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«Arena»: «Tierkontrollen schüchtern niemanden ein»

Samstag, 19. November 2011, 4:43 Uhr

Zwei Delfine sind im «Connyland» im Kanton Thurgau innerhalb weniger Tage gestorben. Die Delfinhaltung steht einmal mehr im Kreuzfeuer der Kritik – so auch in der «Arena». Tierschützer, Bauern und Veterinäre diskutierten aber nicht nur über die sensiblen Meeressäuger, sondern auch über die Tierhaltung in der Schweiz ganz allgemein.

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Schlagabtausch zwischen Graziella Blatter und Erich Brandenberger.

Zuerst drehten sich die Gespräche in der «Arena» um die Delfintode im Freizeitpark «Connyland» im thurgauischen Lipperswil. Geschäftsführer Erich Brandenberger erklärte noch einmal, wie es zum Tod der beiden Tiere kam. Bei beiden sei es gleich abgelaufen, so der «Connyland»-Geschäftsführer.

Erst seien sie quietschfidel gewesen, auf einmal seien sie dann panisch geworden, wild hin und her geschwommen und hätten sich gekrümmt. Zudem habe der Mund offen gestanden und die Zunge herausgehangen. «Das machen Delfine sonst nie», sagte Brandenberger. Die Trainer seien deshalb sofort ins Becken gesprungen. Doch die Tiere seien gestorben.

Thema «Connyland»

In der ersten Runde diskutierten zum Thema «Connyland»

- Erich Brandenberger, Geschäftsführer Â«Connyland» und

- Sylvia Frey, Leiterin Walforschung Ocean Care.

Da die Obduktion des ersten toten Delfins keine Unregelmässigkeiten gezeigt habe, und kurz darauf noch ein Delfin verstarb, sei man auf die Idee der Vergiftung gekommen. «Es ist noch nichts klar, aber wir müssen in diese Richtung untersuchen», so Erich Brandenberger.

Graziella Blatter, die vormals im «Connyland» für die Delfinbetreuung zuständig war, machte dem Freizeitpark heftige Vorwürfe. Es gebe laute Partys um das Becken, den Trainern fehle es emotional an Niveau um mit solch sensiblen Tieren umzugehen und die Hygieneverhältnisse würden nicht eingehalten. «Es stinkt in der Trainierkabine», so die Ex-«Connyland»-Mitarbeiterin. «Es hat mir fast das Herz gebrochen.»

Problem an der Wurzel packen

Brandenberger verteidigte sich: «Kantonstierarzt und Veterinäramt haben die Anlage untersucht. Diese Untersuchungen dauerten 1,5 Jahre – und alle Vorwürfe wurden widerlegt.» Zudem sei die Technoparty, die kurz vor dem Tod des ersten Delfins im «Connyland» stattgefunden hatte, nicht in der Delfinanlage, sondern in einem schallisolierten Gebäude etwa 50 Meter entfernt durchgeführt worden. Die Delfine hätten die Partymusik gar nicht gehört.

Dass Tiere, die in Delfinarien leben, nicht einfach ausgewildert werden können, weiss auch Sylvia Frey von Ocean Care. Deshalb will sie, dass künftig gar keine solchen Diskussionen um Todesursachen mehr stattfinden müssen. «Wir fordern ein Importverbot für Delfine.» – Das hiesse, dass Delfine gesetzlich gar nicht mehr in die Schweiz gelangen würden.

Auch Nutztierhaltung nicht immer artgerecht

Ein solches Gesetz müsste noch durch viele politische Instanzen. Nicht verbieten kann man in der Schweiz dagegen Nutztiere wie Kühe, Schweine oder Hühner. Verbieten will die auch niemand – doch dafür sorgen, dass sie in artgerechter Weise leben können. In der zweiten «Arena»-Runde sprachen die Teilnehmer über die Nutztierhaltung in der Schweiz.

Thema Tierhaltung

In der zweiten Runde diskutierten zum Thema Tierhaltung

- Maya Graf, Nationalrätin (Grüne/BL) und Biobäuerin,

- Hans-Ulrich Huber, Geschäftsführer Schweizer Tierschutz STS,

- Hansjörg Walter, Nationalrat (SVP/TG) und Präsident Bauernverband und

- Hans Wyss, Direktor Bundesamt für Veterinärwesen.

