Krise im Euro-Land
Lucas Papademos – Architekt des griechischen Euro-Beitritts
In Griechenland tritt ausgerechnet der Mann an die Spitze der Regierung, der als Architekt der Aufnahme der Hellenen in die Währungsunion gilt. Lucas Demetrios Papademos hatte nie ein politisches Amt inne. Er war lange der oberste Notenbanker Griechenlands und vertrat das Land als Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB).
Der gelernte Elektrotechniker und Wirtschaftswissenschaftler ist die Verkörperung eines «Experten», der mit Besonnenheit und fachlicher Qualifikation in der griechischen Übergangsregierung das Vertrauen der internationalen Kreditgeber zurückerobern soll. Doch ob er das nötige Charisma mitbringt, um auch das aufgebrachte griechische Volk von der Notwendigkeit des Sparkurses zu überzeugen, bleibt abzuwarten.
Image litt nicht unter falschen Zahlen
Der gebürtige Athener studierte und promovierte in den USA am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston, danach lehrte er als Wirtschaftsprofessor an der Columbia-Universität in New York. Mitte der 1980er-Jahre kehrte er nach Griechenland zurück, wo er in der nationalen Notenbank Karriere machte und 1994 zu deren Gouverneur aufstieg.
Ein Land in den Fängen der Familien-Clans
Die stark in die Kritik geratene griechische Politik liegt seit Jahrzehnten hauptsächlich in den Händen dreier Familien-Clans. So stehen nun Nachkommen derjenigen Politiker an der Macht, die den Niedergang des Landes über Jahre hinweg mitverantwortet haben. Mehr dazu hier.
Zusammen mit der sozialistischen Regierung bereitete er die Aufnahme Griechenlands in die europäische Währungsunion 2001 und die Einführung des Euro als Zahlungsmittel 2002 vor. Dafür erntete er im eigenen Land großen Respekt.
Später wurde bekannt, dass Griechenland über Jahre hinweg falsche Zahlen nach Brüssel übermittelt hatte – was allerdings kaum Einfluss auf Papademos' internationales Renommee hatte, da er sich als Verfechter einer Begrenzung der Staatsschulden profiliert hatte.
Nüchterner Zahlenwerker
Papademos legte 2002 sein Amt als Notenbankchef nieder und wechselte als Vize-Präsident der EZB nach Frankfurt. Seine Erfahrung als Vertreter eines ärmeren Eurolandes sollte helfen, die osteuropäischen Neuzugänge in der EU auf die Einführung der Währung vorzubereiten.
An der Seite von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet mit seinem französischen Esprit wirkte Papademos bei den Pressekonferenzen der Zentralbank umso mehr wie der nüchterne Zahlenwerker, dem öffentliche Auftritte kein besonderes Vergnügen zu bereiten schienen.
Inhaltlich lag das Duo Papademos-Trichet auf einer Linie – politisch unabhängig und doch im Zweifelsfall etwas pragmatischer eingestellt als die auf strenge Richtlinien der Geldpolitik fixierten Vertreter der Bundesbank.
Aus Ruhestand wird nun nichts
Nach seiner achtjährigen Amtszeit schied Papademos 2010 aus der EZB aus. Zuvor hatte der Parteilose ein Angebot des damaligen Spitzenkandidaten der Sozialisten, Giorgos Papandreou, in dessen Team eine Schlüsselrolle zu übernehmen, abgelehnt.
Es gilt als unwahrscheinlich, dass der heute 64-Jährige insgeheim auf die Nachfolge Papandreous spekulierte – eher dürfte er sich auf einen unspektakulären Ruhestand gefreut haben, den er mit seinen wissenschaftlichen Interessen ausfüllen wollte. Dennoch pflegte Papademos angesichts der schwierigen Lage Griechenlands seine politischen Kontakte, die ihn nun wieder ins Rampenlicht katapultiert haben.
(dpa/frua)



