Krise im Euro-Land
Griechischer Ex-Beamter: «Stimmenfang durch Job beim Staat»
Der ehemalige Beamte und Fotograf Mihalis Patsouras sorgte letztes Jahr in der Schweiz mit einer Fotostrecke aus tristen, griechischen Beamtenbüros für Aufsehen. Heute, sagt er zu «tagesschau.sf.tv», gebe es keinen Grund mehr, schlecht über Beamte zu sprechen.
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«Die 30‘000 Entlassungen entbehren eigentlich jeglicher Logik», sagt Mihalis Patsouras. «Dieselben Politiker, die Leute haufenweise anstellten und sinnlos neue Stellen schufen, um Wählerstimmen zu generieren, spielen heute die Unschuldsengel», sagt Patsouras zu «tagesschau.sf.tv». Der 42-jährige Patsouras war 10 Jahre lang im Ministerium für Landesentwicklung tätig und lernte so den griechischen Beamtenstaat von innen kennen.
Back-Gammon auf dem Büro-Tisch
Die Fotos von Patsouras zeigen den Alltag eines beliebigen Staatsbeamten-Büros, in dem er selber Ende der 90er Jahre arbeitete. «Die Aufnahmen stehen plötzlich als Sinnbild für den faulen Griechen», so Patsouras zur Wahrnehmung seiner Fotos. «Dabei wollte ich eigentlich eher das triste Dasein und die unüberwindbaren Papierberge abbilden».
Das aktuelle Interesse um seine Fotos im Ausland verblüffte ihn. Während eines mehrmonatigen Aufenthalts nahe Lausanne (VD) stand der heute selbständige Fotograf sogar im Gespräch mit einem Kuratoren für eine Foto-Ausstellung im Waadtland.
Meinungsumschwung
Seine fotographisch festgehaltenen Erinnerungen an den Beamtenstaat zeichnen ein authentisches Bild des «faulen Staatsangestellten», «Die gängigen Klischees um den Moloch des griechischen Verwaltungsapparats lassen sich in der Tat nicht wegreden», erklärt Patsouras. Seine Haltung dazu habe sich aber heute ein wenig geändert.

Tabubruch - Athen entlässt 30'000 Beamte
Im Kampf gegen die Staatsschulden macht die Regierung jetzt auch vor Tabus nicht mehr Halt: Gestrichen werden 30'000 Stellen im Staatsdienst. Wen trifft es und wie sieht ihre Zukunft aus? Mehr dazu hier.
Inzwischen gebe es eigentlich keinen Grund mehr, schlecht über diese Beamten zu reden. «Vor allem nicht über diejenigen die ich auf den Fotos abgebildet habe. Denen habe ich sowieso unrecht getan.» Die Staatsangestellten arbeiten nun auch für einen Hungerlohn von ein paar hundert Euro bei einer gleichzeitig massiven Zunahme der Steuern. «Sie müssen genauso zusehen, wie sie über die Runden kommen.»
«System der Stimmengenerierung»
Der Fisch stinke aber doch eigentlich vom Kopf her, so Patsouras. «Du kannst eigentlich sehr wenig dafür, wenn sie dich anstellen, obwohl sie auf deiner Position schon genug Leute haben.» Und dieser Umstand sei Sache der Direktoren, und nicht der Angestellten. Die Direktoren wiederum sind «Parteihunde», Hardliner der jeweilig regierenden Partei, die alles für die Machterhaltung tun würden.
«Die Regierung hat diesen Verwaltungsmoloch zu verantworten», ist sich der ehemalige Beamte sicher. Grotesk werde es gar, wenn die Konservativen von Nea Dimokratia den Sozialdemokraten von Pasok vorwerfen, den Entlassenen als Wahlversprechen in einigen Monaten eine Wiederanstellung anbieten zu wollen. Dieses System der Stimmengenerierung wurde von beiden regierenden Parteien gleich angewandt.
«Diese Doppelmoral der Politiker ist unerträglich», sagt Patsouras. «Sie haben diese Mentalität aufkommen lassen und über Jahre gehegt und gepflegt, um ihre Macht zu erhalten.»
Mihalis Patsouras hat sich nach zehn Jahren in einem Beamtenbüro als Fotograf selbständig gemacht und ist heute froh, «aus diesem Mief herausgekommen zu sein und einer kreativen Tätigkeit nachgehen zu können».
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M. Bracher, Bern
)
(Unternehmer
Verfasst am: 5.10.2011 17:34
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