Vermischtes
Superradar macht Dränglern das Leben schwer
Jeder Autofahrer hat es schon erlebt, viele haben es auch schon einmal selber gemacht: drängeln. Pro Tag passieren vier Unfälle wegen zu nahen Aufschliessens. Besonders oft gedrängelt wird im Kanton Bern: Dort ist zu nahes Auffahren sogar die häufigste Unfallursache. «10vor10» zeigt, wie die Kantonspolizei Bern das Problem angeht.
Die Jagd nach Abstandssündern ist aufwendig: Die Polizei muss einen Drängler während einer gewissen Zeit verfolgen, ihn anschliessend anhalten und mit den gemachten Videoaufnahmen konfrontieren. Das ist wenig effizient.
Die Berner Kantonspolizei setzt deshalb seit acht Monaten auf ein neues Gerät. Der neue Radar erfasst einen Strassenabschnitt von 500 Metern und registriert jeden Lenker, der zu nahe auffährt. «Der Abstandsradar macht innerhalb der Messpunkte zwei Messungen», erklärt Nik Gast, Chef Dienstleistungen Kantonspolizei Bern, «so können wir mit 100-prozentiger Sicherheit erkennen, wer zu dicht auffährt.»
Bis zu drei Jahre Gefängnis
Wie hart die Konsequenzen für Drängler sind, ist den Wenigsten bekannt: Wer beispielsweise bei 120 Stundenkilometer weniger als 16 Meter Abstand einhält, ist seinen Fahrausweis für mindestens drei Monate los. Dazu kommen eine Busse und ein Strafverfahren.
Für Christoph Scheurer, Staatsanwalt im Kanton Bern ist klar, dass Drängeln kein Kavaliersdelikt ist. «Als Richtlinie gilt: Wer weniger als 0,5 Sekunden Abstand hat, begeht eine grobe Verkehrsregelverletzung.» Das heisst, es drohen im schlimmsten Fall drei Jahre Gefängnis.
Wer glaubt, er könne schnell reagieren und immer rechtzeitig bremsen, könnte sich irren: Allein 1 Sekunde Reaktionszeit verstreicht vom Erkennen der Gefahr bis zum Drücken der Bremse. «Und das ist nur ein Durchschnittswert, die Hälfte der Bevölkerung braucht mehr als eine Sekunde um zu reagieren, zudem kommt es sehr auf die momentane Verfassung des Lenkers an», betont Gianantonio Scaramuzza von der Beratungsstelle für Unfallverhütung in Bern (BFU).
Über 1000 Drängler verzeigt
«Bei Müdigkeit, Alkohol oder schlechter Sicht wird die Reaktionszeit schnell deutlich länger.» Laut Statistik des BFU sind 80 Prozent der Drängler übrigens Männer.
Während einer Kontrolle schnappt die Radarfalle pro Stunde durchschnittlich über 100 Mal zu. Rund 10 Prozent der Kontrollierten werden ihren Ausweis abgeben müssen. Total hat die Kantonspolizei Bern bisher über 1000 Drängler verzeigt.







