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Blut bald aus dem Reagenzglas?

Rachel Honegger
Montag, 21. November 2011, 14:48 Uhr, Aktualisiert 22.11.2011, 8:59 Uhr

Einem französischen Forscherteam aus Paris ist eine kleine Sensation gelungen. Sie haben in vitro gezüchtete Blutkörperchen einem Menschen in die Blutbahn gespritzt – und konnten beweisen: Die künstlichen Blutkörperchen verhalten sich im Körper wie natürliche Blutkörperchen und überleben auch genau so lange. Diese Entdeckung könnte in Zukunft einmal das Problem der knappen Blutkonserven lösen.

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Kommt das Blut bald aus dem Reagenzglas?

«Der Schweiz geht das Blut aus» oder «Blutspender sind Mangelware». Solche und ähnliche Schlagzeilen sind immer wieder zu lesen. Die Blutreserven weltweit sind knapp. In der Schweiz waren diesen Sommer die Vorräte so gering wie seit fünf Jahren nicht mehr. Ein Blutverlust von mehr als einem Liter kann tödlich sein. In diesem Fall kann eine Spende von roten Blutkörperchen Leben retten. Deswegen wäre es verlockend, wenn man Blut, oder eben rote Blutkörperchen, einfach züchten und somit das Problem des Spendermangels beheben könnte.

Rote Blutkörperchen aus Stammzellen

Die Pariser Forschergruppe hat einem freiwilligen Spender Stammzellen entnommen. Diese haben sie in einer Nährlösung zu roten Blutkörperchen beziehungsweise zu roten Blutzellen heranwachsen lassen. Dann wurden sie dem Spender wieder injiziert.

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Stammzellen werden zu roten Blutkörperchen - ein Prozess von 18 Tagen. tf1

Dass man Blut in vitro aus Stammzellen generieren kann ist nicht neu. Neu ist allerdings, dass es erstmals gelungen ist, dieses Blut wieder dem Spender, also einem Menschen, zurückzugeben. Und vor allem konnten die Forscher nachweisen, dass sich die Zellen normal verhalten und genau so lange überleben wie natürliche rote Blutzellen. Damit ist ihnen der Beweis gelungen, dass dies zumindest rein technisch möglich wäre.

Massenproduktion in einigen Jahren

Das ist ein bahnbrechender Schritt in der Forschung hin zu «künstlichen» Blutkonserven. Bis dies im grossen Stil möglich ist, dürfte es allerdings noch einige Jahre dauern. Doch Markus Manz, Direktor der Klinik für Hämatologie des Unispitals Zürich wagt eine vorsichtige Prognose: «In fünf Jahren könnte dieses Verfahren für Empfänger mit seltenen Blutgruppen oder auch in gewissen ganz spezifischen Fällen bereits Einzug in die Klinik halten.»

Menschen mit seltenen Blutgruppen dürfen also hoffen, dass für sie dank gezüchtetem Blut bald mehr Blutkonserven zur Verfügung stehen. Alle anderen sind weiterhin auf zahlreiche Blutspender angewiesen.

Deshalb sind rote Blutkörperchen so wichtig

Blut gilt als «flüssiges Organ» in unserem Körper. Fünf bis sechs Liter Blut fliessen bei einem erwachsenen Menschen durch ein rund 96‘000 Kilometer langes Leitungssystem. Es besteht aus Blutplasma und aus drei verschiedenen Typen von Blutzellen. Die wichtigsten sind die roten Blutkörperchen, sie machen knapp 43 Prozent des Blutvolumens aus.

Beim Blutspenden wird das Blut in seine verschiedenen Bestandteile «zerlegt». Denn die Empfänger erhalten heute keine Vollblutspenden mehr – sondern genau den Blutbestandteil, den sie aufgrund ihrer Krankheit oder Verletzung benötigen. In den meisten Fällen sind dies die roten Blutkörperchen. Davon werden weltweit die meisten Spenden benötigt.

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