sich der klamme Staat so hohe Zinskosten nicht leisten, warnen Experten.

Erschwert wird die Sanierung des Haushalts durch die drohende Rezession: Die Stimmung in der Wirtschaft fiel im Dezember auf ein Zwei-Jahres-Tief.

Deutsche und italienische Zinsen klaffen auseinander

Die Versteigerung langjähriger Anleihen spülte mehr als sieben Milliarden Euro in die Kassen, teilte das Finanzministerium mit. Damit wurde das angestrebte Volumen von 5 bis 8,5 Milliarden Euro erreicht.

Der hohe Zins für zehnjährige Anleihe lag zwar unter dem im November erreichten Rekordhoch von 7,56 Prozent, aber klar über der kritischen Grenze von 6 Prozent und auch weit über dem Marktzins für deutsche Bundesanleihen von knapp 1,9 Prozent.

Zweiter Akt: ein «Wachse Italien»-Paket

Ministerpräsident Mario Monti will die lahme Konjunktur nun mit einem umfangreichen Reformpaket ankurbeln, wie er an einer Medienkonferenz verkündete. Spätestens Ende Januar werde seine Regierung ein Wachstumspaket aus Liberalisierungen sowie Reformen im Sozialwesen und auf dem Arbeitsmarkt präsentieren.

Die Verabschiedung des Milliarden-Sparpakets namens «Rette Italien» in der vergangenen Woche sei seine erste Pflicht gewesen. Der zweite Akt müsse nun ein «Wachse Italien»-Paket sein, um eine der schwächsten Volkswirtschaften der Euro-Zone wieder auf Trab zu bringen.

Euro fällt auf Jahrestief

Der Eurokurs ist gegenüber dem Dollar auf den niedrigsten Stand seit September 2010 gefallen. Gegen Mittag sank die europäische Gemeinschaftswährung auf 1,286 Dollar.

Laut Analysten waren viele Anleger vom Euro auf vergleichsweise sichere Währungen wie den Dollar oder den japanischen Yen umgestiegen.

«Der Druck auf Italien bleibt extrem hoch», sagte Commerzbank-Analyst David Schnautz. Daran dürfte sich so schnell nichts ändern, befürchtet Analyst Howard Wheeldon von BGC Partners: «Es wird Wochen oder sogar Monate dauern, bis die Sparmassnahmen Früchte tragen – solange gibt es wenige Gründe, warum die Zinsen fallen sollten.»

Auch Monti befürchtet, dass die hoch verschuldeten Euro-Länder «in Schwierigkeiten» bleiben werden, solange der Rettungsschirm EFSF nicht besser ausgestattet werde. Um wie viel Geld der Rettungsfonds aufgestockt werden soll, liess er offen. Der EFSF ist derzeit 440 Milliarden Euro schwer und versorgt Portugal und Irland mit günstigen Krediten.

Monti versucht derweil, mit einem harten Sparkurs das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen. Er hatte erst kurz vor Weihnachten ein 33 Milliarden Euro grosses Sparpaket unter Dach und Fach gebracht. Gleichzeitig lieh die Europäische Zentralbank (EZB) den Geschäftsbanken fast eine halbe Billion Euro für drei Jahre zum Mini-Zins von aktuell einem Prozent – auch in der Hoffnung, dass sie damit Staatsanleihen erwerben.

Mini-Wachstum für 2012 prognostiziert

«Es bleibt aber die Angst vor dem ersten Quartal, in dem eine enorme Summe von italienischen Anleihen zurückgezahlt werden muss», sagte Fondsmanagerin Andrea Williams von Royal London Asset Management. Allein zwischen Januar und April will sich der Staat 91 Milliarden Euro leihen.

Die EU-Kommission traut der drittgrössten Volkswirtschaft im Euro-Raum 2012 nur ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent zu. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erwartet sogar ein Minus von 0,5 Prozent.

Italien drücken Schulden von rund 1,9 Billionen Euro, was 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung entspricht. Nur in Griechenland ist die Schuldenstandsquote höher. Im kommenden Jahr muss sich Italien 440 Milliarden Euro von Investoren holen, um alte Kredite abzulösen, Zinsen zu zahlen und die Haushaltslücke zuschliessen. Je höher die Refinanzierungskosten sind, desto mehr muss die Regierung an anderer Stelle sparen.

(agenturen/buev)

Kommentare aktiv...

H. Haller, Kölliken
(kitwa Mann)
Verfasst am: 30.12.2011 17:41

Die strampeln sich ab und am Ende

geht es doch nicht auf. Machen wir uns doch nicht... mehr

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F. schleiniger, montecatini
(fraene42 Mann)
Verfasst am: 30.12.2011 15:22

monti der banker

eine info an die medien:die regierung monti hat... mehr

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P. D., Esslingen am Neckar
(Peterle Mann)
Verfasst am: 30.12.2011 8:52

Italien strampelt gegen den Sog

Könnte man dieses Strampeln nicht in Energie... mehr

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