Inhalt

International

Massaker an syrischen Deserteuren

Dienstag, 20. Dezember 2011, 17:50 Uhr

Der syrische Präsident Baschar al-Assad hat harte Strafen für Waffenschmuggler bis hin zur Todesstrafe beschlossen. Ausserdem sollen syrische Regierungstruppen kurz vor der geplanten Beobachter-Mission mehr als 280 Deserteure erschossen haben.

Bild Soldaten mit Waffen auf den Strassen der Stadt Daraa. (keystone)
Soldaten machen die Strassen der syrischen Stadt Daraa unsicher. keystone

Alleine in der Provinz Idlib seien am Montag 227 Angehörige der so genannten Freien Syrischen Armee getötet worden. Dies meldeten Menschenrechtsaktivisten.

Die syrischen Streitkräfte hätten Artilleriegeschütze gegen die Deserteure eingesetzt. Diese hätten sich in den Ortschaften Dschabal al-Sawija und Chan Scheichun verschanzt. Ein verletzter Zivilist, der am Sonntag von Dschabal al-Sawija aus in die Türkei geflüchtet war, sagte, die Lage in seiner Heimatstadt seit fürchterlich. Zahlreiche Häuser seien von der Armee zerstört worden.

Neue Massaker in Syrien, Tagesschau, 20.12.2011

Am Montag seien zudem 42 Zivilisten getötet worden. Nach Angaben der Aktivisten gab es seither 14 weitere zivile Opfer. Darunter eine Frau, die bei ihrer Flucht aus der Ortschaft Al-Kusair in der Provinz Homs getötet worden sein soll.

Drakonische Strafen für Waffenschmuggler

Die syrische Regierung geht nicht nur gegen Zivilisten hart vor. In einem Dekret des Präsidenten heisst es, wer Waffen ins Land bringe, mit Waffen handele oder diese terroristischen Vereinigungen zur Verfügung stelle, werde ab sofort mit Haftstrafen zwischen 15 Jahren und lebenslänglich bestraft.

Bei Waffenlieferungen im grossen Stil drohe die Todesstrafe. Das Dekret wurde von der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana veröffentlicht.

Taktik geändert

Wegen der Medienblockade sind Berichte aus Syrien meist nicht zu überprüfen. Journalisten werden praktisch nicht geduldet. Deshalb ist die Informationslage sehr dürftig. Nun hat die Regierung offenbar ihre Taktik geändert.

Ausländische Medienvertreter wurden in die Stadt Homs eingeladen, um die Version der Regierung zu hören. ZDF-Reporter Dietmar Ossenberg ist der Einladung gefolgt.

In der syrischen Stadt Homs mehren sich die Zeichen eines Bürgerkriegs. (Tagesschau, 13 Uhr, 20.12.2011 / ZDF)

Auch ausländische Beobachter lässt Syrien nun zu. Die Arabische Liga will nach Angaben von Diplomaten an diesem Donnerstag ein erstes Vorab-Team nach Damaskus schicken. Dieses soll die Entsendung von Beobachtern vorbereiten. Diese werden einige Tage später nachfolgen.

Die Anwesenheit der Beobachter werde den Schutz der Zivilbevölkerung garantieren. Sie sollen rund 100 Krisenherde besuchen, sagte die Liga. Ihr Einsatz ist zunächst auf einen Monat befristet, kann aber verlängert werden.

(agenturen/zinv)