Kritisiert wurden insbesondere die Kontrollen. «Heute finden zum grossen Teil nur Alibikontrollen statt», sagte etwa Hans-Ulrich Huber, Geschäftsführer des Schweizer Tierschutzes STS. Kontrollen würden oft auf Voranmeldung stattfinden. «Und wenn die Kontrolleure doch etwas finden, gibt es läppische Bussen. Das schüchtert niemanden ein.» Die guten Bauern würden zudem mitbestraft, ihr Image würde geschädigt.

Dieser Meinung war auch Biobäuerin und Nationalrätin Maya Graf: «Die meisten Bauern halten ihre Tiere sehr gut. Sonst kann man keine gesunden Lebensmittel produzieren.» Probleme gäbe es vor allem dort, wo man nicht hinschaue, obwohl man Bescheid wisse. «Es ist ein Vollzugsproblem».

Motivation durch finanziellen Zustupf

Die Gesetze seien nicht für die Tiere gemacht, kritisierte Hans-Ulrich Huber. Kleine Kälbchen würden in engen Boxen gehalten, Schweine müssten in Verschlägen hausen so gross wie ein Handtuch. Und dies sei legal.

Man müsse den Bauern Hand bieten, freiwillig auf eine bessere Nutztierhaltung zu setzen, sagte Hansjörg Walter, Präsident des Bauernverbands. McDonalds etwa zahle den Bauern freiwillig zusätzliche Prämien, wenn sie für eine besonders tierfreundliche Haltung mit viel Auslauf sorgten. «Das motiviert die Bauern, in ein solches Programm einzusteigen.»

Viele wollen, können aber nicht

Für die Biobauern würden diese Auslauf-Vorschriften schon lange gelten, betonte Maya Graf. Obwohl diese gesetzlich nicht festgelegt seien. Doch das Ziel müsse sein, dass 100 Prozent aller Bauern auf tiergerechte Haltung setzten. «Dafür müssen auch die zusätzlichen Fördergelder ausgegeben werden.» Schliesslich sei es genau das, was die Konsumenten wollten und wofür sie bereit seien, mehr Geld zu bezahlen.

Dass es Lücken im Tierschutz gebe, stelle er gar nicht infrage, sagte Biologe Andreas Moser. «Wir haben festgestellt, dass viele Bauern gerne mehr für ihre Tiere machen würden, es aber zeitlich nicht können.» Viele Bauern müssten zusätzlich arbeiten, weil sie von der Landwirtschaft alleine nicht leben könnten.

Bild Totale Arenastudio mit Gästen und Publikum.
Darüber, dass es Änderungen im Tierschutz braucht, waren sich alle einig. sf

Hansjörg Walter forderte zum Schluss, dass die Kontrollen verbessert werden. Das Tierwohl sei beim Konsumenten sehr hoch angesiedelt. Die Bauern bräuchten zudem die nötige Zeit für ihre Tierhaltung – und hier brauche es die Unterstützung des Bundes.

Hans-Ulrich Huber dagegen will vor allem den Tieren ihre Würde zurückgeben. Sie sollten frei leben in geräumigen Ställen und auf der Weide. Es sei zudem eine Schande für die Schweiz, dass jedes Jahr 120‘000 Tonnen Fleisch aus miserabler Tierhaltung aus dem Ausland importiert würden. Das müsse der Tierschutz verbieten.

Hans Wyss vom Bundesamt für Veterinärwesen dagegen fordert nur, dass die Leute das, was sie gesagt haben, auch wirklich vorantreiben. Dann könne man etwas bewegen. «Wir dürfen nicht nur für die Fernsehkamera reden. Wir müssen es auch machen.»

(sf/gern)

Kommentare aktiv...

K. Geiersberger, Azmoos
(Baraka Mann)
Verfasst am: 20.11.2011 20:12

Respekt vorm Mitgeschöpf?

So wie d´Leut mit den Tieren umgehen vergehts... mehr

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A. Gafner, Kallnach
(Albert-Friedrich Mann)
Verfasst am: 19.11.2011 13:41

Herr Rothenbüler hat völlig recht

Was Herr Huber und vor allem auch Frau Sylvia... [1]  mehr

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C. STAUB, POST-MORTEM-CH
(ZENSUR-OPFER Mann)
Verfasst am: 19.11.2011 12:52

Mein Herz schlägt für Delfine, neben Primaten die intelligentesten, sozialsten Säugetiere !

Ob Sylvia Frey mit ihrem Auftreten als deren... mehr

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