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Schweiz

Lebensmittel für den Müll

Jürg Brandenberger
Mittwoch, 21. Dezember 2011, 12:02 Uhr

Ein Drittel aller Lebensmittel landet im Abfall. Meist bereits, bevor die Produkte den Esstisch überhaupt erreichen. Das besagt eine Studie der Welternährungsorganisation FAO, die der Sendung «Rundschau» vorliegt.

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Beschämender Überfluss. («Rundschau», 21.12.2011)

Die Kartoffeln, Tomaten und Gurken, die in der Schweiz täglich gekauft werden, sind günstig. Sie entsprechen dem Standard bezüglich Grösse, Farbe und Form. Die Konsumenten greifen gerne zu. Die bittere Wahrheit liegt dahinter: Der Grossteil der produzierten Lebensmittel schafft es erst gar nicht ins Regal, weil die Eigenschaften unserem Nachfrageverhalten zuwiderlaufen.

Kartoffelbauer Fredy Umbricht aus Untersiggenthal (AG) bringt es auf den Punkt: «Die Konsumenten sehen nur die Kartoffeln, die der Handel kauft. Und der Handel kauft nur, was die Konsumenten nicht verschmähen.» So landet häufig bis zu einem Drittel der Kartoffelernte auf dem Abfallhaufen oder in der Schweinemast.

Ablaufdatum nur von Lebensmittelindustrie festgelegt

Es gibt keine verlässlichen Erhebungen darüber, wieviel essbare Lebensmittel von den Grossverteilern täglich weggeworfen werden. Jeden Tag sind es allein in der Schweiz Hunderte von Tonnen. Vieles wird entsorgt, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist. Dabei wären die Lebensmittel noch durchaus geniessbar.

Bild Nahaufnahme Gemüse.
Was in der Mülltonne landet, ist oft geniessbar. sf

Das Mindesthaltbarkeitsdatum wird von der Lebensmittelindustrie festgelegt und besagt lediglich, dass das Produkt den von der Lebensmittelindustrie festgelegten Qualitätsanforderungen entspricht. Doch nicht nur die Lebensmittelindustrie, auch die Konsumenten verursachen einen grossen Teil des Abfallberges. «Konsumenten werfen die Lebensmittel nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums unnötigerweise weg», sagt Caroline Schneider von der Hilfsorganisation «Tischlein deck dich».

An Vorweihnachtszeit ist es extrem

Fay Furness, Hausfrau und Mutter, will sich mit der Lebensmittelverschwendung nicht einfach abfinden. Sie durchsucht immer wieder Abfall-Container hinter den Supermärkten nach Essbarem. Sie finde in den Containern genug, um ihre Familie damit zu versorgen, sagt die Mutter. Fay Furness macht das nicht, um Geld zu sparen, sondern aus Protest gegen den sorglosen Umgang mit den Lebensmitteln. «Es ist eine Schande, wieviel wir wegwerfen, während viele Menschen verhungern.»

Jetzt, in der Vorweihnachtszeit, kaufen viele Konsumenten wiederum bedeutend mehr ein als sie essen können. Der Überschuss landet im Abfallkübel. «Es braucht ein Umdenken», sagt Fay Furness. «Die Lebensmittel sind bei uns nicht mehr etwas Wertvolles, das wir zum Leben brauchen, sondern ein günstiges Massenprodukt, das nicht mehr geschätzt wird.»