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«Der Tod von Kim Jong Il ist ein Schock für Nordkorea»
Kaum ein Land auf der Welt ist von der Aussenwelt so abgeschottet wie Nordkorea. Einer der wenigen Schweizer, die das Land mehrfach bereisten, ist Walter Eggenberger. Während einem Jahr lebte der ehemalige 10vor10-Moderator in Pjöngjang und koordinierte ein Schweizer Hilfsprogramm.
«SF-Online» erreicht den 67-jährigen Journalisten bei seinem Montagmorgen-Stamm in St. Gallen. Der überraschende Tod des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il ist an diesem Morgen das Hauptgesprächsthema am Stammtisch. Walter Eggenberger ist an diesem Tag ein gefragter Mann. Kaum ein anderer Schweizer kennt Nordkorea besser als der ehemalige Fernsehmann. 1998 war er für das Schweizerische humanitäre Korps in Nordkorea tätig und leitete vor Ort ein Schweizer Hilfsprogramm. Erst vor drei Monaten ist Eggenberger von einer Reise aus Nordkorea zurückgekehrt.
«Für die Bevölkerung Nordkoreas ist die Nachricht vom Tod des Machthabers Kim Jong Il ein riesiger Schock», sagt Eggenberger am Telefon. Der Personenkult um Kim Jong Il hat für den Nordkorea-Kenner bereits «religiöse Züge» angenommen. Zwar habe Kim Jong Il sehr zurückgezogen gelebt und nur selten öffentliche Auftritte wahrgenommen, trotzdem wurde der Staatschef von der Bevölkerung verehrt.
«Seine Auftritte beschränkten sich im Wesentlichen auf Fabrik- oder Militärvisiten und auch da war man nie ganz sicher, ob es wirklich Kim Jong Il war oder einer seiner Doppelgänger». Über das Leben des 69-Jährigen sei wenig bekannt, im kommunistisch regierten Land herrsche eine strenge Zensur. Für seine Vorlieben für französischen Cognac und Wein gebe es zwar verschiedene Indizien, so Eggenberger, aber keine wirklichen Beweise. Bekannt sei lediglich, dass Kim Jong Il ein Filmfan gewesen sei und auch die TV-Sprecherinnen selber auswählte.
Hungersnot und Misswirtschaft
Walter Eggenberger weiss wovon er spricht: Während seines Aufenthaltes in Pjöngjang konnte er sich ein umfassendes Bild von Nordkorea machen. Dem islolierten Land fehle es vor allem an technischen Hilfsmitteln. «Noch heute werden die Felder mit Ochsen gepflügt, Saatgut, Dünger und Landwirtschaftmaschinen sind Mangelware.»
Die Fischerei diene zwar als Nahrungsquelle, kommt es aber zu einem Ernteausfall sei das Land aber von Hilfslieferung abhängig. So auch in den 1990er-Jahren, als die Schweiz tonnenweise Lebensmittel, Mais, Weizen und Fleischprodukte nach Nordkorea lieferte.
Trotz der der angespannten Versorgungslage und der Macht des Militärs glaubt Eggenberger nicht, dass es nun zu einem Aufstand des Volkes kommen wird. Das Regime regiere mit eiserner Hand. «Es ist zwar durchaus möglich, dass es trotz der Machtübergabe an Kim Jong Un ein Gerangel hinter den Kulissen geben wird».
Was das nordkoreanische Atomprogramm betrifft, kann Eggenberger keine Angaben machen. Der Nordkorea-Experte ist aber überzeugt, dass China hier eine Schlüsselrolle inne hat. Dies gilt nicht nur für das Raketenprogramm, sondern auch für die Beziehungen mit dem Nachbar Südkorea.
Briefträger Schweiz
Seit dem Besuch von Bundesrätin Micheline Calmy-Rey in Pjöngjang und Seoul 2003 geniesst die Schweiz beidseits der innerkoreanischen Grenze einen ausgezeichneten Ruf. Der symbolische Akt des Grenzübertritts hat seither historische Bedeutung. Hier sieht Eggenberger durchaus auch eine Möglichkeit, wie die Schweiz ihre diplomatischen Dienste einbringen könnte, sei es als Vermittler oder auch nur als Bote zwischen den einzelnen Staaten.



