Inhalt

International

EZB warnt vor Zusammenbruch von Grossbanken

Dienstag, 20. Dezember 2011, 8:30 Uhr, Aktualisiert 10:22 Uhr

Die Finanzstabilität im Euroraum ist laut der Europäischen Zentralbank (EZB) so stark gefährdet wie bei der Lehman-Pleite 2008. Die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenbruchs von Grossbanken sei massiv gestiegen. Besonders gefährlich werde die Finanzlage Anfang Jahr, warnte EZB-Chef Mario Draghi.

Videoplayer
EZB über Risiken der Grossbanken, Tagesschau, 20.12.2011

«Die Risiken für die Finanzstabilität der Euro-Zone haben vor allem in der zweiten Jahreshälfte 2011 beträchtlich zugenommen», heisst es in dem am Montag in Frankfurt veröffentlichten halbjährlichen Finanzstabilitätsreport der Europäischen Zentralbank (EZB).

Draghi (keystone)

Gefahr im ersten Quartal

«Besonders im ersten Quartal wird es bei der Refinanzierung eng werden», warnte EZB-Präsident Mario Draghi am Montag vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments.

Die jüngsten Krisenmassnahmen der EZB seien darauf ausgerichtet, eine Kreditklemme zu verhindern, die in eine Rezession münden könne. Die wirtschaftliche Erholung im kommenden Jahr werde allenfalls «sehr schrittweise» vorankommen.

EZB: Ansteckungsgefahr bei Banken

Die Ursache hierfür sei das Zusammentreffen der Staatsschuldenkrise mit zunehmenden Problemen bei vielen Banken und sich zugleich verschlechternden Konjunkturperspektiven – bis hin zu einer nicht auszuschliessenden erneuten weltweiten Rezession.

Hinzu kämen zunehmende Ansteckungszeichen bei grossen Ländern der Gemeinschaft und ein Risiko für einen Bankenzusammenbruch grösseren Ausmasses wie schon lange nicht mehr. «Unter dem Strich hat sich die Übertragung von Anspannungen zwischen Länder, quer durch den Bankensektor und zwischen diesen Bereichen so stark intensiviert, dass die Krise systemische Ausmasse erreicht hat, wie sie seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers nicht mehr beobachtet wurden.»

Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei oder mehr grosse Bankenkonzerne pleitegingen, sei im vergangenen halben Jahr deshalb massiv gestiegen.

EZB-Warnung drückt Wall Street ins Minus

Nach den Verlusten der Vorwoche haben die US-Börsen ihre Talfahrt am Montag
fortgesetzt. Vor allem Bankentitel kamen unter die Räder. Die Warnung der Europäischen Zentralbank (EZB) vor erheblichen Risiken für die Finanzbranche der Euro-Zone habe für Verkäufe gesorgt, sagten Händler. Zudem kamen nach dem Tod des nordkoreanischen Staatschefs Kim Jong Il auch an der Wall Street Sorgen vor einer Destabilisierung der Region auf.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte zum Handelsschluss mit einem Minus von 0,8 Prozent bei 11'766 Punkten. Im Handelsverlauf pendelte das Marktbarometer zwischen 11'735 und 11'925 Zählern.

In Frankfurt ging der Dax mit einem Abschlag Minus von 0,5 Prozent bei 5670 Punkten aus dem Handel.

Viel Geld wird in den Markt gepumpt

Grosse Sorgen macht der EZB die Refinanzierungslage vieler Institute. «Und die Situation könnte noch schwieriger werden», warnen die Währungshüter. Denn die Schwankungen an den Märkten und der Rückzug vieler US-Geldmarktfonds aus Europa mit Folgen für die Dollar-Versorgung seien weiter als Probleme vorhanden.

Der EZB-Rat hatte zur Linderung der Schwierigkeiten der Banken zuletzt eine massive Ausweitung seiner Liquiditätshilfen für die Geldhäuser beschlossen. Das erste von zwei, jeweils drei Jahre lang laufenden Refinanzierungsgeschäften soll am Mittwoch über die Bühne gehen. Zudem kappte die EZB die Mindestreservepflicht um die Hälfte auf ein Prozent der Einlagen – ein Schritt, durch den dem Finanzsystem von jetzt auf gleich gut 100 Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung stehen. Die wichtigsten globalen Zentralbanken pumpen zudem weltweit Dollars in das System.

(reuters/dpa/godc)

Kommentare aktiv...

H. Hochueli, Singapore
(hochueli Mann)
Verfasst am: 20.12.2011 14:14

Es war schon immer illusorisch,

aus Geld Geld zu machen. Jeder der das je... mehr

Zustimmen — 51 Leser sind auch dieser Meinung.
Ablehnen — 2 Leser sind anderer Meinung.

Heiklen Inhalt melden antworten

H. Bernoulli, Zürich
(hbernoulli Mann)
Verfasst am: 20.12.2011 13:43

Viel Geld wird in den Markt gepumpt - mit dem Turbo in den Kollaps

aber damit das Geld auch in die Realwirtschaft... mehr

Zustimmen — 57 Leser sind auch dieser Meinung.
Ablehnen — 3 Leser sind anderer Meinung.

Heiklen Inhalt melden antworten

G. Carafa, Wettingen
(carafa )
Verfasst am: 20.12.2011 13:41

Sehr bedenklich

Zitat Wolfang Schäuble: "Wenn die Kriese... mehr

Zustimmen — 36 Leser sind auch dieser Meinung.
Ablehnen — 5 Leser sind anderer Meinung.

Heiklen Inhalt melden antworten

Dieser Artikel wurde archiviert. Die Kommentarmöglichkeit wurde deshalb deaktiviert. Vielen Dank für Ihr Interesse.