International
Italien: Sparen, sparen, sparen – aber «gerecht»
Der neue italienische Ministerpräsident Mario Monti hat die Konturen seines Regierungsprogramms im römischen Parlament vorgestellt. Entscheidende Tragpfeiler: Strenge Haushaltsdisziplin, Wirtschaftswachstum und soziale Gerechtigkeit.
Bild
Artikel bewerten
Artikel teilen
«Wir müssen dafür sorgen, dass Italien nicht mehr für das schwache Glied in der Kette Europas gehalten wird», sagte Italiens neuer Ministerpräsident Mario Monti in einer 45-minütigen Regierungserklärung im Senat in Rom. «Wir sind Europa», rief Monti aus. Italien sei aber ohne Wachstum unglaubwürdig. Gemeinsam müssten alle daran arbeiten, die Krise zu meistern, die Bürger müssten wieder mit der Politik versöhnt werden.
Reformen dringend notwendig
Eine strenge Haushaltsdisziplin, Wirtschaftswachstum und mehr soziale Gerechtigkeit machte Monti als entscheidende Pfeiler seiner Regierungsarbeit für die Zukunft Italiens aus.
Zudem kündigte er eine Renten- und Steuerreform und Kampf gegen Steuerhinterziehung an. Baldige Reformen mit gerecht verteilten «Opfern» seien dringend notwendig. Darunter könnte auch eine Immobiliensteuer sein.
«Italien hat viel getan, aber die gravierende Wachstumsschwäche hat alle Anstrengungen bisher zunichte gemacht», sagte Monti. Dabei wolle seine Regierung die von seinem Vorgänger Silvio Berlusconi im Sommer verabschiedeten Sparpakete rasch umsetzen.
Ergänzt wird das Sparpaket durch die Ende Oktober in Brüssel versprochenen Massnahmen. Berlusconi hatte Liberalisierungen, eine Rentenreform, eine Lockerung des Arbeitnehmerschutzes und Infrastrukturprogramme zugesagt.
Proteste in Italien
In mehreren italienischen Städten ist es bei Protesten gegen die neue Regierung von Ministerpräsident Mario Monti zu Ausschreitungen gekommen. In Mailand, Turin, Rom, Palermo und Bari gingen Tausende Menschen auf die Strasse, um gegen die Regierung zu demonstrieren, die nach ihrer Ansicht eine Regierung der Banker ist.
In der Finanzmetropole Mailand warfen Studenten Feuerwerkskörper auf Polizisten, die sie daran hinderten, zur Bocconi-Universität vorzudringen, die Monti leitet und die zum Symbol für die aus Technokraten gebildete neue Regierung geworden ist. Die Polizei setzte Schlagstöcke gegen die Demonstranten ein.
Verschwendete Ressourcen
Vorgesehen sei nicht nur eine Steuerreform, sondern auch eine Überprüfung der Ausgabenpolitik. Der Staatshaushalt soll 2013 ausgeglichen sein. Im Kampf gegen die Krise könne eine rasche und entschiedene Antwort erfolgreich sein, wenn jetzt alle gemeinsam daran arbeiteten. Seine Regierung sei eine «Regierung des nationalen Einsatzes», rief Monti aus.
Ohne soziale Ausgeglichenheit seien die vielen Opfer unmöglich. «Sozialer Ausgleich bedeutet in diesem Fall, sich zu fragen, welche Auswirkungen die Reformen auf die schwächeren Mitglieder der Gesellschaft – wie junge Menschen und Frauen – haben könnten», sagte Monti.
Die Jugendlichen und Frauen seien heute «die beiden grossen verschwendeten Ressourcen Italiens». Die Jugendarbeitslosigkeit in Italien liegt im Durchschnitt bei fast 30 Prozent. Besonders im armen Süden des Landes ist die Lage dramatisch.
Zustimmung im Senat
Der Sparkus hat den Senat überzeugt: 281 Senatoren sprachen Monti das Vertrauen aus, 25 stimmten bei dem Votum dagegen. Damit hat Mario Monti die erste Parlamentshürde erwartungsgemäss genommen.
Am Freitag steht dann noch die entscheidende zweite Vertrauensabstimmung in der Abgeordnetenkammer an. Auch hier gilt eine breite Zustimmung als sicher.
Monti stellte sein Programm am Tag nach der Vereidigung seiner Notregierung der Technokraten vor. Der ehemalige EU-Kommissar soll das hoch verschuldete Krisenland Italien aus der Schulden- und Wachstumskrise bringen.
Staatspräsident Giorgio Napolitano hatte die neue Regierung am Mittwoch vereidigt. Unter den zwölf Ministern und fünf Sonderministern sind keine Politiker. Monti selbst fungiert interimsweise auch als Nachfolger von Giulio Tremonti als Wirtschafts- und Finanzminister.
(dpa/muei)
Meldungen im Tagesverlauf
- Norditalien: Zweites schweres Beben innerhalb weniger Stunden
- Bussendepots bei Ausländern sind erlaubt
- Studie kritisiert MSC-Fischlabel
- Session beginnt für Jungparlamentarier auf Twitter
- Annan kämpft in Syrien weiter für Frieden
- Zorn über Wahlausgang auf Ägyptens Strassen
- Frankreich verzichtet für EURO auf Gourcuff
- Bald-Papa Robbie Williams: Für seine Kleine macht er sich fit
- Migros deklariert Produkte aus besetzten Gebieten
- Griechenland gibt EURO-Kader bekannt
- Dänemark-Keeper Sörensen verpasst EURO
- 500'000 Chilenen üben den Ernstfall
- Bundesgericht: Kein Zeitaufschub für AKW Mühleberg
- Bundespräsident Gauck pocht in Israel auf Zwei-Staaten-Lösung
- Max Loong versucht sich an der Stange
- Kauflust in der Schweiz zieht weiter an


Norditalien: Zweites schweres Beben innerhalb weniger Stunden
Computervirus «Flame» gilt als neue Cyber-Waffe
Tote bei Protest gegen Schweizer Xstrata
Zorn über Wahlausgang auf Ägyptens Strassen
Session beginnt für Jungparlamentarier auf Twitter
Annan kämpft in Syrien weiter für Frieden
Bankia stürzt ab – Madrilenische Börse ebenfalls
Bundesgericht: Kein Zeitaufschub für AKW Mühleberg
Abhörskandal: Tony Blair vor Ethikkommission
Steinbrück: Abkommen mit der Schweiz begünstigt Steuerbetrüger
Ägypten: «Der schlimmste denkbare Albtraum ist eingetroffen»
Auch die Migros will Nespresso Konkurrenz machen
SP könnte Steuerabkommen kippen



















M. Holm, Muttenz
)
(Kantoenlischwizer
Verfasst am: 17.11.2011 17:24
Sparen = Gerechtigkeit
diejenigen welche nun von Gerechtigkeit reden,... mehr
Zustimmen — 59 Leser sind auch dieser Meinung.
Ablehnen — 15 Leser sind anderer Meinung.
Heiklen Inhalt melden antworten
Heiklen Inhalt melden antworten