Schweiz
Facebook & Co. – Eltern und Schulen sind gefragt
Über 50 Prozent der Schweizer Jugendlichen nutzen Facebook – oftmals ohne grosse Medienkompetenz. Dies fordert sowohl Eltern, wie auch Lehrpersonen. Kurse, wie man sicher und sinnvoll im Internet kommuniziert, stossen auf allen Seiten auf reges Interesse.
Facebook gehört zum Leben der meisten Schweizer Jugendlichen. Schon morgens um 7 Uhr sind sie darüber informiert, ob ihre Schulfreunde krank sind oder wer, wen nach der Schule treffen will. Für viele Erwachsene mag dies nicht nachvollziehbar sein, für die Kinder aber ist ein Leben ohne Facebook kaum mehr vorstellbar.
In der «Rundschau» erzählen 13-Jährige, wie sie mit Facebook umgehen. Ein Mädchen zeigt in seinem Account bauchfreie Selbstportraits. Auf die Frage der Reporterin, warum sie dies mache, antwortet die Schülerin: «Ich mag mein Bauchpiercing und finde die Bilder nicht schlimm.» Dass allerdings solche Bilder zweckentfremdet werden könnten, können sich die 13-Jährigen nicht vorstellen.
Eltern stehen hier vor einem Problem. Viele können mit ihren Kindern im Netz nicht Schritt halten. Die Verunsicherung ist gross – die Welt von Facebook, Twitter & Co. ist nicht die ihre.
Facebook ist Thema im Schulzimmer
Aber auch die Schulen sind gefordert. Viele Schweizer Schulen haben bereits gehandelt. Experten sind willkommene Gäste im Schulzimmer. Beispielsweise informieren Polizisten über rechtliche Aspekte im Umgang mit Facebook, denn eine Beschimpfung auf dem Pausenplatz ist weniger schlimm als eine schriftliche Beschimpfung im Netz.
Experten klären die Kinder aber auch über den sicheren Umgang mit dem Internet auf. Dazu gehören auch die Privatsphäre-Einstellungen im persönlichen Facebook-Account. Zudem werden Risiken wie Internetsucht besprochen und warum gewisse Fotos nur für wirkliche Freunde und nicht für die ganze Welt sichtbar sein sollten.
«Eltern haben wenig Ahnung»
Einer dieser Experten ist Gregor Aeschbach, Schulsozialarbeiter und Facebook-Experte der Zürcher Gemeinde Rickenbach. Er bietet für Oberstufenschüler Kurse zum Thema an. Im Gespräch erzählt er, dass er dabei bald gemerkt habe, dass eben auch die Eltern wenig bis keine Ahnung vom Umgang mit Facebook hatten. Viele Eltern würden das soziale Netzwerk nur vom Hörensagen kennen. «Deshalb sind Schulen und Eltern gefragt, sich die nötige Medienkompetenz anzueignen.»
Lehrpersonen und Eltern können sich beispielsweise bei Swisscom, einem der grossen Internetanbieter des Landes, schlau machen. Das Angebot wird rege genutzt. 2011 haben rund 3500 Eltern und Lehrer einen Kurs besucht, sagt Swisscom-Sprecherin Annina Merk auf Anfrage. Das Unternehmen hat ihre Kurse zusammen mit den Pädagogischen Hochschulen Bern und Fribourg entwickelt.
Medienkompetenz wird künftig ein Schulfach
Noch findet der Umgang mit neuen Medien wie beispielsweise Facebook keinen verbindlichen Platz an Schweizer Schulen. Wie sehr die digitale Welt in den Unterricht einfliesst, hängt quasi vom Willen der Lehrperson ab. Auch hier gibt es versiertere und weniger versierte.
Im Kanton Zürich stützen sich laut dem Facebook-Kenner Gregor Aeschbach die Lehrpersonen im Unterricht auf den Medienkompass 2 des Lehrmittelverlags Zürich sowie auf das 45-seitige Dossier Medienkompetenz der Bildungsdirektion des Kantons Zürich.
Dies soll sich mit dem Lehrplan 21 ändern, er soll 2014 eingeführt werden. «Die Kantone müssen den Lehrplan 21 dann allerdings auch übernehmen», so Beat W. Zemp, Präsident des Lehrerdachverbands. Dies werde nicht einfach, denn Opposition gebe es von der SVP. Die Partei will vermehrt Einfluss in die Volksschule nehmen. Zemp ärgert sich: «Anstatt in die Zukunft zu schauen, schaut die SVP zurück. Dass Medienkompetenz in der Bildungs-Strategie der SVP nicht erwähnt wird, ist eigentlich ein Skandal.»
Eltern müssen mitziehen
Soziale Netzwerke wie Facebook sind nicht die Welt von Sabine Vinke, Mutter von zwei Kindern. «Mein Mann und meine 14-jährige Tochter sind auf Facebook. Ich möchte dafür aber keine Zeit aufwenden.» Facebook und das Smartphone seien aber immer wieder Thema beim gemeinsamen Abendessen.
Für nicht versierte Nutzer sei es aber schon auch schwierig den Überblick zu behalten, so Vinke. «Was da draussen passiert, ist schwer vorstellbar. Das Internet ist irgendwie nicht fassbar.» Aber: «Wenn mein Mann nicht so versiert wäre, müsste ich da auch mithalten.»
Vinkes Mann ist Informatikingenieur und kennt sich mit Internet & Co. bestens aus – besser als die Kinder. Zudem gelten bei Familie Vinke klare Regeln. Zu gewissen Zeiten muss das Handy, worüber die Tochter sich bei Facebook einloggt, ausgeschaltet werden.
Eltern seien schon auch darauf angewiesen, dass die Schulen das Thema mit einbeziehen. Es sei wichtig, dass die Kinder die Themen in der Gruppe besprechen und die Risiken miteinander anschauen könnten. «Die Schule unserer Tochter lässt das Thema Facebook auch in den Unterricht einfliessen. Das bringt den Kindern viel.»





