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International

Thailand: Elite im Trockenen, Normalbürger unter Wasser

Sonntag, 30. Oktober 2011, 16:41 Uhr, Aktualisiert 16:50 Uhr

Bangkok ist die Überschwemmung der Innenstadt erspart geblieben. Den Randbezirken und umliegenden Provinzen nicht. Viele sagen, die Reichen seien auf dem Rücken der Armen beschützt worden.

(«Tagesschau» vom 30.10.2011)

Prayuth Khamken hatte in der Provinz Nakhon Phatom ganz nah bei Bangkok einen Bauernhof mit Gemüse. Bis Samstag. Dann kam das Hochwasser. Dpa-Reporterin Christiane Oelrich hat mit Menschen vor Ort gesprochen.

Sein Land steht nun mehr als einen Meter unter Wasser. «Die Farm ist zu 100 Prozent zerstört», sagt der Landwirt resigniert. «Ich gehe, wir haben im Norden Thailands noch Land, vielleicht kommen wir nie wieder.»

Im Herzen Bangkoks dagegen grosses Aufatmen: «Wir haben den Stöpsel aus der Badewanne gezogen und sitzen mit einem Glas Wein auf dem Balkon», berichtet ein deutscher Geschäftsmann entspannt.

Er hatte wie viele Innenstadtbewohner mehrere 20-Liter-Kanister Trinkwasser bestellt und die Badewanne volllaufen lassen. Dass er auf dem Weg zur Arbeit nun nicht durch knietiefes Wasser waten muss, ist ihm ein gutes Fläschchen wert.

Bild Eine Filiale der Citibank in Bangkok mit Sandsätcken vor dem Eingang. (keystone)
Das Opfer der Menschen in der Flut-Katastrophe ist gross. Aus Angst, die Ausländer könnten das Vertrauen in Thailand verlieren, wurde in Bangkok mit aller Kraft das Zentrum geschützt. «Ich danke euch allen für euer Opfer», sagte Premierministerin Shinawatra zur Bevölkerung. reuters

Die Einwohner des Stadtbezirks Thon Buri westlich des Flusses Chao Phraya haben nicht so viel Glück. Ihre Strassen stehen unter Wasser.

 Â«Jetzt haben sie auch das Wasser rationiert», sagt Nattaporn Boonthawatchai. Weil das zulaufende Wasser wegen der Überschwemmungen so schmutzig ist, dauere das Säubern länger, teilte der Wasserversorger mit.

Bild Menschen aus dem Norden Bangkoks werden evakuiert. (keystone)
Noch immer müssen Menschen rund um Bangkok ihr ganzes Hab und Gut zurücklassen. Hier in der Nähe des Don Muang Flughafens im Norden der Hauptstadt. keystone

Die Bangkoker Innenstadt ist auf Kosten der umliegenden Bezirke und Provinzen geschützt worden, daraus haben die Behörden keinen Hehl gemacht: Sie bauten im Norden der Hauptstadt riesige Flutwälle und pumpten das Hochwasser Richtung Osten und Westen. Die Innenstadt mit Banken, Firmensitzen, Hotels und vielen Ausländern sollte unter allen Umständen trocken bleiben.

Bangkoks Zentrum mit aller Karft schützen

Schon vor zwei Wochen entlud sich die Wut der Landbevölkerung, als die Pläne bekannt wurden. Auf ihren Feldern sei das Flutwasser auf vier bis fünf Meter gestiegen, klagte Cha-em Limswat.

«Sie wollen Bangkok auf Kosten von Ayutthaya (Stadt 70 Kilometer nördlich von Bangkok) schützen», sagte sie der «Bangkok Post». Zusammen mit etwa 300 weiteren Anwohnern demonstrierte sie gegen die Errichtung eines weiteren Flutwalls.

Im überfluteten Don Muang-Bezirk in Nordbangkok rissen Anwohner hinter dem Nawong Tempel eine Kanalbarriere ein, berichtete die Zeitung «Nation».

«Danke für eure Opfer»

In der Provinz Pathum Thani warf Regierungschefin Yingluck Shinawatra ihr politisches Gewicht in die Waagschale, um wütende Anwohner zu zähmen. Bagger rissen dort eine Strasse auf, um eine weitere Ablaufrinne für Flutwasser zu schaffen – an Bangkok vorbei.

«Ich danke euch allen für euer Opfer. Wenn wir warten würden, bis die Wasserschleusen in Nordbangkok beschädigt sind, würden die Wassermassen nach Bangkok fliessen. Die Ausländer würden das Vertrauen verlieren, dass wir unsere Hauptstadt nicht schützen können», sagte sie und versprach den Betroffenen volle Wiedergutmachung.

Katastrophe als Spiegelbild der politischen Krise

Die Regierungschefin könnte einen hohen Preis dafür zahlen. Ihre Machtbasis sind die Landbevölkerung und die kleinen Leute am Rand der schicken Stadtzentren. In einem zwischen Arm und Reich politisch tief gespaltenen Land besiegte sie im Juli eine Regierung, die die Unterstützung der alteingesessenen Eliten genoss.

«Das Chao Phraya-Bassin zu überfluten, um Bangkok zu retten, ist ein Spiegelbild der politischen Krise Thailands», schrieb der Politologe Thitinan Pongsudhirak in der britischen Zeitung «Guardian». «Da werden wieder die Armen und Unterdrückten gegen die urbanen Eliten ausgespielt.» Er betonte: Es hätte dem Gerechtigkeitssinn gedient, wenn ein Teil der Fluten auch durch Bangkoks Zentrum gerauscht wäre.

(dpa/schubeca)

Kommentare aktiv...

J. Knecht, Bangkok
(knechtjosef Mann)
Verfasst am: 31.10.2011 9:40

Die Vermutung stimmt nicht

Man hat immer versucht, v.a. die wirtschaftlich... mehr

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J. Knecht, Bangkok
(knechtjosef Mann)
Verfasst am: 31.10.2011 9:36

Die Innenstadt ist noch nicht sicher

Zwar ist der Wasser-Höchststand vorbei, doch... mehr

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B. Faden

Verfasst am: 31.10.2011 9:13

Genau wie hier

Ihr werdet bald Butterbrote essen und sie ein 7... [1]  mehr

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