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Reto Lipp: «S&P hat die Märkte auf dem falschen Fuss erwischt»

Dienstag, 6. Dezember 2011, 11:39 Uhr

Sinkende Aktienkurse, empörte Euro-Politiker: Die Ratingagentur Standard & Poor's sorgt mit ihrer gestrigen Ankündigung für Aufregung. Laut SF-Wirtschaftsfachmann Reto Lipp («Eco» und «SF Börse») hätte eine allfällige Bonitäts-Abstufung von Ländern wie Deutschland auch Auswirkungen auf die Schweiz: Es wäre bald das einzige Land in Europa mit einem Top-Rating.

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Die Märkte reagieren auf die gestrige Ankündigung von S&P mit Kursabschlägen. War das wirklich so unvorhersehbar?
«Dass S&P nun gleich alle Staaten mit einem Top-Rating möglicherweise zurückstufen wird, kann durchaus als Überraschung interpretiert werden. Sicher ist die Rückstufung ja noch nicht, aber nur schon die Ankündigung hat die Märkte offensichtlich auf dem falschen Fuss erwischt. Und immer dann, wenn die Börsen überrascht werden, reagieren sie besonders stark.»

Euro-Politiker wie Jean-Claude Juncker empfinden die Ankündigung als «unfair und exzessiv». Wie interpretieren Sie diese Reaktion?
«Politiker haben es bekanntlich nicht gerne, wenn sie von den Finanzmärkten in den Schwitzkasten genommen werden. Zudem glauben europäische Politiker ja gelegentlich, dass es amerikanische Rating-Agenturen ohnehin auf den Euro abgesehen haben. Tatsache ist aber, dass es ganz normal ist, dass das Rating von Deutschland und anderen Ländern schlechter wird, wenn diese Länder für die Schulden der Krisenländer letztlich haften müssen. Zudem sind die Risiken im Euro-Raum definitiv gestiegen.»

Angenommen, S&P würde die Bonität der AAA-Staaten tatsächlich herabsetzen. Wäre das wirklich so schlimm?
«Es ist nicht dramatisch, aber würde natürlich bedeuten, dass auch bei den Top-Ländern wie Deutschland oder Holland die Zinskosten steigen. Jede Rating-Herabstufung führt letztlich zu höheren Zinsen. Es ist klar, dass Deutschland, das ebenfalls hohe Staatsschulden hat, kein Interesse daran hat, dass die Zinskosten steigen.»

Welche Konsequenzen hätte eine Herabstufung der erwähnten Euro-Staaten für die Schweiz?
«Der Status der Schweiz würde sich noch etwas verbessern, da die Schweiz bald das einzige Land in Europa mit einem absoluten Top-Rating ist. Mit anderen Worten, die Schweiz könnte sich vermutlich noch günstiger refinanzieren. Andererseits darf man nicht vergessen, dass die Schweizerische Nationalbank viele Euro-Anleihen gekauft hat, um den Euro zu stützen. Hier handelt es sich vor allem um deutsche Anleihen. Mit einer Herabstufung würde der Wert dieser Anleihen sinken, was bei der Nationalbank sicher keine Freude auslösen würde.»

Seit Monaten jagt ein Krisengipfel den nächsten – ohne das sich die Situation geändert hätte. Erwarten Sie irgendeine Besserung vom EU-Gipfel an Wochenende?
«Nein, denn die Politik ist einfach zu langsam. Die Institutionen der EU müssen geändert werden, um die Stabilität zu verbessern, das ist aber eine Aufgabe von Monaten und Jahren. Das geht zu lange und wird die Märkte nicht kurzfristig beruhigen.
Es gibt vermutlich nur ein einziges Mittel, um den Euro sehr schnell und sehr wirkungsvoll zu stabilisieren. Wenn die Europäische Zentralbank EZB ankünden würde, in unbegrenzter Menge Staatsanleihen zu kaufen, dann könnte sich die Lage sehr schnell verbessern – so wie das die Schweizerische Nationalbank mit dem Franken getan hat! Die Deutschen sind kategorisch dagegen, weil sie einen Anstieg der Inflation befürchten. Die EZB kann aber – wenn es hart auf hart kommt  – in alleiniger Kompetenz handeln. Die Deutschen könnten in den Gremien der EZB im Notfall überstimmt werden.»

Wenn Sie die bisherigen Aktivitäten der Politiker in der Euro-Schuldenkrise in einem Motto zusammenfassen müssten: Wie würde dieses lauten?
«Zu wenig, zu zögernd, zu langsam.»

(sf/lipr/vaid)

Kommentare aktiv...

R. känel, steffisburg
(deroka Mann)
Verfasst am: 7.12.2011 17:41

Tiefere Ratings für "Top-Staaten"?

Die tieferen Ratings für... mehr

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M. Mèchant, Grosses-Euroland
(gustav.ev Mann)
Verfasst am: 7.12.2011 12:52

Deutschland bestimmt den Spitzenwert.

Sobald Deutschland nur noch AA+ ist, gibt es AAA... mehr

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B. R., Leipzig
(B.R. Mann)
Verfasst am: 7.12.2011 12:45

Ich habe das so gelernt:

AAA ist besser als AA+. Was gibt es da zu... mehr

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