Vermischtes
Erneuter Delfintod: Staatsanwalt bringt Tierschützer ins Spiel
Im Freizeitpark «Connyland» im thurgauischen Lipperswil ist am Sonntagnachmittag zum zweiten Mal innert einer Woche ein Delfin gestorben. Laut einem Tierarzt könnten die Tiere vergiftet worden sein. Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung eröffnet.
«Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren», sagte der Staatsanwalt. Die beiden toten Delfine würden genau untersucht. Die toxikologischen Abklärungen seien kompliziert. Es werden auch Personen befragt und Spuren gesichert.
Noch bevor das amtliche Ergebnis der Obduktion vorliegt, liess der Thurgauer Kantonstierarzt durchblicken, dass die Tiere möglicherweise vergiftet worden seien – und der Staatsanwalt liess sich offenbar mit den Worten zitieren, dass er eine solche Tat «militanten Tierschützern» zutraue.
Tierschützer schockiert
Sollten sich derlei Mutmassungen und Spekulationen erhärten, würde die Tierschutzorganisation «OceanCare» sich in aller Form von sogenannten «Tierschützern» distanzieren, teilte die Organisation umgehend mit. Die vorsätzliche und heimtückische Tötung gefangener Tiere sei nicht zu rechtfertigen – schon gar nicht mit dem Argument, die Tiere würden von ihrem Leiden erlöst.
Mit «grosser Bestürzung» reagierten auch die deutschen Tierschutzorganisationen «Wal- und Delfinschutz-Forum» (WDSF) und «ProWal» auf den zweiten Delfintod in Lipperswil. Sie forderten eine Beschlagnahme der verbliebenen drei Delfine des Connylands.
Seit 2008 seien acht Delfine im Connyland gestorben, heisst es im Communiqué. Die Vermutung, die Delfine könnten vergiftet worden sein, sei eine Schutzbehauptung. Das Connyland versuche damit «von den eigenen Missständen abzulenken».
Das Delfinarium habe derzeit Winterpause und sei geschlossen. Zugang habe nur das Personal und die Geschäftsführung. «Wer soll dann dort Delfine vergiftet haben?»
Dieselben Symptome bei beiden Delfinen
Mitarbeiter des Connyland hatten am Sonntagnachmittag bemerkt, dass es dem 30-jährigen Delfinmännchen «Chelmers» plötzlich schlecht ging. Sie riefen einen Tierarzt. Dieser konnte aber den Tod des Delfins nicht mehr verhindern.
Bereits am vergangenen Dienstag war der achtjährige «Shadow» mit den gleichen Symptomen im Delfinbecken in Lipperswil ganz unerwartet gestorben. Ein Zusammenhang zwischen den beiden Fällen könne nicht ausgeschlossen werden, teilte die Thurgauer Kantonspolizei mit.
Anonyme Drohungen
Das Connyland hatte vergangene Woche anonyme Drohungen erhalten. Diese richteten sich allerdings gegen die Betreiber des Freizeitparks, nicht gegen die Tiere, sagte der Staatsanwalt.
Das Connyland hat für die verbleibenden Delfine Schutzmassnahmen ergriffen. Im Freizeitpark selber war niemand für eine Stellungnahme erreichbar.
Seit langem umstritten
Das Delfinarium Connyland ist schon des öftern in Kritik geraten. Bislang konnte dem Freizeitpark aber kein Verstoss gegen das Tierschutzgesetz nachgewiesen werden. Eine Chronik des Disputs finden Sie hier.
Der Thurgauer Kantonstierarzt Paul Witzig zeigte sich gegenüber dem Regionaljournal Ostschweiz von Radio DRS «tief betroffen» und «ohnmächtig». Es gebe keinen Grund, dem Delfinarium die Bewilligung zu entziehen. Die Delfinhaltung im Connyland entspreche den Vorschriften.
Importverbot für Delfine gefordert
«ProWal» und das «Wal- und Delfinschutz-Forum» (WDSF) hatten vergangene Woche einen Zusammenhang des ersten Delfintods mit einer Techno-Party im Connyland vermutet.
Sie übten Kritik am Veterinäramt des Kantons Thurgau, weil dieses die Techno-Party nicht verboten habe. Die Bündner Nationalrätin Brigitta Gadient (BDP) hat im Parlament einen Vorstoss eingereicht. Sie will, dass die Schweiz den Import von Delfinen verbietet.
Auch die Organisation «OceanCare» unterstützt die Forderung eines Importverbots. Nur so lasse sich der «Missbrauch von Show-Delfinen wirksam unterbinden», schrieb OceanCare. Die Organisation will am kommenden Donnerstag in Bern eine von 77'500 Tierfreunden unterzeichnete Petition einreichen.
(sda/koua/bers)



